Report about my semester abroad 

Limerick, Winter 2018/2019 (Bachelor)

Erfahrungsbericht ERASMUS an der University of Limerick, Irland (WiSe 2018/19)

Bewerbung und Vorbereitung

Die Bewerbung für das Erasmusprogramm sollte frühzeitig angegangen werden, da sie zwar nicht allzu kompliziert ist, jedoch wegen aller benötigter Unterlagen etwas Vorlaufzeit erfordert. Insbesondere um das Gutachten sollte man sich rechtzeitig kümmern und sich bestenfalls schon vorher Gedanken machen, welchen Dozenten man gerne deshalb ansprechen möchte. Die Bewerbungsfrist endete bei mir Ende Dezember und bereits im Februar hatte ich eine Zusage von der University of Limerick. Von diesem Zeitpunkt an wurde ich auch direkt mit vielen Informationen und Unterlagen von der University of Limerick per Mail versorgt, sodass der weitere Ablauf der Bewerbung, auch wegen der vielen Reminder, die sowohl Heimat- als auch Gastuniversität versendet haben, eigentlich fast von alleine ablief. Bei Fragen konnte jedoch Frau Lorenz auch jederzeit kontaktiert werden und stand helfend zur Seite. Abgesehen von den organisatorischen Voraussetzungen, die direkt mit dem Studium und der Immatrikulation an der Gastuniversität zusammenhängen, würde ich dazu raten, sich vor dem Auslandsaufenthalt um eine Unterkunft in einem Wohnheim oder einer WG in der der Stadt sowie eine Kreditkarte zu kümmern.

Wohnen

Während meiner Zeit in Irland habe ich in einem Wohnheim auf dem Campus gelebt. Wohnheim ist hierbei jedoch nicht ganz der passende Begriff, da es wenig mit den Wohnheimen gemeinsam hatte, die man aus Heidelberg kennt. Auf dem Campus verteilt gibt es mehrere Villages, die tatsächlich wie kleine Dörfer aussehen und aus vielen kleinen Häuser bestehen, die jeweils eine eigene WG bilden. Preislich unterscheiden sich dabei die verschiedenen Villages voneinander, was sicherlich auch mit dem Komfort der unterschiedlichen Häuser zusammenhängt. Ich selbst habe im Kilmurry Village in einer 6er WG mit einer Kanadierin, einer Australierin und drei Amerikanern gelebt. Das Village liegt direkt an der Sports Arena und ist umgeben von einem Rugby- und mehreren Tennis- und Fußballplätzen. Die Nutzung der Sports Arena, die ein Schwimmbad, ein Fitnessstudio und verschiedene weitere Sportgelegenheiten beinhaltet, ist im Wohnheimspreis inbegriffen, lediglich eine kurze Anmeldung beim ersten Gang ist erforderlich, um sich zu registrieren. Die Unigebäude sind vom Kilmurry Village in etwa 10 Minuten zu Fuß zu erreichen, sodass ich diese Wohnlage nur empfehlen kann. Insgesamt fand ich das Wohnen auf dem Campus gut und praktisch, da die meisten meiner Freunde ebenfalls dort gewohnt haben und die Uni als gesamter Komplex etwas außerhalb der Stadt Limerick liegt, sodass das Leben viel mehr auf dem Campus stattgefunden hat. Das war für mich zunächst eine große Umstellung, da ich es aus Heidelberg ganz anders gewohnt war, ich empfand es jedoch als schöne Abwechslung und auch als Teil der irischen Studienkultur, den ich so auch gerne mitgemacht habe. Das Leben in den Villages war außerdem sehr praktisch, da jedes Village über eine eigene Rezeption mit großzügigen Öffnungszeiten verfügt, die sich um Anliegen und Probleme, die das Haus betreffen, kümmert. Auch Päckchen und Pakete werden dorthin geliefert. Weiterhin gibt es zahlreiche Events, die in den jeweiligen Villages veranstaltet werden, sodass jede Woche ein abwechslungsreiches Abendprogramm im jeweiligen Village stattfindet. Oftmals ist es dabei auch möglich, an Veranstaltungen anderer Villages gemeinsam mit Freunden teilzunehmen.

