Report about my semester abroad 

Valencia, Summer 2016 (Bachelor)

Vorbereitung

Vor dem Start habe ich relativ wenig vorbereitet denn das meiste erledigt man am besten vor Ort. Ich hatte schon vorher eine DKB-Studenten Kreditkarte, die mir sehr nützlich war und ich habe mich um eine Auslandskrankenversicherung gekümmert. Ansonsten habe ich versucht nicht zu viel einzupacken denn mir war vorher schon klar, dass mir in Valencia bestimmt Vieles gut gefallen würde und sich die Auswahl an Anziehsachen schon bald erweitern würde. Das war eine sehr kluge Entscheidung! Man sollte im Wintersemester genug warme Kleidung dabei haben! Denn die Häuser sind überhaupt nicht isoliert und es gibt keine Heizungen. Auch am Anfang des Sommersemesters war es ganz schön kalt.

Ich kam also in Valencia an ohne eine Wohnung zu haben. Das fand ich am Anfang schon ein bisschen belastend, aber eigentlich gab es gar keinen Grund zur Sorge denn nach 2 Tagen hatte ich eine WG. Sehr viele Erasmusstudenten kommen ohne Wohnung und es werden zahlreiche Wohnungen angeboten zu sehr guten Preisen (durchschnittlich 180 – 260 €). Man kann gut auf der Seite easy piso schauen und die selbstgedruckten Flyer anschauen die die Vermieter überall in der Nähe der Uni an die Wände und Laternenpfosten hängen.

Ich würde im Nachhinein stärker darauf achten, dass ich nette Mitbewohner finde, die zu mir passen und lieber etwas länger suchen. In einem Auslandssemester ist es noch wichtiger als zu Hause sympathische Mitbewohner zu haben, da man darüber viele Freunde finden kann. Wenn zumindest ein muttersprachlicher Spanier in der WG ist, ist das sehr hilfreich für das eigene Spanischtraining denn Englisch redet man schon häufig genug. Von den Stadtteilen her kann ich es sehr empfehlen in die Altstadt zu ziehen – besonders in den Teil „el Carmen“, nach Benimaclet (wahrscheinlich der alternativste und authentischste Stadtteil Valencias) oder am Blasco Ibanez entlang, wo sich die ganzen Fakultäten aufreihen – auch die psychologische Fakultät.

Die Universität

Ich hatte 3 Univeranstaltungen und einen Sprachkurs am Centre d’idiomas und war damit durchaus beschäftigt. Die Veranstaltungen finden in Spanien nämlich alle zweimal die Woche statt. Also hatte ich 8 Termine und musste sehr viel mehr für die Kurse machen als in Deutschland, wobei das Niveau viel niedriger war. Aber die Gruppenarbeiten, Referate und Schreibaufgaben brauchen -gerade auf einer anderen Spache- eben doch Zeit. Ich kann es sehr empfehlen die Kurse auf Spanisch zu wählen, denn man kommt schnell rein und teilweise waren sie meine einzige Möglichkeit am Tag Spanisch zu hören. Die Klausuren waren alle Multiple- choice und viel einfacher als in Deutschland. Sehr interessant ist die Veranstaltung Psicofarmacología, in der es um Medikamente geht. Da wir so etwas als Psychologen in Deutschland gar nicht lernen, fand ich die Vorlesung wirklich gut.

Ich kann auch den Unisport sehr empfehlen, der direkt hinter dem psychologischen Institut ist und ein riesiges Angebot biete für echt wenig Geld. Man muss sich vorher anmelden und das Geld überweisen. Auch diese Veranstaltungen finden fast alle zwei Mal die Woche statt. Ich habe Flamenco ausprobiert und war sehr begeistert.

Die Stadt

Valencia ist unglaublich vielseitig. Das Beste ist, dass man sich überall mit dem Valenbisi- Fahrradsystem fortbewegen kann. Die Karte kostet 29 € pro Jahr, man kann eine halbe Stunde kostenlos fahren und holt sich dann an der nächsten Station ein neues Fahrrad wenn man noch weiter fahren will. Metro bin ich kaum gefahren, ist aber auch gut, um mal zu einem entfernten Punkt zu kommen.

Über das Jahr verteilt gibt es zahlreiche Stadtfeste und größere Veranstaltungen denn die Valencianer lieben es zu feiern. Vor allem im Turia, dem Stadtpark (mein absoluter Lieblingsort), finden häufig Veranstaltungen statt. Das größte Fest ist eindeutig las Fallas. Da steht Valencia im März 2 Wochen lang komplett Kopf. Es gibt riesige Feuerwerke, Essensstände, Paraden, Straßenpartys und vor allem die Ninots. Das sind große Figuren die das ganze Jahr über gebaut und bemalt wurden, die oft eine politisch kritische oder witzige Botschaft haben und am Ende der Fallas verbrandt werden. Das Ganze ist eine riesige Umweltverschmutzung und tierisch laut, aber gehört auf jeden Fall tief in die valencianische Kultur. Teile von Valencia die mir besonders gut gefallen sind:

  • die Altstadt mit ihrem künstlerischen Graffiti, leckeren Restaurants, Museen, dem Plaza de la Virgen und den schönen alten Häusern.
  • Der Stadtteil Benimacelt mit seinen Kneipen und guten Tapasbars, seinen eigenen Festen und dem Flohmarkt der jeden Freitagmorgen stattfindet
  • Der Park Turia (ein ehemaliges Flussbett), der sich durch die Stadt schlängelt und mein Ort für zahlreiche Picknicks und meine Joggingrunden war

