Report about my semester abroad 

Wien, Winter 2019/2020 (Master)

Die Uni Wien

Als ich an meinem ersten Tag auf der Suche nach dem richtigen Raum war bemerkte ich zunächst, dass der Campus der Uni sehr weitläufig ist. Das Hauptgebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und kommt sehr imposant daher. Während ich mich bei meiner ersten Veranstaltung richtig königlich fühlte, als ich so die langen hohen Flure entlanglief, musste ich schnell feststellen, dass meine Kurse in Zukunft in einem 60er Jahre Bau stattfinden werden, welcher zwar weniger Charme hatte, aber dennoch gut ausgestattet war und einen Blick auf die Votivkirche bat. Es hätte also schlimmer kommen können.

Als ERASMUS Studentin hatte ich das große Glück, dass ich meine Kurse frei wählen konnte und nicht darauf hoffen musste irgendwo rein gelost zu werden. Wenn man bei der ersten Veranstaltung erscheint und sich bei den DozentInnen meldet erhält man in der Regel auch einen Platz. Meine Kurse waren durchweg sehr interessant und praxisnah. Es wurde viel mit Rollenspielen gearbeitet und auch der Kontakt zu Patienten hergestellt, was mir im Endeffekt nochmal mehr Sicherheit in Hinblick auf die Psychotherapeutenausbildung geben konnte.

Die Stadt Wien

Ich hatte lange hin und her überlegt, ob ich nicht vielleicht doch lieber im Sommersemester ins Ausland gehen sollte. Bei gutem Wetter lässt sich eine Stadt oft besser erkunden. Nicht aber Wien. Durch das große Kulturangebot wird einem auch im Winter nie langweilig. Es gibt immer noch ein Museum oder eine neue Ausstellung, die man noch nicht gesehen hat.

Mich hat die Stadt mit ihren wunderschönen Bauten bereits am ersten Tag in ihren Bann gezogen. Da ich in der Großstadt aufgewachsen bin und Heidelberg für mich eine sehr große Umstellung war, freute ich mich über den Trubel und die Weitläufigkeit und fühlte mich schnell zuhause. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist alles sehr gut erreichbar. Sehr zu empfehlen ist aber auch der Fußweg, da Wien eigentlich an jeder Ecke etwas Hübsches zu bieten hat.

Ab Mitte November strahlte dann die ganze Stadt. Überall leuchtete die Weihnachtsdekoration und es roch nach Baumstriezel und Punsch. Gleichzeitig füllte sich die Stadt mit Touristen, was beim Nachgehen von alltäglichen Dingen manchmal etwas anstrengend war, aber auch eine wunderbar internationale Atmosphäre mit sich brachte. Wenn man mal so in die Straßen horchte, hörte man die verschiedensten Sprachen.

Durch Wiens Lage bietet es sich außerdem an, auch mal über die Landesgrenze zu fahren. Budapest oder Bratislava zum Beispiel sind mit dem Bus schnell und günstig erreicht. Aber auch ein Ausflug in Wiens nähere Umgebung lohnt sich. Ein Spaziergang durch die Weinberge entspannt und belohnt einen mit einem wunderbaren Blick über die ganze Stadt.

Das Studentenleben

Zu Beginn empfand ich es als deutlich schwieriger Kontakte zu knüpfen, als ich es von anderen Unis gewohnt war. Leider gab es keine Einführungswoche und so lernte ich erst in der ersten Vorlesung meine Mitstudenten kennen. Erst später stellte sich heraus, dass es eine Facebookseite gibt, auf der Veranstaltungen gepostet werden, die zum Kennenlernen gedacht sind. Leider wurde ich zu Beginn darauf nicht aufmerksam gemacht.

Besonders positiv hervorzuheben sind die günstigen Mieten. Nach Hamburg, Sydney und Heidelberg traute ich meinen Augen kaum. Hier konnte man es sich noch leisten zentral zu wohnen mit Fenster im Zimmer und funktionierender Heizung.

Bei Freizeitaktivitäten sollte man stets darauf achten, ob es Studentenrabatte gibt. Nicht selten konnte man bei Theatern oder Museen mehr als 60% sparen. Wenn man mal Essengehen möchte empfiehlt sich außerdem der Mittagstisch, der teils wirklich sehr preiswert war.

Persönliches Fazit

Während ich in meinen vorherigen Auslandsaufenthalten vor allem neue Sprachen und eine neue Kultur kennengelernt habe, so lernte ich in Wien insbesondere fachlich sehr viel dazu. In Österreich sind derzeit 23 therapeutische Methoden anerkannt, die ich in Deutschland in der Form nie kennengelernt hätte. Beispielsweise bekam ich Einblicke in die konzentrative Bewegungstherapie, in die integrative Gestalttherapie oder die neuro-linguistische Psychotherapie. Diese Einblicke empfand ich als sehr bereichernd.

Zudem wurde ich wieder darin bestätigt, dass man seine eigenen Erfahrungen machen und sich nicht von Vorurteilen beeinflussen lassen sollte. Während ich vorab ,,gewarnt" wurde, dass die Österreicher den Deutschen gegenüber nicht immer wohlgesonnen sind, empfand ich die Österreicher als extrem freundlich, hilfsbereit und humorvoll. Dass man mich aufgrund meiner Nationalität anders behandelt hat, habe ich hier nicht erlebt und mich immer willkommen gefühlt.