Meine Kritikpunkte an der Wohnsituation auf dem Campus sind, dass man leider nicht mit irischen Studenten zusammenlebt. Das war mir vorher so nicht bewusst, da ich gelesen hatte, dass Studierende in den Villages gemischt werden. Das bezieht sich jedoch scheinbar nur auf ein Durchmischen von irischen und internationalen Studierenden jeweils untereinander, was ich sehr schade fand. In WGs in der Stadt ist das sicherlich anders und ein guter Ansatzpunkt, um Locals kennenzulernen. Auch preislich sollte man sich das Wohnen im Studentenwohnheim auf dem Campus gut überlegen, da ich es als sehr teuer empfunden habe. Zwar verfügt jedes Haus über eine große Küche mit angeschlossenem Wohnzimmerbereich und Fernseher sowie zwei Badezimmer, das Zimmer an sich ist jedoch sehr klein. Auch Einkaufsgelegenheiten befinden sich, abgesehen von einem kleinen SPAR, nicht auf dem Campus und sind zu Fuß ein gutes Stück entfernt.

Anreise

Ich bin am Sonntag vor Beginn der Orientierungswoche angereist. Da ich in einem Wohnheimszimmer gewohnt habe und diese erst am Wochenende vor Beginn des neuen Semesters bezogen werden konnten, bin ich so knapp angereist, ansonsten hätte ich mir gerne noch etwas Zeit vorher genommen. In der Nähe von Limerick gibt es den Shannon Airport, der jedoch nicht von allen Airlines angeflogen wird. Ich bin daher nach Dublin geflogen und habe von dort aus einen Bus nach Limerick genommen. Dabei würde ich den Dublin Coach (grüner Bus) oder EirEagle empfehlen. Letzterer ist etwas teurer, dafür muss man jedoch nicht umsteigen und fährt direkt nach Limerick. Die Fahrtzeit dauert 2,5-3 Stunden. Auf dem Campus selbst musste man dann nur noch ins richtige Village finden, was allerdings nicht schwer war, da in der ersten Woche zahlreiche Studierende als Helfer für Erstis und Internationals im Einsatz sind.

Studieren

Meine Unizeit in Limerick begann mit einer Einführungswoche. Dabei gab es unterschiedliche Programme für Erasmusstudierende, Semester-Abroad-Studierende aus Übersee und irische Erstis, auch wenn sich die Veranstaltungen der Internationals teilweise überschnitten haben. In dieser Woche wurde man in alle Abläufe und Eigenheiten des Studierens in Irland eingeführt und außerdem mit Stadt und Campus vertraut gemacht. Durch viele abendliche Events war es außerdem ein Leichtes, in dieser Woche neue Leute kennenzulernen und erste Freundschaften zu schließen. Anschließend folgte das eigentliche Semester. Laut Erasmus-Vorgaben sollen während des Aufenthalts an der Gastuni ca. 30 ECTS-Punkte erreicht werden. Da die meiste Kurse an der University of Limerick einen Rahmen von 6 ECTS-Punkten haben, bedeutet das, dass in der Regel 4-5 Kurse belegt werden. Ich selber habe 4 Kurse belegt. Zwei Kurse im Bereich der Psychologie (Psychology of the Personality und Applied Psychologie) und zwei Kurse aus dem Bereich der Sportwissenschaften, jedoch auch mit Bezug zur Psychologie (Applied Sports Psychology und Exercise and Health). Dabei würde ich dazu raten, sich in den ersten Wochen verschiedene Kurse anzuhören, die infrage kommen könnten, da man sich als Erasmus-Student erst bis zur dritten Woche auf einen Stundenplan festlegen muss und sich bis dahin viel anschauen und anhören sollte, nicht nur im Bereich des eigenen Studienfachs an der Heimatuniversität. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden, ich habe es jedoch als tolle Möglichkeit wahrgenommen, einen Blick in andere Felder zu erhalten, was mir auf diese Art und Weise in Deutschland nicht unbedingt möglich gewesen wäre. Wichtig zu wissen ist dabei jedoch, dass bestimmte Kurse an der University of Limerick besonders beliebt sind und daher zunächst nicht zugänglich sind für Nicht-Hauptfach-Studierende. Dazu gehören unter anderem auch Psychologie und Sportwissenschaften, sodass ich um meine Kurse aus dem letzteren Bereich zunächst bangen musste. Durch die Vergabe von Restplätzen habe ich es letztendlich jedoch trotzdem geschafft, diese beiden Plätze zu ergattern. Wichtig ist es dafür jedoch, möglichst in der ersten Veranstaltung anwesend zu sein, da hier meist Informationen über den weiteren Prozess des Kurses, beispielsweise die Vergabe von Restplätzen, gegeben werden. Wichtig ist es außerdem, alle akademischen Deadlines, z.B. bezüglich der Kurs- oder Klausuranmeldung, einzuhalten, da ein Fehlverhalten ansonsten mit einer Geldstrafe abgemahnt wird.

