Report about my semester abroad 

Aarhus, Winter 2012/2013 (Master)

Vorbereitung

Die Vorbereitung lief unkompliziert. Nach der Bestätigung des Erasmus Stipendiums durch die Aarhus University zeigte die dänische Universität eine weitgehend hervorragende Organisation. Zunächst wurde eine Online - Registrierung durchgeführt, über welche alles weitere verwaltet werden konnte. Auf Rückfragen wurde innerhalb weniger Tage umfassend geantwortet. Ich reiste nach Dänemark ohne sprachliche Vorkenntnisse. Es stellte sich jedoch wie erwartet heraus, dass Englisch für den Alltag mehr als ausreicht. Darüber hinaus bietet der dänische Staat kostenlose Dänisch Kurse an, die von jedem wahrgenommen werden können. Im Nachhinein habe ich es bereut keinen Sprachkurs besucht zu haben. Ich würde daher jedem empfehlen dies zu tun. Die Dänen nehmen es sehr positiv auf, wenn sich jemand bemüht, die Grundkenntnisse zu erlernen.

Unterkunft

Aarhus University garantiert bei rechtzeitiger Anmeldung eine Unterkunft für Austauschstudenten. Das sollte man unbedingt wahrnehmen, da der Wohnungsmarkt selbst für ein Heidelberger Niveau äußerst knapp ist. Die Anmeldung erfolgt online über ein System und es können Prioritäten über die Art der Unterkunft abgegeben werden. Dabei wird unterschieden in Wohnheim, Privatwohnung oder Wohngemeinschaft. Weitere Prioritäten können angegeben werden. Wie sehr diese Dinge jedoch berücksichtigt werden, kann ich nicht sagen, da ich persönlich etwa das Gegenteil meiner Wahl erhalten hatte. Mir wurde schließlich ein Appartement für zwei Personen in Ega zugewiesen. Dieses bestand aus einer kleinen Küchenzeile, einem kleinen Bad, einem Wohnzimmer mit Essenstisch, Sofa und TV und den beiden Schlafzimmern. Das Appartement war Souterrain im Haus des Vermieters, was jedoch absolut kein Problem darstellte. Diese Unabhängigkeit im Vergleich zu einem Wohnheim war sehr angenehm. Der Preis betrug etwa 390 Euro pro Monat. Der Vermieter war sehr unkompliziert. Mein Mitbewohner war ein Erasmusstudent aus Frankreich und wir haben uns äußerst gut verstanden. Die Wohnung war etwa 10 Kilometer von der Stadt entfernt, dafür direkt am Meer. Die Fahrzeit mit dem Bus zur „School of Business“ betrug etwa 35 - 40 Minuten. Ein Busticket für diese Distanz kostet etwa 65 Euro pro Monat. Innerhalb der Stadt etwa 50 Euro. Zum Hauptcampus der Uni etwa 20 Minuten. Die Wohnung lag zwischen zwei Bushaltestellen. Die Fahrzeit zur Universität war sehr kurzweilig, da viele junge Menschen im Bus waren und es somit immer spannendes zu erleben gab. Trotz der relativ großen Distanz zur Stadt würde ich aus den beschriebenen Gründen nicht empfehlen auf eigene Wohnungssuche zu gehen.