Das Essen

Valencia ist sehr günstig. Das ist sehr gut denn sowohl die Spanier als auch die meisten Erasmus- Studenten gehen sehr viel außerhalb essen und trinken. Abendessen gibt es standardmäßig erst um 21:30 Uhr. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen! Mittags essen die Spanier meistens ein Bocadillo (ein dick belegtes Baguette) und abends nur kleine Tapas. Das typische Gericht in Valencia ist die Paella Valenciana. Genial sind die Fruterías (Obstladen), die es in Spanien überall gibt und wo man zu unfassbar günstigen Preisen Obst und Gemüse kaufen kann. Die Märkte sind dafür natürlich auch super. Besonders schön ist der Mercado Central in der Altstadt. Ich hatte es als Vegetarierin nicht so einfach wie in Deutschland, aber es gibt immer auch ein vegetarisches Tapas und die Spanier bekommen so langsam Wind davon, dass man auch etwas Anderes als Fleisch essen kann. Besonders im Stadtteil Ruzafa (Hipsterviertel) gibt es viele alternative Restaurants und Cafés.

Aktivitäten

Ich habe viele Ausflüge gemacht, allerdings nur einmal mit einer Erasmus-Organisation (von denen es in Valencia zahlreiche gibt). Wenn man die ausgelassene Erasmus-Stimmung mag, sind die organisierten Ausflüge aber auf jeden Fall zu empfehlen. Manchmal ist man nur leider in einer Riesengruppe unterwegs. Jeden Dienstag treffen sich viele Erasmus-Leute im Natura Dub – einer Kneipe in der Nähe vom Blasco Ibanez. Für mich war es generell sehr schwierig mit Spaniern in Kontakt zu kommen. Viele haben nicht das Bedürfnis nach neuen Freunden und fahren am Wochenende oder sogar jeden Tag wieder in ihre Dörfer zu ihren Familien. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Spanier sehr gut durch Mitbewohner kennen lernen kann oder über Tandem-Partner (ich habe meine über Facebook gefunden). Außerdem sind die Spanier, die Übersetzungswissenschaften studieren meistens sehr offen. Es gibt ein sehr gutes Event am Anfang des Semesters, das sich Tastallengües nennt. Hier kann man auch sehr gut Tandempartner finden. Wirklich hilfreich war auch der von der Uni organisierte Einführungsworkshop, der auf freiwilliger Basis eine Woche vor Semesterbeginn jeden Abend stattfand und gute Einblicke in die Kultur, die Uni, und die Stadt gegeben hat. Ich habe jede Menge praktische Tipps und fast alle meine engsten Freunde aus dieser Veranstaltung mitgenommen.

In Valencia gibt es sehr viele Möglichkeiten feiern zu gehen. Einige Clubs machen für den Winter zu, aber auch dann hat man eine große Auswahl. Es gibt 2 sehr tolle günstige Kinos, in die ich oft gegangen bin. Das cine studio d’Or zeigt für 3 € 2 Filme hintereinander (die ganze Woche die gleichen) und das Kino Babel zeigt mittwochs für 3,90€ Filme in Originalsprache. Es gibt einige Cafés und Bars mit Jam Sessions und offenen Bühnen wie zum Beispiel Radio City oder das Kafcafé.

Ich bin unheimlich gerne auf die Flohmärkte in Valencia gegangen (Donnerstags in Cabanyal und Freitags in Benimaclet). Am Strand war ich selten, weil er verhältnismäßig weit weg ist und für mich leider keinen Flair besitzt. Da hat Spanien viel schönere Strände zu bieten! Aber natürlich ist es trotzdem schön in einer Stadt mit Meer zu wohnen.

Reisen

Ich bin immer mal wieder eine Stadt besuchen gefahren und dafür hat sich die Mitfahrgelegenheitsseite Blablacar meistens als preisgünstigste Variante herausgestellt. Ich kann den Süden Spaniens unglaublich empfehlen- vor allem Grananda und Sevilla sind wunderschön. Mein zweites Highlight ist definitiv der Norden Spaniens mit seiner völlig anderen grünen Landschaft. Dort habe ich einen Teil des Jakobsweges (Camino del Norte) gemacht und war wirklich begeistert von dem türkisfarbenen Meer, den schroffen Klippen, Kuhweiden und kleinen Dörfern, von denen man in der Gegend Asturias vielleicht die schönsten findet.

Resumé

Ich habe mich absolut in Valencia verliebt! Und das Erasmussemester war wirklich die schönste Zeit meines gesamten Studiums. Da ich bis auf einen Kurs bereits alle Bachelorveranstaltungen in Deutschland besucht hatte, konnte ich mich in Spanien wirklich dem Lernen der Sprache und dem Leben in Spanien widmen. Ich nehme unheimlich viel aus diesem halben Jahr mit – gerade aus dem Kontrast, den das spanische Leben zum deutschen Lebensstil bietet. Ich bin jetzt glaube ich eine entspanntere, selbstbewusstere und offenere Person als noch vor sechs Monaten und ich habe einige sehr tolle Freundschaften dazu gewonnen. Außerdem sind meine Spanischkenntnisse von Schulniveau auf ein sehr gutes B2-Niveau gestiegen.