Inhaltlich habe ich meine Kurse als sehr interessant erlebt, wenn auch als deutlich verschulter als in Deutschland. So finden die meisten Vorlesungen häufiger als einmal pro Woche statt und viele werden außerdem von einem verpflichtenden Tutorium oder Lab begleitet. Eine Onlineplattform, auf der Materialien zum Kurs hochgeladen und Eingaben getätigt werden, die ein wenig an Moodle erinnert, gibt es ebenfalls (SULIS). Der Umgang hiermit ist sehr einfach und wird von fast allen Dozenten in einer der ersten Vorlesungen erklärt. Meine Prüfungsleistungen in den unterschiedlichen Kursen bestanden aus Klausuren, Essays, Online-Tests, Referaten und einer mündlichen Prüfung und waren sehr abwechslungsreich. In allen Kursen sind die Dozierenden außerdem stets auf internationale Studierende eingegangen und haben einen offenen Eindruck vermittelt. Das Studieren auf Englisch, selbst mit irischem Akzent, hat sich dabei als keine große Herausforderung herausgestellt, da man sich sehr schnell eingehört hat und von allen Dozierenden und Mitstudierenden ermutigt wurde, zu sprechen und aktiv am Kurs teilzunehmen.

Campus

Der Campus der University of Limerick ist relativ groß und am Rande der Stadt gelegen. Er erstreckt sich auf beiden Seiten des Flusses Shannon, der durch den Campus verläuft und zum Spazieren im Grünen einlädt. Da sich das Leben der Studierenden viel stärker als in Deutschland auf dem Campus abspielt, bietet dieser auch alles, was man braucht. Es gibt über den gesamten Campus verteilt viele verschiedene Restaurants und Bars, in die man sowohl zum Mittagessen als auch zu einem Feierabendbier gehen kann. Die Bibliothek ist das Aushängeschild der Universität und wurde erst kürzlich vergrößert und modernisiert. Anders als in Heidelberg darf man hier auch Essen und Trinken mit in den Lesesaal nehmen, was die Bib, auch aufgrund der geringen Größe der Wohnheimszimmers, zu einem noch interessanteren Ort zum Lernen und Studieren macht. Außerdem gibt es eine Concert Hall, in der regelmäßig Konzerte unterschiedlichster Art stattfinden. Für die meisten Events hier gibt es Studentenrabatt. Weiterhin gibt es das Sportgelände (siehe Abschnitt Wohnen) und einige Läden, wie einen SPAR, einen Buchladen, den Unishop, eine Bank und sogar einen Frisör. Auch wenn der Campus auf den ersten Blick unübersichtlich erscheinen mag, so findet man sich doch nach kurzer Zeit gut zurecht. Eine Sache, an die man sich jedoch gewöhnen muss, ist, dass der Campus am Wochenende meist wie ausgestorben wirkt, da die meisten irischen Studierenden jedes Wochenende nach Hause fahren.

Freizeitangebote

In und um den Campus gibt es zahlreiche Freizeitangebote. Einerseits gibt es hierbei die zahlreichen Events, die von den einzelnen Villages organsiert werden und zum Mitmachen einladen. Wichtig hierbei zu erwähnen ist noch, dass über diese Events stets per Mail informiert wird, sodass es sich lohnt, regelmäßig in die Mails zu schauen. Die Freizeitgestaltung wird außerdem stark von den verschiedenen Clubs und Societies geprägt, was ich als weiteren großen Unterschied im Vergleich zu Deutschland wahrgenommen habe. Diese Clubs und Societies gehen von der Universität aus und werden von Studierenden organisiert, die sich für ein bestimmtes Thema oder Hobby interessieren. Am Anfang des Semesters stellen sich diese alle auf einer großen Messe in der Sports Arena vor. Hier hat man dann direkt die Möglichkeit, sich bei verschiedenen Societies einzuschreiben und gegen einen geringen Geldbetrag teilzunehmen. Dabei kommt eigentlich fast jeder auf seinen Geschmack, da die Societies nahezu alle Interessenbereiche abdecken und man ansonsten auch immer die Möglichkeit hat, eine eigene, neue Society zu gründen. Eine große Society ist dabei die International Society, die insbesondere für Austauschstudierende sehr interessant ist, da sie wöchentlich Parties veranstaltet und Ausflüge zu vielen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in ganz Irland unternimmt, an denen man mit Freunden für wenig Geld teilnehmen kann. Auch die Stadt selber verfügt über einige Clubs, Bars, Cafés und Restaurants, die mit dem Bus zu erreichen sind. Leider fahren die Busse nachts nicht mehr, sodass man sich nach dem Feiern in der Stadt meist ein Taxi zurück zum Campus teilen muss. Ein weiterer Organisator von Freizeitveranstaltungen ist die Student Union. Dabei handelt es sich um gewählte Vertreter der Studierenden, die ein eigenes Gebäude auf dem Campus haben und an die man sich bei Problemen und Anregungen wenden kann. Diese organisieren ebenfalls Reisen zu den Sehenswürdigkeiten Irlands in Kooperation mit einem Busunternehmen. Ein weiteres wöchentliches Event ist der Farmers‘ Market, der jeden Dienstag stattfindet. Außerdem gibt es regelmäßig verschiedene Themenwochen auf dem Campus, bei denen Informationsveranstaltungen aber auch Parties zu einem jeweiligen Thema angeboten werden.

