Report about my semester abroad 

Wien, Winter 2018/2019 (Master)

Universität und Veranstaltungen

Zuallererst muss betont werden, dass es sich bei der Universität Wien größentechnisch um ein ganz anderes Kaliber handelt als bei der Universität Heidelberg. In Wien studieren insgesamt 92.000 Studierende, dabei in etwa 3.500 an der Fakultät für Psychologie. Die Veranstaltungen der Psychologen finden überwiegend im eigenen Institutsgebäude und im Neuen Institutsge- bäude (NIG), fußläufig zur Hauptuni statt.

Bei dem NIG handelt es sich um einen Zweckbau, der nicht besonders viel Charme hat, hier haben fast alle Sozialwissenschaften auf 7 Stockwerken Platz. Daher empfiehlt sich für das richtige Uni-Wien-Feeling auch eine Vorlesung aus einem anderen Fach zu belegen, welches seine Räume im Hauptgebäude hat. Ich habe beispielsweise zwei Vorlesungen zur Österreichi- schen Geschichte dort belegt. Das Wissen über Österreichische Geschichte hat mir auch die Stadt Wien mit ihrer Geschichte und den Gebäuden nähergebracht. Das Hauptgebäude der Uni beeindruckt mit prunkvollen Gängen und großen Treppen, wie bei Harry Potter, hier habe ich mich am Anfang, auch ohne dass sich die Treppen bewegt haben, manchmal verlaufen.

Besonders hervorzuheben ist die sehr gute Vorbereitung des Aufenthaltes durch das Internati- onal Office der Uni Wien, hier wurden mir immer alle Fragen beantwortet. Etwas komplizierter wurde es dann bei der Anmeldung zu den Veranstaltungen über die Website der Uni Wien. Hierbei kann man als Erasmusstudent nämlich keine Priorisierung der Veranstaltungen ange- ben, sodass man überall sehr weit hinten auf der Warteliste landet (beispielsweise auf Platz 73 bei einem Seminar mit 25 Plätzen). Allerdings hat sich das Problem dann in der jeweiligen ersten Sitzung der Seminare geklärt, da zusätzlich zu den regulären Seminarplätzen jeweils zwei für Erasmusstudenten reserviert sind. Somit bin ich in alle bis auf ein Seminar reingekom- men, in die ich reinkommen wollte. Wichtig ist hierbei zur ersten Veranstaltung zu gehen. Insgesamt wirkt das System in den Seminaren in Psychologie deutlich verschulter mit Haus- aufgaben und Zwischenabgaben und wöchentlichen Kernliteraturaufgaben. Man muss also et- was mehr tun um an 4 CP für ein Seminar zu kommen, als in Heidelberg. Besonders auffällig im Psychologiestudium in Wien ist die hohe Anzahl an deutschen Studen- ten, mindestens die Hälfte aller Studenten kommen aus Deutschland, somit fällt man als Eras- musstudent aus Deutschland gar nicht groß auf, allerdings lernt man dann auch nicht viele Ös- terreicherinnen kennen.

Wohnen

Natürlich handelt es sich bei Wien auch um eine Großstadt mit enorm vielen, wechselnden Bewohnern, die alle am liebsten im Zentrum wohnen wollen, allerdings gelingt es Wien bis heute, durch die Sozialen Wohnbauprojekte zu Zeiten des Roten Wiens (1920er), relativ be- zahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Natürlich erleichtert sich die Woh- nungssuche, wenn man bereit ist auch in den äußeren Bezirken nach Zimmern zu schauen. Durch das gute U-Bahnnetz und die Idee der Stadt Wien, dass niemand länger als 3 Minuten zu Fuß von einer Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs wohnen soll, ist man allerdings überall in der Stadt gut angeschlossen. Allerdings sollte man bedenken, dass Wien größentechnisch eher auf einem Level mit Hamburg und München liegt und etwa 12x so viele Einwohner hat wie Heidelberg.

