Report about my semester abroad 

Aarhus, Winter 2018/2019 (Master)

Vorbereitung und Ankunft

Nachdem mir Bescheid gegeben wurde, dass ich mein Auslandssemester in Aarhus verbringen kann, musste ich mich sowohl bei der Uni Heidelberg als auch bei der Uni Aarhus online für das Programm registrieren. Die Mail für die Registrierung bei der Uni Aarhus war jedoch nie bei mir angelangt, aber ich habe zum Glück noch innerhalb der Frist bei Frau Lorenz nachgefragt, so dass alles glatt lief. Dort konnte ich mich auch für die Sudentenwohnheim bewerben; da ich mich jedoch recht spät erst dort beworben habe, habe ich keinen Platz bekommen und musste mir selbst eine Wohnung suchen. Insgesamt war es gefühlt sehr unkompliziert und ich hatte deshalb die ganze Zeit das Gefühl, bestimmt irgendetwas Wichtiges zu vergessen – aber ein Erasmusaufenthalt ist glücklicherweise organisatorisch nicht sonderlich aufwendig. Von der Uni selbst gab es nicht unbedingt allzu viele Informationen, ich bekam eines Tages einfach eine Mail vom dortigen Koordinator, dass ich binnen weniger Tage meine Kurse wählen muss, und das war es. Darüber hinaus bekommt man jedoch einen Mentor zugewiesen, was in meinem Fall ein einmaliger Glücksgriff war; meine Mentorin war die ganze Zeit eine meiner engsten Freunde in Aarhus und war immer und mit allem für mich da. Sicherlich kann man das nicht von jedem Mentor erwarten, aber in meinem Fall habe ich durch meine Mentorin viel mehr Hilfen erhalten als durch die Unis selbst.

Anreise & Herumreisen

Ich bin mit dem Zug angereist, weil sich Fliegen weder preislich noch zeitlich gelohnt hätte, womit ich nicht sagen will, dass das Zugticket sonderlich günstig war. Generell war ich in meiner Zeit in Aarhus genauso viel unterwegs wie anwesend; Empfehlen würde ich hierfür, mit dem Flixbus nach Kopenhagen zu fahren und dann zu fliegen, oder mit dem Zug nach Billund und von dort zu fliegen, manche Verbindungen sind recht günstig, zum Beispiel nach Berlin. Der Flughafen Aarhus selbst wird nicht von Billigairlines angeflogen, und mit dem Zug zu fahren ist in Dänemark wirklich astronomisch teuer, genauso wie das Busfahren in Aarhus. Ich würde trotzdem dringend dazu raten, sich immer ein Ticket zu kaufen; wird man ohne erwischt, kostet das knapp 300€. Hierfür lohnt es sich, sich die App vom Betreiber herunter zu laden und mit einer Kreditkarte zu verknüpfen, da man Tickets im Bus nur am Automaten mit Geldstücken erwerben kann, Scheine werden nicht akzeptiert, was in meinem Fall einmal zur Absurdität des Schwarzfahrens geführt hat, weil ich zu „viel“ Geld in Scheinen dabei hatte, aber kein Kleingeld – ich wurde übrigens erwischt und bin nur mit sehr viel Glück davon gekommen, ohne zu zahlen. Unterkunft Ich hatte zunächst großen Respekt vor der Aufgabe, mir selbst eine Wohnung zu suchen, da man mich vor den Preisen in Dänemark im Allgemeinen und dem Wohnungsmarkt in Aarhus im Speziellen gewarnt hatte. Wie sich herausstellte, ist Heidelberg hierfür jedoch (leider) eine gute Schule. Dadurch, dass ich vom Studentenwohnheim keine Wohnung zugewiesen bekommen hatte, landete ich automatisch in einem Mailverteiler für weitere Angebote von Privatanbietern. Hier gab ich mir dann einfach Mühe, möglichst schnell auf neue Angebote zu reagieren und ansprechende Mails zu verfassen, und bereits bei meiner dritten Anfrage hatte ich Glück – und zahlte sogar ein ganzes Stück weniger als für meine Wohnung in Heidelberg. Damit war ich aber definitiv die Einzige, ich habe niemanden getroffen, der so wenig wie ich oder weniger gezahlt hat. Ich hatte dann eine Wohnung mit einem dänischen Studenten, fußläufig gelegen zur Uni und zum Studenterhus, was sicherlich dazu beitrug, dass ich mich nicht allzu oft in die Innenstadt begeben habe, da ich alles, was ich brauchte, um Umkreis hatte, und auch die meisten meiner Freunde in diesem Bereich wohnten.

