Report about my semester abroad 

Southampton, Summer 2012

I. Vorwort

Gründe für einen Erasmus-Aufenthalt in Southampton gibt es viele: Die Berühmtheit der Stadt als Starthafen der Titanic, der gute Ruf der stark forschungsorientierten Universität, oder schlichtweg die südliche Lage, die besseres Wetter als das berühmt-berüchtigte Wetter im Rest des Landes verspricht. In diesem Erfahrungsbericht möchte ich einen Überblick über meine Erlebnisse vor Ort, Erfahrungswerte zur Vorbereitung und Tipps zum Alltagsleben geben.

Eins sei vorweggenommen: Unabhängig davon, welcher der drei Gründe einen am meisten anspricht, lohnt sich der Weg nach Southampton. Die Chance, in einer anderen Kultur zu leben, neue Perspektiven auf sein Studienfach zu bekommen und sich währenddessen persönlich weiterzuentwickeln, ist unvergleichlich.

II. Formalitäten und Vorbereitung

Organisatorisches: Verglichen mit anderen Austauschprogrammen ist der Umfang der Formalitäten eher moderat. Im Psychologischen Institut wurde neben Lebenslauf, Empfehlungsschreiben, Notenauszug, Bewerbungsformular und Abiturzeugnis auch ein learning agreement, eine Übersicht der geplanten Kursbelegung, gefordert. Zum Ausfüllen des Learning Agreements empfiehlt sich der Besuch der Website eFolio (https://www.efolio.soton.ac.uk/ehandbook/tiki-index.php), einer Übersicht über alle verfügbaren Psychologiekurse in Southampton. Zu beachten ist das angegebene Semester, da die meisten Kurse jährlich angeboten werden.

Einige Zeit nach der Erasmus-Bewerbung in Heidelberg bekommt man Unterlagen von der Universität Southampton, die man ausgefüllt zurücksenden muss, um beispielsweise einen Studentenausweis zu beantragen. Zudem kann man sich, sofern man im zweiten Semester des akademischen Jahres nach Southampton geht, für einen Wohnheimplatz in den sogenannten halls bewerben.

Planung: Vor dem Reiseantritt sollte man sich bei seiner Krankenversicherung erkundigen, welchen Krankenversichertenschutz man während der Zeit im Ausland hat. Zudem sollte man ebenfalls klären, inwiefern Unfallschutz und Haftpflichtversicherung bestehen. Bei der Hausbank ist zudem zu fragen, inwiefern Abhebungen im Ausland kostenlos sind und welcher finanzielle Rahmen besteht. Eine Kreditkarte empfiehlt sich ebenfalls.

Britische Pfund kann man bereits am Flughafen abheben, des Weiteren gibt es auf dem Campus und am Nordend des Campus mehrere Geldautomaten. Für die ersten Tage kann man sich beispielsweise ein Zimmer im B&B oder Hostel buchen, um dann vor Ort nach einer Wohnung zu suchen. Zu guter Letzt sollte man auch an einen passenden Adapter denken.

III. Anreise und Transport

Hinfahrt: Southampton verfügt über einen eigenen Flughafen, der von der Fluggesellschaft Flybe bedient wird. Alternativ kann man nach London fliegen und den Bus nach Southampton nehmen, allerdings ist der Direktflug bei früher Buchung insgesamt günstiger. Vom Flughafen kann man den Unilink-Bus nehmen, der die wichtigsten Routen für Studenten (Wohnheime, Campus, Innenstadt) abdeckt.

Transport in Großbritannien: In Southampton gibt es mehrere Busgesellschaften, was zunächst etwas verwirrend sein kann. Die Unilink-Gesellschaft richtet sich an Studenten und wurde von der Universität Southampton beauftragt. Bei Erhalt eines Wohnheimplatzes wird kostenlos eine Dauerkarte für diese Busse ausgehändigt. Generell empfiehlt es sich bei Reisen auf der ganzen Insel, eher den Bus als den Zug zu nehmen, da die Vernetzung besser ist und man meistens weniger zahlt. National Express oder Megabus bieten sogenannte „Funfares“ an, die günstiger als der Normalpreis sind.