Stadt & Kultur

Wien gilt nicht ohne Grund als eine der kulturreichsten Städte Europas mit einer Fülle an Mu- seen mit Ausstellungen zu weltberühmten Künstlern aber auch einer Vielzahl an Theaterhäu- sern über die ganze Stadt verteilt. Als Studierender bekommt man Eintritte fast überall ermä- ßigt, allerdings ist in Österreich an vielen Stellen die Ermäßigung des Studierenden zusätzlich an das Alter geknüpft, sodass in den meisten Fällen Studenten nur bis zu einem Alter von 25 Jahren eine Ermäßigung erhalten. Am Burgtheater gibt es immer ein gewisses Kontingent für Studententickets für 10 Euro, hierbei hat man auch die Möglichkeit in den höheren Preiskate- gorien einen Sitzplatz zu bekommen. Beim Volkstheater gibt es Studententickets an der Abend- kasse für 6 Euro.

Beide Häuser bieten neben dem schauspielerischen Erlebnis auch die Möglichkeit einer Zeit- reise an, das Burgtheater besticht mit seinen pompösen Prachtstiegen mit Deckenmalereien ei- nes der wohl bekanntesten Wiener (Gustav Klimt) während im Volkstheater vor allem der The- atersaal prunkvoll mit Deckenfresken und Stuck verziert ist.

Bei den Museen bietet vor allem das Kunsthistorische Museum ein architektonisches Highlight mit Museumscafé im Kuppelsaal, in den Ausstellungsräumen sind vor allem italienische- und niederländische Renaissancemalerei zu sehen. Die Albertina befindet sich in den ehemaligen Räumen der Hofburg, sodass auch hier ein Einblick in prunkvolle Räume gewährt wird, zusätz- lich verfügt die Albertina über eine sehr große graphische Sammlung und beherbergt wech- selnde Sonderausstellungen zu bedeutenden Künstlern, ich konnte hier beispielsweise eine Ausstellung über Monet besuchen.

Neben materiellem Kulturerbe gilt die Wiener Kaffeehauskultur als immaterielles Kulturerbe. Besonders sind hier stilvolle, manchmal auch in die Jahre gekommene Kaffeehäuser, hier lässt sich bei einem Wiener Melange der gesamte Nachmittag verbringen mit aktuellen Tageszeitun- gen und jeder Menge Gelassenheit. Mein Lieblingskaffeehaus beschreibt dieses Lebensgefühl mit einem kleinen Täfelchen über ihrer Kuchenauslage: ,,Menschen in Eile werden hier nicht bedient."

Reisen

Sollte man in Wien einmal alles gesehen haben, was eigentlich nie passiert, oder man einfach ein bisschen Lust auf kleinere Städte hat so kann man die zentrale geographische Lage der Stadt nutzen und in wenigen Zugstunden mit der ÖBB beispielsweise Graz, Linz oder Salzburg be- suchen. Aber natürlich auch über die Landesgrenzen hinweg nach Bratislava, Budapest, Prag, Ljubljana oder Zagreb reisen. Allerdings ist zu beachten, dass einem nach all den Prachtbauten und Ringstraßen in Wien andere Städte plötzlich ganz klein und unscheinbar vorkommen, so ist es mir manchmal gegangen.

Neue Erkenntnisse

Mein Aufenthalt in Wien hat mir ermöglicht einen Einblick in ein anderes Unisystem, andere Psychologische Themen und andere Themen, außerhalb der Psychologie, zu bekommen. Au- ßerdem hat es mir die Chance gegeben für eine längere Zeit in einer anderen Stadt zu leben ohne wirklich umzuziehen. Einige neue sprachliche Eindrücke habe ich auch gewonnen, bei- spielsweise backen Wiener DAS Keks in der Weihnachtszeit, sind AM Weg zur Uni und putzen die Wohnung mit einem FETZEN im Herbst trinken sie liebend gern STURM und wenn der Zeitplan stimmt bestätigen sie dies mit das geht sich aus.