Studium an der Gasthochschule

Eine für mich bereichernde Erfahrung war, dass in Dänemark die Reflexion und Meinungsbildung viel mehr geschätzt wird; es geht in den Seminaren weniger darum, etwas vom Professor zu lernen, sondern darum, sich mit Inhalten selbstständig auseinanderzusetzen, diese in Gruppen zu diskutieren und kritisch zu hinterfragen, sich dabei eine eigene Meinung zu bilden und generell auch einfach einmal das zu machen, was einen interessiert. Ich erinnere mich gut an die Vorstellungsrunde in einem meiner Seminare: wir sollten alle nennen, welche Themenfelder uns interessieren, und dann hatten wir auch maximale Freiheit in der Wahl des Themas unserer Hausarbeit. Deutsche Studierende (und das sind ca. die Hälfte aller Austauschstudierenden), mich inkludiert, waren nicht selten zunächst damit überfordert, diese Frage zu beantworten. Darüber hinaus waren meine Professoren motiviert und engagiert, was die Seminare didaktisch und strukturell zu wirklich tollen Veranstaltungen gemacht hat. Großer Nachteil des Studiums war jedoch das Seminarsystem: Im Master gab es exakt zwei Kurse auf Englisch, die beide je 15 ECTS entsprachen. Ich musste also diese beiden Kurse belegen und hatte keinerlei Wahlfreiheit; eine Alternative wäre gewesen, Kurse auf Bachelorniveau zu belegen, es ging aber nicht beides laut dänischem Koordinator. Im Nachhinein hätte ich mich dafür entscheiden sollen, denn einer der „Masterkurse“ war ohnehin ein gemischter Kurs mit Bacheloranden – und inhaltlich fast komplett eine Wiederholung unserer Vorlesung zu Entwicklungspsychologie aus meinem ersten Semester im Master in Heidelberg. Der andere Kurs war jedoch äußerst spannend, und ich habe auch inhaltlich viel gelernt. Beide Seminare hatten je drei Stunden Anwesenheit die Woche. Um auf die ECTS zu kommen, musste man in dem einen Seminar 20 Seiten Hausarbeit, in dem anderen 12 Seiten und ein wissenschaftliches Poster einreichen. Der Vorteil war sicherlich, dass man so sehr viel Freizeit zum Reisen hatte, aber ich hätte definitiv lieber mehr Kontaktunterricht gehabt und weniger Zeit alleine in der Bibliothek verbracht.

Sprache

Dänen sprechen beeindruckend gutes Englisch, man muss deshalb sicherlich kein Dänisch lernen. Darüber hinaus wurden die Regelungen geändert; der Anfängerkurs kostete ca. 120€, alle aufbauenden Kurse waren aber kostenlos. Die Sprachschule wurde uns in der Einführungswoche vorgestellt. Ich hatte drei Monate zuvor im Internet angefangen, mir selbst etwas Dänisch beizubringen, und das reichte bereits, um in einen höheren Kurs eingestuft zu werden und kostenlos teilzunehmen. Dieser Kurs war recht intensiv, ich hatte drei Mal die Woche mehr als drei Stunden Unterricht, so dass ich am Ende des Semesters solide Grundkenntnisse erworben hatte. Wenn jemandem das Erlernen neuer Sprachen Freude bereitet, kann ich diese Kurse nur wärmstens empfehlen.

Alltag und Freizeit

Eine Kreditkarte ist in Dänemark quasi unabdingbar, im Supermarkt sind die Verkäufer*innen teils genervt, wenn man mit Bargeld bezahlen möchte. Meine Mentorin hatte nie Bargeld dabei, auch abends beim Feiern geht wirklich alles mit Karte. Dänen nutzen gerne für alles „mobilepay“, eine nationale Version von PayPal. Für die Registrierung braucht man eine dänische Telefonnummer; ich bin auch ohne klargekommen, da die dänischen Handyverträge aber in der Regel besser sind als die deutschen, wäre es durchaus eine Überlegung wert, sich eine zu besorgen. Darüber hinaus erinnert einen die Uni ungefähr 3784729 Mal daran, dass man eine CPR- Nummer beantragen soll, die Antragstellung war bei uns Teil der Einführungswoche. Über diese Nummer läuft in Dänemark alles, inklusive der kostenlosen Krankenversicherung, die man automatisch hat, sobald man die Nummer hat. Ich habe diese Nummer nie für etwas gebraucht, aber es schadet sicherlich nicht, im Zweifel doppelt krankenversichert zu sein. Fun Fact am Rande: Ich musste deshalb beim Schwarzfahren nichts zahlen, weil dieser Zwischenfall am Ende meiner ersten Woche stattfand und ich ergo noch keine CPR- Nummer hatte – der Kontrolleur wusste schlicht nicht, wie er das in seinem System verarbeiten soll, bzw. es wäre wohl ein sehr großer Aufwand gewesen. Meine Freizeit in Aarhus, und davon hatte ich sehr viel, habe ich bevorzugt mit Laufen oder Spazieren entlang des Meeres, Yoga (es gab einmal wöchentlich eine kostenlose Stunde von einer dänischen Psychologiestudentin), Kochen und Ausgehen mit Freunden und Reisen verbracht. Anlaufpunkt für bezahlbare Abendaktivitäten sind die „fredagbars“, die von jeder Fakultät gehostet werden, sowie dienstags die „international night“ im Studenterhus, die gerade zu Beginn des Semesters auch rege besucht war. In die Stadt hat es mich aufgrund meiner Wohnlage und der Preise dort selten gezogen, auch wenn die Altstadt wirklich außerordentlich schön ist. Ansonsten sind die Ausflüge, die die Uni organisiert, immer gut und preisgünstig, und generell lohnt es sich, ein Auge auf alle Aktivitäten im Studenterhus zu haben. Ich bin kein großer Fan von kulturellen Angeboten, aber der botanische Garten ist kostenlos und ein schöner Ort, sobald es kälter wird, und das historische Museum „den gamle by“ war im Dezember für Studenten nachmittags ebenfalls kostenlos und dann definitiv einen Besuch wert.

Fazit

Ich hatte ein tolles Semester in Aarhus, weil ich Zeit hatte, meinen eigenen Vorlieben nachzugehen, neue Freunde gefunden habe und die dänische Universitätskultur kennen lernen konnte. Darüber hinaus habe ich in meiner Mentorin eine dänische Freundin gefunden und so auch viel über die dänische Kultur gelernt, und das Leben direkt am Meer war für mich etwas, das ich sehr genossen habe.