Report about my semester abroad 

Southampton, Winter 2017/2018 (Bachelor)

Ich habe im Wintersemester 2017/18 an einem ERASMUS-Austausch an der University of Southampton teilgenommen und dort das vielfältigste und bereicherndste Semester meines Studiums verbracht. Ich konnte sowohl persönlich als auch akademisch zahlreiche Erfahrungen dazu gewinnen und hoffe, dass ich mit meinem Bericht auch andere von einem Aufenthalt dort überzeugen kann.

1. Formalitäten

Nach der Bewerbung am Psychologischen Institut Heidelberg wird man von der dortigen Fachkoordinatorin, sowie dem akademischen Auslandsamt bei der University of Southampton nominiert. Danach erhält man per E-Mail einen Link, um sich online offiziell an der Universität in Southampton zu immatrikulieren. Für diesen Prozess bekommt man sehr ausführliche und verständliche Instruktionen vom ‚Study Abroad Team‘ in Southampton, das bei Fragen auch per Mail zuverlässig zur Verfügung steht. Über das online Portal lässt sich zudem der Studierendenausweis bestellen und der ‚Welcome Service‘ der internationale Studierende vom Flughafen Heathrow und Gatwick abholt und direkt vor ihre Haustür fährt. Auch für Wohnheime kann man sich über die Internetseite simple bewerben, muss aber die Bewerbungsfristen beachten.

Das Eröffnen eines britischen Bankaccounts halte ich persönlich nicht für nötig. Am besten klärt man im Vorhinein die Bedingungen für die Kreditkartennutzung mit seinem Bankunternehmen in Deutschland ab. In England kann man bequem überall mit Kreditkarte zahlen und ist kaum auf Bargeld angewiesen. Eine britische SIM-Karte fürs Handy braucht man dank des EU-Roamings ebenfalls nicht.

Die Anmeldung für Kurse erfolgt mit der online Immatrikulation. Dabei ist wichtig, dass Austauschstudierende bei der Vergabe keine Priorität haben. Ich konnte trotzdem fast alle Kurse belegen, die ich wollte. Ein ‚Plan B‘ schadet jedoch nicht, falls man bestimmte Module gerne in Heidelberg anrechnen lassen möchte. Generell lässt sich sagen, dass die University of Southampton viele Kurse im biologischen und klinischen Bereich anbietet. Wenn man Interesse an diesem Schwerpunkt hat, findet man am Kurskatalog also bestimmt Gefallen.

2. Unterkunft

In Southampton kann man während seines Aufenthalts entweder in einer privaten Unterkunft oder im Wohnheim leben. Ich habe damals in einem Wohnheim auf dem Campus gelebt. Die Bewerbung hierfür erfolgt online in wenigen Schritten und hat den Vorteil, dass man keine Angst vor falschen Angeboten im Internet haben muss. Alle Wohnheime werden ausführlich im Internet vorgestellt (mit 360° Tour). Im Wohnheim lebt man in einer WG, die oft gemischt aus internationalen und britischen Studierenden besteht. In England ist es Brauch, dass alle Studierenden ihr erstes Jahr im Wohnheim leben, somit wohnt man vorrangig mit Erstsemestern, welche die Umgebung und die Abläufe ebenfalls noch erkunden und dich dabei erfahrungsgemäß gerne mitnehmen. Jedes Wohnheim hat außerdem einen Gemeinschaftsraum, in dem jeden Abend etwas los ist. Der Nachteil von einem Wohnheimszimmer ist, dass diese oft teurer sind, als privates Wohnen. Auf der Internetseite kann man jedoch bequem Preise vergleichen.

Viele meiner Freundinnen und Freunde von dort haben in privaten WGs gewohnt. Typisch für England ist, dass WGs nicht in Wohnungen, sondern in kleinen Häusern sind. Daher wohnt man oft mit bis zu 6 Leuten zusammen, die ebenfalls sowohl internationale als auch britische Studierende sein können. Die Suche nach privaten Unterkünften funktioniert viel über Facebookseiten. Generell ist Southampton keine Stadt mit Wohnungsknappheit, wodurch man mit ein wenig Geduld immer eine Wohnung findet.

Die University of Southampton ist eine Campus-Uni. Deshalb ist die übergreifende Frage, ob man lieber in der Nähe des Campus oder der Innenstadt leben möchte. Sowohl Wohnheime, als auch private Zimmer gibt es an beiden Orten. Ich habe mich damals für das Campusleben entschieden, da man dort schon mit fast allem versorgt wird. Auf dem Campus gibt es eine Bar, Stag’s, die jeden Tag geöffnet hat und sogar ein Kino und einen Club. Am Wochenende findet das richtige Nachtleben allerdings in der Stadt statt und auch die meisten Einkaufsmöglichkeiten liegen dort direkt am Hafen. Es gibt natürlich Busse, die beides, auch Nachts, miteinander verbinden.