Eine weitere beliebte Freizeitgestaltung in Irland ist das Reisen. Da das Land nicht sehr groß ist, sind die meisten Ziele gut innerhalb eines Tages mit dem Bus oder Zug zu erreichen. Dazu gehören die Cliffs of Moher, die Aran Islands, Cork, Dingle, Galway, der Ring of Kerry, Dublin und Belfast. Auch wenn viele dieser Ziele durch geplante Ausflüge der International Society oder Student Union abgedeckt werden, finde ich es doch empfehlenswert, auch eigene Ausflüge zu planen, da es ein ganz anderes Erlebnis ist, einen Ort nicht mit einer Gruppe und einem riesigen Reisebus zu erkunden.

Leben in Irland

Die Menschen in Irland habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Sowohl auf dem Campus als auch in unterschiedlichen Städten, in denen ich mich aufgehalten habe, habe ich diese Erfahrung gemacht. Besonders gut haben mir Dublin und Galway als Städte gefallen, auch wenn diese unterschiedlicher kaum sein könnten. Dublin als Hauptstadt und mit Abstand größte Stadt Irlands ist sicher ein ganz anderes Erlebnis als das beschauliche Galway, das sich durch Straßenmusiker und Pubs an jeder Ecke auszeichnet, ich würde jedoch beides sehr empfehlen. Auch die Pubkultur ist etwas, das mir sehr positiv in Erinnerung bleiben wird, da es sich tatsächlich von einer „normalen“ Kneipe sehr unterscheidet. Im Pub wird auch gegessen und Livemusik gespielt. Dies kann einen sehr touristischen Charakter annehmen, wenn man beispielsweise im Temple Bar District in Dublin unterwegs ist, kann sich aber auch sehr natürlich anfühlen, wenn man in ein weniger überlaufenes Pub geht. Auch Sport hat einen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft, jedoch ganz andere Sportarten als man es aus Deutschland gewöhnt ist. Insbesondere Rugby, Hurling und Gaelic Football sind sehr populär und werden schon von klein auf gespielt. Wenn man sich einmal mit dem Regelwerk vertraut gemacht hat, kann man das Zuschauen sehr genießen und ich würde jedem raten, sich Spiele dieser drei Sportarten live vor Ort anzuschauen, da diese auch einen wichtigen Teil der irischen Kultur ausmachen und der Stadiongang an sich ein tolles Erlebnis ist. Grundsätzlich unterscheidet sich das Leben in Irland in vielen Aspekten zwar nicht allzu stark von dem in Deutschland, jedoch hat man trotzdem das Gefühl, weit weg und in einer ganz anderen Kultur eingetaucht zu sein, was Irland als Ziel für mich persönlich so attraktiv macht.

Fazit

Ich kann einen Aufenthalt an der University of Limerick sehr empfehlen! Die Zeit in Irland hat für mich zu den schönsten meines bisherigen Studiums gehört und ich habe viele neue Leute aus der ganzen Welt kennengelernt. Das Land und die Universität haben sehr viel zu bieten und unterscheiden sich trotz der eher geringeren räumlichen Distanz grundlegend von dem, was wir aus Deutschland gewohnt sind. Da ich grundsätzlich der Ansicht bin, dass man ein Land und seine Menschen, aber auch sein akademisches System am besten erleben kann, indem man in das Land fährt und dort am alltäglichen Leben teilnimmt, kann ich die Möglichkeit, dies durch einen Erasmus-Aufenthalt zu tun, nur jedem sehr ans Herz legen und noch einmal betonen, um was für eine tolle und bereichernde Chance es sich dabei handelt!