IV. Wohnen und Leben

Standards und Preise: Generell ist die Wohnungsmarktlage in Southampton bei etwa 10% Leerstand eher günstig. Allerdings muss man sich mit einem schlechteren Preis-Leistungsverhältnis abfinden: Für die Miete sollte man im Schnitt 65 bis 85 Pfund pro Woche einkalkulieren, während die Zimmer, die zu diesen Preisen angeboten werden, meist eher klein und oft nicht im besten Zustand sind. Zudem kann es sein, dass Rechnungen zusätzlich bezahlt werden müssen (je nach Vermieter können Gas, Strom, Wasser, Internet und Telefon zusätzlich berechnet werden). Viele Häuser, die an Studenten vermietet werden, scheinen nicht sonderlich von den Vermietern gepflegt zu werden.

Wohngegenden: Am ehesten bieten sich für Studenten der Universität Southampton die Gegenden Highfield, Portsmouth und Bassett an, da sie sich in der Nähe des Campus befinden. Allerdings unterscheidet sich die Sicherheit in diesen Stadtteilen. Generell gilt die Burgess Road, eine der Hauptstraßen, als etwas zwielichtig, ebenso die angrenzenden Bereiche (Swaythling, Flowers' Estate in Bassett Green). Auch St. Deny's, St. Mary's, Totton und Shirley haben nicht den besten Ruf. Allerdings kann man solche allgemeinen Aussagen nicht allzu direkt interpretieren; im Flowers' Estate beispielsweise wohnen inzwischen sehr viele Studenten.

Sicherheit: Nichtsdestotrotz hat Southampton die dritthöchste Kriminalitätsrate des Landes, und manche Bereiche der Stadt sollte man schlichtweg eher meiden. Allgemein empfiehlt es sich, abends nur zu zweit oder mehreren das Haus zu verlassen und Taxis vorzubestellen. Man sollte zu jeder Zeit gut auf seine Habseligkeiten achten, da von der Innenstadt bis zur Universitätsbibliothek durchaus immer mal wieder etwas verschwinden kann. Diese und andere Informationen werden einem direkt in der Willkommensveranstaltung mitgeteilt, so dass man sich die Ratschläge gut einprägen kann.

Wohnungssuche: Die Universität bietet zur Wohnungssuche die Website SASSH (www.sassh.co.uk), auf der nur von der Universität anerkannte Vermieter Anzeigen schalten dürfen. Somit ist zwar ein gewisser Standard vorhanden, insgesamt muss man jedoch generell, wie schon gesagt, mit einem geringeren Standard als in Deutschland rechnen. Außerdem kann man in der Facebook-Gruppe der Erasmus-Gruppe nach Angeboten suchen. Einkaufsmöglichkeiten Es gibt verschiedene große Supermärkte wie Waitrose, Sainsbury's oder The Co-Operative in Portswood, sowie kleinere Läden in der ganzen Stadt, die ein gutes Angebot bereithalten. Jede Woche gibt es zudem einen Markt auf dem Campus, bei dem man sich u.a. mit frischem Obst und Gemüse zu günstigen Preisen versorgen kann. Ebenso gibt es verschiedene Online-Lieferdienste wie Sunnyfields (Bio-Waren) oder ASDA, die ein preiswertes Angebot bereithalten und bis zur Haustür liefern. Insgesamt muss man damit rechnen, dass alle Waren teurer als in Deutschland sind. In der Southamptoner Innenstadt gibt es eine große Vielfalt an Geschäften. Man findet zwei große Einkaufszentren: Das bekanntere „West Quay“ und das kleinere „The Marlands“. Hier finden sich Geschäfte aller Art, die jeden Bedarf decken.

Medizinische Versorgung: Wenn man medizinische Versorgung braucht und mindestens sechs Monate in Großbritannien ist, kann man den National Health Service (NHS) kostenlos nutzen. Hierfür registriert man sich bei einer der beiden Arztpraxen auf dem Campus. Alternativ gibt es auch walk-in centres, welche man bei aktuellem Anlass ohne Voranmeldung aufsuchen kann. Der Zahnarzt ist nicht im NHS enthalten und muss gesondert bezahlt werden. Es gibt jedoch diverse NHS-Hotlines, die man anrufen kann, wenn man spezifische, akute Fragen hat.

