Southampton WS 2013/14 (MSc)

Southampton, Winter semester 2013/2014 (Master)

Vorbereitungen

Im Rahmen meines Masterstudiums Psychologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verbrachte ich ein Erasmus-Semester (September 2013 bis Januar 2014) an der University of Southampton in Großbritannien. Da Erasmus ein festes Austauschprogramm ist, erhielt ich von der Universität viele Informationen, inklusive eines online-Einführungskurses. Dieser war jedoch nicht besonders hilfreich, da er ausschließlich dazu diente, sich sehr grundlegend über Großbritannien und die University of Southampton zu informieren. Des Weiteren eröffnete ich ein Konto bei der DKB, das eine kostenlose Kreditkarte beinhaltete, mit der man weltweit kostenfrei Geld abheben kann. Dies ersparte mir das doch etwas komplizierte Anlegen eines englischen Kontos. Da sowohl meine Krankenversicherung als auch meine Haftpflichtversicherung in Großbritannien gültig waren, musste ich in dieser Hinsicht nichts weiter organisieren. Ich war mit meiner Europäischen Krankenversicherungskarte in Southampton auch ohne größere Probleme (einige Erklärungen waren nötig) zwei Mal beim Arzt. Wesentlich schwieriger gestaltete sich die Wohnungssuche. Studierende in Southampton beginnen bereits kurz nach Weihnachten, sich nach einem neuen Zimmer für den nächsten Oktober umzusehen. Wenn man also im Oktober (knapp zwei Wochen vor Beginn des Semesters) ankommt, sind die meisten Häuser schon bewohnt. Viele Vermieter weigern sich darüber hinaus, Zimmer für nur vier Monate zu vermieten. Die Preise sind außerdem deutlich höher als in Deutschland, während die Qualität deutlich niedriger ist. Zimmer im Studentenwohnheim werden von der University of Southampton leider für Erasmus-Studierende nicht angeboten, Hilfe für die Suche gibt es auch kaum. Nach einer Woche im Bed & Breakfast habe ich dann ein Zimmer in einem Haus in Portswood gefunden, in dem auch andere Erasmus-Studierende wohnten. Portswood ist die Gegend, in der die meisten Studierenden wohnen, da es gut gelegen ist zwischen Universität und Stadt.

