Report about my semester abroad 

Aarhus, Winter 2019/2020 (Master)

Das Wichtigste zuerst: Du denkst dir, warum sollte ich mein Erasmus in einem Land verbringen, das nicht nur geographisch, sondern auch kulturell Deutschland so nah ist? Warum in ein Land gehen, dessen Sprache ich nicht spreche, und die abgesehen von 5 Mio. Dänen niemand spricht? Ich sage dir: Es lohnt sich! Dänemark ist klasse, Aarhus ist klasse und Aarhus University ist klasse!

In Dänemark läuft jeglicher sozialer Austausch über facebook und über eine facebook- Gruppe habe ich glücklicherweise auch ein 1-Zimmer-Apartment für umgerechnet 360 zwischen Latin-Quarter und Universität gefunden. Eine absolute Traumlage. Jeder Ankömmling kostet gleich zu Beginn von der Super-Organisiertheit der Universität: In einem 10-tägigen Einführungsprogramm inklusive kleinschrittiger Betreuung durch unsere Buddies und das gemeinsame Abklappern aller bürokratischen Haltestellen wurde uns das Ankommen in Aarhus so angenehm wie nur möglich gestaltet. Dadurch und auch durch den Flair der Stadt habe ich mich ab Tag 1 pudelwohl und zuhause gefühlt.

Ein Manko an der Uni ist die begrenzte Auswahl an englischsprachigen Kursen. So musste ich trotz Master-Status einen Bachelor-Kurs besuchen, der mir tatsächlich wenig Neues vermitteln konnte. Mein anderer Kurs hingegen, an dem 90% dänische Studierende teilnahmen, begeisterte mich sehr: Die Didaktik der Dozentinnen, das Engagement der Studierenden und die vielen Diskussion ließen mich nicht nur gut lernen, sondern ließen auch die z.T. 6-stündigen Sitzungen wie im Flug vergehen.

Das bringt mich auch zu den zwei Punkten, die ich an Dänemark am meisten liebe:

  1. Gleichheit: Die Anrede Herr/Frau oder siezen existiert im Dänischen quasi nicht und somit entsteht eine wunderbare Gleichwertigkeit, egal ob zwischen Chefs und Angestellten, Lehrenden und Lernenden oder zwischen den Geschlechtern (getrennte Toiletten sucht man an der Universität und weiten Teilen der Stadt z.B. vergebens)
  2. Vertrauen: Stell dir vor, im Marstall stünden Kaffee und Kuchen frei herum und es läge ein Tablet daneben, an dem man für das Genommene bezahlen könnte. Würde das funktionieren? In Aarhus tut es das! Durch den Wohlfahrtsstaat sind die Menschen sehr für das Gemeinschaftsgefühl sensibilisiert und es herrscht ein großes Vertrauen untereinander.

Soviel zum kleinen Exkurs in die dänische Kultur. Zurück zu Aarhus als Stadt kann ich nur sagen: Du wirst sehr viele glückliche Menschen sehen, und das ist ansteckend. Ich weiß nicht, ob es an der Lage am Meer, an dem vielfältigen kulturellen Angebot, an den legendären Friday-Bars, an den vielen Second-Hand-Shops oder der alternativen Café- und Bar-Szene liegt ­ in Aarhus kann es einem einfach nur gut gehen! Das einzig Negative, was mir einfällt, ist, neben den hohen Preisen (für ein Falafel-Wrap wird man beispielsweise schnell 7 los), das Wetter: Jeden zweiten Tag Regen, viel Wind und kurze Tage in den Wintermonate ­ aber das ist dann schon wieder hyggelig!

Ich wünsche dir eine genauso wundervolle Zeit in Aarhus, wie ich sie erleben durfte!