Report about my semester abroad 

Nantes, Winter 2019/2020 (Master)

Vorbereitung

Nachdem ich von der Universität Heidelberg eine Bestätigung erhalten habe, musste ich mich noch an der Université de Nantes selbst bewerben. Hierzu waren überwiegend die gleichen Angaben wie für die Erasmus-Bewerbung nötig, wobei ich entsprechend mein Motivationsschreiben auf Französisch übersetzen musste. Bei der Bewerbung konnte ich auch angeben, ob ich einen Französisch-Sprachkurs vor Ort besuchen und ob ich mich für ein Wohnheims-Zimmer bewerben wolle. Vor der Abreise schloss ich außerdem noch eine Auslandskrankenversicherung ab sowie eine französische Haftpflichtversicherung, welche eine Voraussetzung für den Einzug ins Wohnheim darstellte. Ich bekam allerdings im Vorhinein Empfehlungen über Haftpflichtversicherungen von der Université de Nantes zugeschickt. Außerdem ließ ich mir eine Geburtsurkunde ausstellen, da ich mithilfe dieser in Frankreich Wohngeld beantragen konnte. Schließlich plante ich die Anreise per Zug einige Wochen im Voraus. Diese verlief unkompliziert (im Gegensatz zu später im Semester als die französische Bahngesellschaft über Wochen streikte).

Unterkunft

Bei der Bewerbung hatte ich angegeben, dass ich gerne ein Wohnheims-Zimmer in Anspruch nehmen würde. Daraufhin erhielt ich einige Wochen vor Semesterbeginn eine Bestätigungsmail, in der mir ein Zimmer zugewiesen wurde. Das Wohnheim wurde zugeteilt. Dabei konnte man selbst keine Wahl treffen und auch nicht tauschen. Allerdings kosteten für die internationalen Studierenden alle Zimmer 254 / Monat bei einer Größe von 9 m², inkl. eigenem Bad und geteilter Küche. Darüber hinaus erhielt ich ca. 80 / Monat Wohngeld in Frankreich, welches man zu Beginn beantragen musste. Mein Wohnheim war nur ca. 20 Gehminuten vom Campus entfernt, was sehr angenehm war. Gleichzeitig lag das Zimmer nicht im schönsten Teil von Nantes. Innerhalb von 20 Minuten konnte man allerdings mit der Bahn in die Innenstadt fahren und ein Supermarkt war nur 5 Gehminuten entfernt. Ich würde die Wohnsituation insgesamt als praktisch bezeichnen, wobei das Zimmer in sehr gutem Zustand war. Schade fand ich, dass die gemeinsame Küche bereits um 22 Uhr geschlossen wurde und man dort somit keine längeren Abende verbringen konnte und auch die Zimmer nicht besonders gut für Besuch geeignet waren.

Studium an der Gasthochschule

An der Université de Nantes belegte ich vier Master-Kurse in Psychologie sowie einen Bachelor-Kurs in Geschichte und einen Abend-Sprachkurs in Französisch. Inhaltlich haben mir die Kurse sehr zugesagt und mir hat gefallen, dass man Gelerntes häufig auch praktisch in Gruppenarbeiten vertiefte. So belegte ich die Kurse « Interventions dans les organisations et management », « Relations à l'environnement et qualité de vie », « Evaluation et bilan psychologique », « Interventions en psychothérapie » und « Le Moyen Âge et nous ». Die Gruppengröße in den Masterkursen war sehr angenehm, so waren nie mehr als 30 Studierende in einem Kurs. Auch die Vorlesungen verliefen überwiegend interaktiv. Allerdings gab es auch den ein oder anderen Dozierenden, der das Wort ,,Vorlesung" sehr wörtlich nahm und sein Skript vorlas, woraufhin alle Studierenden fleißig jedes Wort mittippten. Im Gegensatz dazu gab es aber Dozierende, die die Inhalte sehr gut und interessant vermitteln konnten und dabei auch Powerpoint-Präsentationen verwendeten, die meistens (aber nicht immer) auch online zur Verfügung gestellt wurden. Davon abgesehen erlebte ich das französische Unileben als hierarchischer (weniger Wahlmöglichkeiten für die französischen Studierenden, größere Autorität der Dozierenden, keine Evaluation der Dozierenden) als in Deutschland oder anglikanischen Ländern, was mir weniger zusagte. Es war aber trotzdem interessant zu beobachten, wie Uni inhaltlich doch sehr ähnlich abläuft, aber eben nicht in der strukturellen Umsetzung.

Alltag und Freizeit

Die Innenstadt von Nantes gefiel mir sehr gut. Es gab einiges zu entdecken und viele Häuser mit typisch französischem Charme. Gerade zu Beginn des Aufenthaltes war es auch sehr schön, dass man in weniger als zwei Stunden am Meer war. Je mehr es Richtung Winter ging, desto regnerischer wurde es, aber das gehört zu diesem Fleck der Erde sicherlich dazu. Davon abgesehen gab es auch bei schlechtem Wetter ein paar interessante Museen und auch die französischen Filme machten Kinobesuche bei schlechtem Wetter sehr reizvoll. Davon abgesehen eignet sich Nantes gut als Ausgangspunkt für verschiedene Ausflugsziele, insbesondere in der Bretagne und der Normandie. Die Franzosen habe ich insgesamt als sehr hilfsbereit und freundlich erlebt. In der Uni wurde mir direkt angeboten, dass ich die Notizen von Kommilitonen erhalten könne und auch kam ich gut mit Franzosen in Kontakt und wurde immer wieder zu Freunden nach Hause eingeladen. Zu Beginn fiel das Französisch zwar noch etwas schwer, aber auch hier erlebte ich stets Rücksichtnahme (außer in großen Gruppen). Davon abgesehen war in Nantes das politische Leben Frankreichs sehr präsent. So war fast jeden Samstag eine Demonstration und leider auch zum einjährigen Jahrestag der Gelbwesten unter Einsatz von Tränengas in der Innenstadt. Auch die Uni blieb an manchen Tagen aufgrund von Streiks geschlossen und zum Ende meines Aufenthalts wurde das Zugfahren leider sehr mühselig, weil fast den gesamten Dezember und Januar gestreikt wurde. Man liest immer mal wieder von den Franzosen und ihren Streiks ­ hier konnte man sie direkt erleben. Noch einige praktische Infos: Die Uni hatte ein breites Sportangebot. Dabei konnte man für 50 / Semester drei Sportkurse belegen. Außerdem bot ,,vélocampus" die Möglichkeit für 40 ein Fahrrad für ein Semester auszuleihen. Ein Bahnticket hätte pro Monat auch um die 40 gekostet. Davon abgesehen bot der Fluss Erdre schöne Jogging-Möglichkeiten, die von vielen Franzosen genutzt wurden.

Fazit

Ich fand den Aufenthalt in Nantes bereichernd, allerdings musste ich für mich das Fazit ziehen, dass ich mit einigen Aspekten der französischen Lebensweise nicht allzu warm wurde. Darunter zählten sicher die hierarchischeren Unistrukturen, die Streiks (insbesondere der Bahnstreik am Ende) sowie dass es als Vegetarierin nicht immer ganz problemlos war, eine gute fleischlose Alternative zu finden. Ich nehme aber sehr schöne Eindrücke aus der Bretagne und der Normandie mit sowie von Ausflügen ans Meer und sehr guten französischen Filmen im Kino. Darüber hinaus hat es mich sehr gefreut, dass ich mein Französisch verbessern konnte und immer wieder Hilfsbereitschaft der Franzosen erleben durfte.