Aufenthalt

Universität

Die University of Southampton bietet fast zwei Wochen lang Einführungsveranstaltungen für die neuen Erstsemester und für neue Master-Studierende an, sodass das Eingewöhnen relativ leicht fällt. Diese Veranstaltungen finden sowohl in der Universität, als auch in den verschiedenen Fachgebieten statt. Ich als Erasmus-Studentin habe allerdings den Eindruck gewonnen, dass man weniger wichtig genommen wird als andere internationale Studierende. Während diese gut betreut werden, ist es als Erasmus-Studierende sehr schwierig herauszufinden, wo die eigenen Veranstaltungen stattfinden, zu welcher Zeit man an welchem Ort sein muss usw. Glücklicherweise hat die Psychologie eine eigene Einführungsveranstaltung für Erasmus-Studierende angeboten, die mir bei der Orientierung half, bei anderen Fächern war das jedoch nicht der Fall. Außerdem gibt es an der University of Southampton viele verschiedene Societies. Diese dienen dazu, gemeinsame Interessen zu pflegen (Film, Theater, Ländergruppen, usw.), Sport zu treiben (Ballsportarten, Tänze, Mannschaftssport, usw), sich einfach zu vernetzen (Erasmus, Fachgruppen) und vieles Weiteres. Diese Societies organisieren ebenfalls am Anfang des Semesters viele Veranstaltungen, bei denen man sie und sich gegenseitig kennenlernen kann. Besonders hervorzuheben ist hier der Bunfight, der in der ersten Woche stattfindet und bei dem man in mehreren Hallen mit Informationsständen einen Einblick in die verschiedenen Societies erlangen kann. Insgesamt hat es mir an der University of Southampton sehr gut gefallen. Die Universität hat einen schönen Campus, auf dem man alles findet, was man braucht. Neben den Universitätsgebäuden befinden sich dort eine Cafeteria, eine Mensa, ein Pub, eine Bar, ein kleines Geschäft, ein Kino und ein Sportzentrum inklusive Schwimmbad. Auch die Bibliothek ist sehr gut ausgestattet. Es stehen viele Plätze zum Arbeiten sowie Gruppenarbeitsräume, die man für Gruppenarbeiten buchen kann, zu Verfügung. Der Arbeitsaufwand ist gerade im Master relativ hoch. Zwar hat man nur wenige Veranstaltungen, es wird jedoch erwartet, dass man für jede Veranstaltung mehrere Artikel pro Woche liest. Somit sammeln sich in der Woche bestimmt 20 Artikel an, die als „essential readings“ deklariert sind. Trotz des hohen Aufwands hatte ich das Gefühl, dass ein Master in Deutschland anspruchsvoller ist. Die Artikel waren letztendlich nicht notwendig, um Klausuren zu bestehen und wurden in den Veranstaltungen lediglich sporadisch angesprochen, sodass der Lerneffekt begrenzt war. Ich hatte mir weiter auch erhofft, meine Methodenkenntnisse vertiefen zu können, musste allerdings feststellen, dass die Quantitative Methodenvorlesung nicht über Bachelor-Niveau hinausging. Im Gegenzug bietet Southampton aber sehr gute Möglichkeiten für Studierende, die an Gesundheitspsychologie interessiert sind, denn es gibt einen eigenen Gesundheitspsychologie-Master dafür. Außerdem wird ein Zusatzseminar in Sexual Health angeboten. Dieses Seminar hat mir besonders gut gefallen, da das Thema normalerweise weniger in der Psychologie behandelt wird und zudem die beiden Dozierenden durch ihre Arbeit innerhalb und außerhalb der Universität sehr viel Interessantes beizutragen hatten. Das Seminar ist sowohl an Bachelor- als auch Masterstudierende gerichtet, daher besucht man als Masterstudierender drei zusätzliche Treffen mit den Dozierenden. Da bei uns nur drei Studierende dieses Seminar gewählt hatten, waren wir eine kleine Gruppe, in der besonders viel gelernt und intensiv diskutiert werden konnte. Stadt und Reisemöglichkeiten Southampton ist als Stadt vor allem dafür bekannt, dass die Titanic hier in See gestochen ist. Ansonsten ist die Stadt nicht besonders spektakulär, eine typische englische Industriestadt.In der Stadt habe ich mich vor allem in Portswood und in Highfield aufgehalten. In Portswood habe ich und auch viele meiner Freunde gewohnt, da es aufgrund seiner Lage die ideale Studierendengegend ist. In Highfield befindet sich der Hauptcampus der Universität. Tatsächlich spielt sich das studentische Leben im Gegensatz zu Deutschland hauptsächlich auf dem Campus ab. Studierende gehen morgens in die Universität, essen in der Cafeteria oder Mensa zu Mittag, gehen zum Lernen in die Bibliothek, danach zum Sport zu einer Society und treffen sich abends mit Freunden im Kino oder in der Bar. Southampton ist ein sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge in das Umland. Zum einen lassen sich mit dem Fernbus Nationalexpress sehr unkompliziert ( und wenn man früh genug bucht auch sehr günstig) nahegelegene Städte erreichen. Plant man viele Ausflüge zu machen, lohnt sich auf jeden Fall der Erwerb einer Young Persons Coach Card, welche zehn Pfund kostet. Hiermit sind alle Tickets für die Dauer eines Jahres um ein Drittel günstiger. Ist man nicht so gerne alleine unterwegs, dann kann man auch an diversen von Societies organisierten Ausflügen teilnehmen (z.B. von Erasmus oder der Hillwalking-Society). Der Vorteil ist, dass man in einer großen Gruppe unterwegs ist, direkt mit dem Bus vor Ort gebracht wird und zum Teil noch eine Führung (z.B. von der lokalen Erasmus-Society) angeboten bekommt. Ich war während meines Aufenthalts in England zwei Mal in London (etwa zweieinhalb Stunden mit dem Bus), in Oxford, in Salisbury und habe mir Stonehenge angesehen. Weitere Ausflüge in der näheren Umgebung waren Bath, Cambridge, Winchester und die Isle of Wigth. Außerdem wurde ein Wochenendausflug nach Edinburgh angeboten.