3. Leben und Freizeit

Zu Beginn des Wintersemester findet die sogenannte ‚Fresher’s Week‘ statt. Eine Woche lang sind auf dem Campus Führungen, Stände, Vorträge, Spiele und sogar Fahrten zu Ikea. Diese Woche entspricht unserer Erstiwoche in gesteigerter Form und die Universität gibt viel Geld dafür aus, alle Neuankömmlinge herzlich willkommen zu heißen. Die Angebote sind eine tolle Gelegenheit die anderen Erasmusstudierenden kennenzulernen und sich an das britische Studierendenleben zu gewöhnen. In der Woche werden auch die zahlreichen Societies vorgestellt, die von Studierenden organisiert werden. Dieses Event heißt ‚Bun Fight‘ und dient dazu, die vielen Möglichkeiten einer Mitgliedschaft zu erkunden. Es gibt neben vielen Sportarten wie Lacrosse oder Rugby auch Societies für jeden Fachbereich und sogar eine ‚Wine and Cidre Society‘. In Southampton gibt es außerdem die ‚Student’s Union‘, eine Art Studierendenrat der viele Aktionen veranstaltet, wie Karaoke und Pubquiz.

Neben dem Leben auf dem Campus bietet auch die Stadt an sich viele Möglichkeiten. Southampton hat einen großen Hafen und mehrere Grünanlagen. Außerdem gibt es in der Innenstadt ein Shoppingcentre, sowie viele Cafés und Restaurants. Für eine richtige britische Pub-Erfahrung kann ich vor allem die Kette ‚Wetherspoons‘ empfehlen. Hier gibt es englische Küche und Bar für studierendenfreundliche Preise in toller Atmosphäre. Außerdem gibt es in der Stadt einige weitere Bars und Clubs, sodass man jeden Tag und Abend der Woche eine Beschäftigung findet.

Southampton besticht zudem durch seine Lage in Südengland. Innerhalb von wenigen Minuten bis zu einer Stunde Zugfahrt erreicht man einige von Englands schönsten Reisezielen. Etwa sind die Strände von Brighton und Bournemouth, sowie der Weihnachtsmarkt in Winchester sehr empfehlenswert. Außerdem ist ein Ausflug auf die vor Southampton gelegene Isle of Wight schön, solange es noch warm ist. Auch in die Metropole London kommt man innerhalb von 90 Minuten mit dem Bus von ‚National Express‘.

4. Lehrangebot und Anerkennung

Man stellt schnell fest, dass die Uni in England anders abläuft als bei uns. Die Organisation ist verschulter und die Arbeitslast verteilt sich mehr über das gesamte Semester. Dennoch oder gerade deswegen sind alle Anforderungen gut zu bewältigen. Innerhalb der Module wird viel Gruppenarbeit gefordert, was Kontakt zu den britischen Studierenden herstellt. In den letzten zwei Wochen des Semesters liegen dann alle Klausuren, von denen interessanterweise einige auf Computern geschrieben werden. Generell verwendet die Uni dort viel mehr elektronische Hilfsmittel, als die Universität Heidelberg. Es gibt beispielsweise eine App, von der aus man auf die gesamten Kurse, Mails und sogar Busfahrpläne zugreifen kann.

Die Module ähneln überwiegend dem Heidelberger Angebot, wobei es mehr Kurse zu spezifischen Themenbereichen gibt. Ich habe zum Beispiel in dem Kurs ‚Forensic and Cognitive Neuroscience‘ über die Auswirkungen von neuronalen Anomalien auf die Schuld von straffälligen Personen gelernt. Dadurch, dass sich der Kurskatalog aber dennoch viel mit den Anforderungen in Heidelberg überschneidet, ist eine Anrechnung weitgehend unproblematisch. Natürlich sollte man diese im Vorhinein absprechen, damit es nicht zu ungeplanten Verzögerungen im Studienverlauf kommt.

In meiner Zeit in Southampton habe ich mich innerhalb kürzester Zeit wie Zuhause gefühlt und denke nur allzu gerne an mein Semester an der University of Southampton zurück. Ich kann jedem nur empfehlen dort ein Auslandssemester zu verbringen und generell das Angebot eines Erasmusaufenthalts zu nutzen. Es könnte das schönste Semester deines Lebens werden!