Studium

Die Universität hatte in diesem Jahr ca. 45 000 Studenten und ist stark wachsend. Der Wirtschaftscampus ist ein Kilometer entfernt und umfasst etwa 10 000 Studenten. Ich habe dort im Rahmen meines Masters Economics studiert. Die Organisation der Universität für Austauschstudenten und im speziellen der Wirtschaftsuniversität war hervorragend. Es gab eine ganze Woche Einführungsveranstaltungen. Darunter wurde die Universität vorgestellt, das „danish mind setting“ erklärt, der Umgang mit Dänen beschrieben, erste Sätze in Dänisch gelernt, das Intranet der Universität erklärt und vieles weiteres. Darüber hinaus wurde es in einer Form gestaltet, die es sehr erleichtert hat sehr viele weitere Austauschstudenten in kurzer Zeit kennen zu lernen. Jeder Austauschstudent erhielt ein Willkommenspaket mit Stadtkarte, kleinem Reiseführer und einer dänischen Pre- paid - Simkarte. Im Laufe der ersten Wochen wurden regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt, welche ein Zusammenkommen sehr vereinfacht haben. Die Organisation des Studentenwerks und insbesondere der Wirtschaftsstudenten lässt keine Wünsche offen. Das Studentenwerk des Wirtschaftscampus ist unabhängig von dem Hauptteil der Universität und legte sehr viel Wert auf zahlreiche Treffen zwischen den Austauschstudenten. In meinem Semester waren es am Wirtschaftsteil etwa 350 Erasmus Studenten und über 2000 an der Universität. Die Gebäude des Wirtschaftscampus sind sehr neu und äußerst gut gepflegt. Das Niveau einzelner Vorlesungen variiert sehr stark. Die meisten meiner Vorlesungen waren anspruchsvoll aber durchaus verständlich erklärt. Dänen benoten relativ streng und es ist sehr schwer gute Noten zu bekommen. Stärker als ich es in Heidelberg erfahren habe, konzentriert sich der Großteil der Noten auf das Mittelfeld. Der Unterrichtsstil ist ähnlich dem deutschen. Es findet etwas mehr Interaktion statt aber ist dennoch Frontalunterricht. Durch die tolle Gestaltung der Räume und des Campus entsteht schnell ein familiäres Gefühl. Für Austauschstudenten wurde ein extra Kurs angeboten welcher alle Facetten Dänemarks, wie Kultur, Gesundheitssystem, Sozialsystem, Wirtschaftsystem, Geschichte und Politik erklärte und in einen europäischen Kontext einordnete.

Alltag und Freizeit

Aarhus bietet viele kleine Cafés welche bei Dänen eigentlich jeden Tag äußerst beliebt sind. Einige davon sind urig gestaltet und laden ein, dort viel Zeit zu verbringen. Kulturell bietet die Stadt nicht sonderlich viel, es ist eher das Gesamtbild der Stadt welches mich beeindruckt hat. Innerhalb der Stadt bildet ein Kanal das Zentrum. Entlang des Kanals sind zahlreiche Cafés und Bars. Kopfsteinpflaster prägt das Stadtbild. Die Stadt ist sehr jung was sowohl das Alter der Stadt als auch das Alter der Bevölkerung angeht. Das Gesamtbild ist sehr freundlich und generiert ein außerordentliches wohl-fühl-Klima. Viele der Restaurants und Bars gehen auf die große Zahl der Studenten ein und bieten viele Sonderangebote. Ebenso Veranstaltungen und mehrere Bekleidungsgeschäfte.

Freitags richten unterschiedliche Fakultäten in den Räumen der Universität ihre Bar aus. Die Universität stellt die Räume zur Verfügung und die Studenten arbeiten freiwillig. Diese Bars sind dadurch günstig, viel besucht und bieten hervorragende Möglichkeiten mit geringem Budget in Dänemark einen Abend mit Freunden zu gestalten. Dänen fahren Fahrrad. So lange es mit dem Fahrrad möglich ist, fährt man mit dem Fahrrad. Das Bussystem ist dennoch sehr gut ausgebaut. Dänen näher kennen zu lernen stellt sich als schwierig heraus. Ich habe Dänen zu jeder Zeit als sehr freundlich erlebt. Einen engeren Kontakt aufzubauen benötigt jedoch einige Zeit und ein Semester kann dafür vielleicht sogar zu kurz sein. Die meisten meiner Freunde waren daher andere Internationale Studenten und nur wenige Dänen. Das Preisniveau im Supermarkt ist nach meiner Erfahrung etwa 20% höher als in Deutschland aber ist extrem Produkt- und Angebots- abhängig. Angebote sind sehr viel wichtiger als in Deutschland und reduzieren Produkte oft um mehr als 60%. Ich habe jeden Tag mit meinem Mitbewohner frisch gekocht und bin damit preislich nicht sehr viel teurer als in Deutschland gewesen. Nach einiger Zeit findet man heraus welche der Supermärkte entscheidend günstiger sind.

Fazit

Machen! Nicht lange überlegen und sich für Erasmus bewerben. Es war eine tolle Erfahrung. Das Programm bietet die Möglichkeit viel über andere europäische Kulturen und Menschen zu lernen. Ich habe meine Zeit und Erfahrungen dort sehr genossen. Århus bietet ein wirkliches wohl - fühl - Klima welches sehr schnell dafür sorgt, dass man sich zu Hause fühlt. Einen Einblick in andere Studiensysteme und andere Denkweisen zu erhalten empfand ich als eine spannende und unvergessliche Erfahrung.