Positive Aspekte

Insgesamt hat mir mein Auslandsemester sehr gut gefallen. An der Universität begeisterte mich vor allem die offene und unkomplizierte Art der Dozierenden. Außerdem ermöglicht es Southampton – als englische Universität – Studierenden aus vielen verschiedenen Ländern an ihren Kursen teilzunehmen. Somit hat man nicht nur die Möglichkeit, die englische Kultur kennenzulernen, sondern auch die verschiedenen Herkunftsländer der anderen Studierenden. Zudem hat Southampton eine sehr lebendige Society-Szene, die es einem ermöglicht, vielen verschiedenen Interessen nachzugehen. Für meine persönliche Entwicklung waren drei Aspekte von besonderer Bedeutung: Ich habe gelernt, dass ich ohne große weitere Hilfe in der Lage bin, in ein fremdes Land zu ziehen und dort zu leben. Meine Sprachkenntnisse haben sich deutlich verbessert, sodass ich mir für meinen weiteren Karriereweg in der Forschung gut vorstellen kann, auf Englisch zu forschen, zu lehren und zu veröffentlichen. Und, vielleicht am wichtigsten: Ich habe sowohl andere Kulturen und ein anderes Land als Deutschland kennengelernt als auch viele internationale Freunde gewonnen und Kontakte geknüpft.

Negative Aspekte

Natürlich gab es während des Semesters nicht nur positives. Besonders gravierend empfand ich die Wohnsituation und das Niveau der Lehre. Die Universität stellt zwar einige Ressourcen zur Wohnungssuche zur Verfügung, diese sind aber entweder nicht hilfreich oder schlicht falsch. Die Suche nach einem Zimmer gestaltete sich daher zu einer Belastungsprobe, weil man jeden Tag damit rechnen musste, auf der Straße zu stehen und keinen Platz in den – aufgrund einer Show ausgebuchten – Bed & Breakfasts mehr zu bekommen. Hat man dann endlich ein Zimmer gefunden, so ist damit zu rechnen, dass dieses dreckig oder sogar verschimmelt ist. Im Winter kommen zusätzlich Heizprobleme dazu, da die meisten englischen Häuser sehr schlecht isoliert sind. Was die Lehre angeht: Ich hatte Veranstaltungen eines Masters für Forschungsmethoden belegt, um meine Methodenkenntnisse zu erweitern. Leider gingen die Veranstaltungen nicht über das hinaus, was in einer deutschen Bachelorvorlesung behandelt wird. Der Grund dafür könnte sein, dass versucht wird, alle Studierende auf den gleichen Stand zu bringen; in einigen anderen Ländern wird Methodenlehre im Bachelor nicht zwingend behandelt. Hier in Deutschland ist Statistik jedoch die Grundlage der Psychologie, denn ohne Methodenkenntnisse kann man Forschungsergebnisse nicht verstehen. Die Veranstaltung, die ich in Gesundheitspsychologie belegte, vermittelte ebenfalls Grundlagenwissen. In diesem Fach empfand ich das jedoch als nicht so gravierend, da Gesundheitspsychologie nur an sehr wenigen Universitäten angeboten wird und daher davon auszugehen ist, dass nur bei wenigen Studierenden vorheriges Wissen vorhanden ist. Allerdings waren drei Stunden Frontalvorlesung bei nur zwölf Studierenden nicht unbedingt die ideale Form der Wissensvermittlung. Hier wäre etwas mehr Interaktivität und Einbindung der Studierenden wünschenswert gewesen.

Fazit

Insgesamt bin ich mit meinem Auslandssemester zufrieden. Es war auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, aus welcher ich auch viel gelernt habe. Ich würde jedoch anderen Studierenden ein solches Semester eher im Bachelor empfehlen, da die Auswahl an Veranstaltungen dann wesentlich größer ist.