Ausflüge: Ausflüge in die Gegend empfehlen sich auch: Ob zur Isle of Wight, die man mit der Fähre erreichen kann, oder die nahegelegenen Städte Bournemouth oder Portsmouth. Für Tages- oder Wochenendtrips empfehlen sich auch Bath, Oxford oder natürlich London. Es empfiehlt sich, coaches (Busse) zu nehmen, da diese günstiger als Züge sind.

V. Studieren

Formalitäten: Am Anfang des Semesters sollte man zunächst einen Termin mit dem Erasmus-Koordinator (z.Zt. Frau Valerie Benson; v.benson@soton.ac.uk) vereinbaren, um über die Kurswahl zu sprechen und weiteres Organisatorisches zu klären. Falls ein Kurs nicht wie geplant belegt werden kann, beispielsweise weil er überbesetzt ist oder nicht in dem Semester stattfindet, sollte man nach Absprache mit dem Erasmus- Koordinator das student office aufsuchen, um die Kurse zu ändern. In diesem Fall muss ebenfalls das learning agreement geändert werden (change of learning agreement) und an den Erasmus- Koordinator in Heidelberg (Frau Ute Lorenz) geschickt werden. Zudem muss eine Bestätigung über die Ankunft vom Erasmus-Koordinator in Southampton unterschrieben werden und an das Akademische Auslandsamt gesendet werden. Zum Ende des Aufenthaltes wiederholt sich dieser Prozess. Diese Papiere finden sich alle in einer Mappe, die man bei der Bestätigung des Studienplatzerhalts vom Akademischen Auslandsamt erhält.

Karriereangebote: Man merkt auch an den vielfältigen Angeboten des career service, dass auf die sogenannte „employability“, die Einstellungsfähigkeit, sehr stark geachtet wird. Da die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in Großbritannien verhältnismäßig hoch ist, werden karrierefördernde Angebote häufig beworben. Dies kann u.a. Recruitingveranstaltungen, Praktikumsangebote und CV checks beinhalten. Interessant kann es in jedem Fall sein, das career centre im Gebäude 37 zu besuchen, da sich hier viele Informationen zu weiteren Perspektiven finden.

Studien und Forschung: Als Psychologiestudent kennt man bereits die Teilnahme an Studien als verpflichtenden Bestandteil des eigenen Studiums. An der Universität Southampton wird die Studienteilnahme wie folgt organisiert: Für jeden Kurs, den man belegt, muss man eine bestimmte Anzahl an credits sammeln, was in der Veranstaltung angekündigt wird. Die aktuellen Studien werden fortlaufend über die Website Psyweb (www.psyweb.soton.ac.uk) ausgeschrieben, und man sollte bis zum Ende des Semesters alle notwendigen Punkte sammeln, da sonst Notenabzüge drohen.

VI. Campusleben

Erasmus-Rahmenprogramm: Ein weiteres Argument für die Universität Southampton ist das vielfältige Rahmenprogramm. In der ersten Woche gibt es Willkommensveranstaltungen für internationale Studenten, in denen man Wissenswertes und Praktisches zum Leben in Southampton und an der Universität erfährt. Ebenso bietet die Erasmus-Initiative Ausflüge und Freizeitaktivitäten für internationale Studenten an. Hier lohnt sich der frühzeitige Beitritt zur Facebook-Gruppe. Diese Initiative bietet ebenfalls ein Buddy-Programm, durch das einem ein englischer Student zugeteilt wird, der einem zur Seite steht.

Studentische Initiativen: Insgesamt gibt es sehr viele studentische Gruppen und Initiativen. Einige größere Initiativen, wie beispielsweise SIFE oder AIESEC, mögen einem auch aus Deutschland bekannt sein. Andererseits beinhaltet das Spektrum dieser sogenannten societies viel mehr als in Deutschland üblich: Von allerlei bekannten und unbekannten Sportarten über politische, religiöse und soziale Gesellschaften, bis hin zu Schach-, Töpfer-, oder Picknick-Initiativen ist alles vertreten. Wenn man im ersten Semester anreist, empfiehlt sich der Besuch des bunfight, einer Veranstaltung, bei der sich alle Gesellschaften vorstellen. Die Teilnahme in Initiativen bietet auch interessante Möglichkeiten, mehr in die englische Kultur einzutauchen, da man vorrangig mit englischen Studenten zusammenarbeitet. Obwohl es als Erasmus- Student leicht fällt, andere Erasmus-Studenten zu treffen, ist es deutlich schwieriger, Studenten aus Southampton und die britische Kultur authentisch kennenzulernen. Daher ist der Besuch einiger Initiativen sehr zu empfehlen. Während meiner Zeit in Southampton bekam ich die Gelegenheit, bei einem Shakespeare-Schauspiel mitzuwirken, sowie einen Posten bei AIESEC zu übernehmen. Beide Erfahrungen haben mir tiefere Einblicke in die Kultur ermöglicht, als ich sie im studentischen Alltagsleben hätte erfahren können.

Campus: Der Campus selbst bietet auch ein breites Angebot: Neben einem Shop, einer Kantine und einem Frisör finden sich hier ebenfalls mehrere Arztpraxen des NHS, ein Fitnessstudio (Jubilee Sports Hall) und ein Reisebüro. Das Sportangebot ist sehr breit gefächert, weshalb sich die Investition in eine Mitgliedschaft beim Fitnessstudio schnell rentiert. Für einen Halbjahresbeitrag von 65 Pfund kann man alle Anlagen (inklusive Schwimmbad) uneingeschränkt nutzen, an diversen Kursen teilnehmen und Spielfelder buchen. Da das Fitnessstudio direkt gegenüber der Universitätsbibliothek liegt, bietet es sich zudem als Ausgleich nach einem langen Lerntag an. Ebenso wird der Campus von Firmen besucht, die Studenten anwerben, oder von diversen Societies genutzt, um Projekte vorzustellen. Ein paar der bemerkenswertesten Wochen auf dem Campus waren u.a. die Wahlwoche, in der zahlreiche studentische Kandidaten nach allen Regeln der Kunst um Wählerstimmen warben, und die Klausurenwoche, in der zum allgemeinen Wohlbefinden klausurgestresster Studenten abwechselnd Hüpfburgen, Minigolfkurse und Streichelzoos angeboten wurden. Insgesamt wird sehr viel Wert auf die overall student experience gelegt, so dass die Angebote für Studenten hier vielfältiger und außergewöhnlicher als in Deutschland ausfallen.

VII. Fazit

Zum Schluss möchte ich der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Universität Southampton für diese bereichernde Möglichkeit danken. Besonderer Dank gilt Frau Ute Lorenz für ihre stets hilfreiche Unterstützung und herzliche Art, und Frau Valerie Benson für die gute Betreuung in Southampton. Wegen ihnen konnte ich einen reibungslosen, erfahrungsreichen Aufenthalt erleben und bin dafür zu Dank verpflichtet. Jeder, der mit dem Gedanken spielt, den Schritt ins Ausland zu wagen, sei hier angesprochen: Vermutlich gibt es nur wenige Gelegenheiten im studentischen Leben, in denen man mit so viel Unterstützung für einen Auslandsaufenthalt rechnen kann. Das Semester kann als Urlaubssemester angerechnet werden, so dass es die Regelstudienzeit nicht tangiert, und die Angebote für Erasmus-Studenten übertreffen die Erwartungen. Doch in erster Linie bekommt man die Gelegenheit, über den Tellerrand des eigenen Landes zu schauen und in eine fremde Kultur einzutauchen, sein Studium auf eine andere Art und Weise zu erleben und sich selbst durch eine neue Herausforderung weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt bekommt man die Chance, sich ein bisschen britische Gelassenheit und stoische Höflichkeit anzueignen, und vielleicht versteht man sogar – mit etwas Zeit und Glück - den britischen Humor. Unabhängig davon, was gegen einen Auslandsaufenthalt sprechen mag: Man bereut letztlich eher das, was man nicht macht, als das, was man macht.