Aarhus SS 2015

Aarhus, Summer semester 2015

Vorbereitungen

Je nach Fachrichtung beginnt die Bewerbung ein oder ein halbes Jahr vor dem geplanten Semester im Ausland. Die Bewerbung fĂŒr ein Auslandssemester mit dem ERASMUS Stipendium im Fachbereich Psychologie muss bei der Fachkoordinatorin Ute Lorenz eingereicht werden. Nach dem Erhalt der Zusage, folgt eine Bewerbung bei der UniversitĂ€t Aarhus ĂŒber das Online-Portal der UniversitĂ€t. Im gleichen Schritt werden auch die gewĂŒnschten Kurse gewĂ€hlt. Im Sommersemester 2015 wurden an der Aarhus UniversitĂ€t nur wenige Module auf Englisch angeboten. Da ich Statistik bereits in Heidelberg belegt hatte, standen fĂŒr mich letztendlich nur die drei weiteren Seminare mit jeweils 10 ECTS zur „Wahl“. Es ist ratsam sich rechtzeitig um eine Wohnung oder ein Zimmer in Aarhus zu bemĂŒhen. Im Abschnitt Wohnen haben ich einige Tipps und meine Erfahrungen ausfĂŒhrlicher beschrieben. Sobald die Zusage an der UniversitĂ€t Aarhus erhalten wurde, bekommt man in einer Wilkommens-E-Mail einige Informationen, Links und den „Letter of Enrolement“ zugesandt. In den sozialen Netzwerken gibt es schon vor Beginn des Semesters Gruppen, sodass man die Möglichkeit hat, vor Anreise mit den anderen internationalen Studierenden in Kontakt zu treten.

Anreise

Ich habe mich entschieden, mit dem Zug nach Aarhus zu reisen und habe diese Entscheidung auch nach 14 Stunden im Zug nicht bereut. Ich bin mit dem Nachtzug von Heidelberg nach Hamburg gefahren und von dort ebenfalls mit dem Zug weiter nach Aarhus. FĂŒr all diejenigen, die nicht so lange Zug fahren möchten, besteht die Möglichkeit nach Aarhus zu fliegen. Aarhus selbst hat einen kleinen Flughafen, der allerdings nicht von allen StĂ€dten und Airlines angeflogen wird. Alternativen dazu sind der Flughafen in Billund oder Kopenhagen. Von beiden FlughĂ€fen gibt es Buslinien nach Aarhus. Die Busfahrt von Kopenhagen nach Aarhus ist mit ca. 3 Stunden Fahrtzeit deutlich lĂ€nger als von Billund.

Wohnen

Bei der Online-Bewerbung fĂŒr die Aarhus UniversitĂ€t gibt es die Möglichkeit sich ĂŒber das „International Center“ fĂŒr die Zimmervermittlung einzutragen. Dies ist sehr zu empfehlen, da der Wohnungsmarkt und die Nachfrage nach Zimmern in Aarhus, wie in vielen UniversitĂ€tsstĂ€dten, sehr ĂŒberlaufen ist. Im Online-Portal hat man die Möglichkeit zwischen verschiedenen PrioritĂ€ten, wie Wohnheim, zwei-Personen Appartments und shared-facility- HĂ€usern zu wĂ€hlen. Außerdem wird gefragt, ob die NĂ€he zur UniversitĂ€t oder ein gĂŒnstiger Preis bevorzugt wird. Die gĂŒnstigste Variante sind Wohnheime, die teilweise auf dem Uni- Campus, teilweise aber auch ĂŒberall in und um der Stadt gelegen sind. In den Wohnheimen teilt man sich mit 8-16 Personen Bad und KĂŒche. GemeinschaftshĂ€user oder Appartments sind teurer. Das Housing-Center nimmt in der Regel 2 Monatsmieten als Kaution. Ich habe auf Empfehlung eine Kommilitonin „shared-facility-house“ und NĂ€he zur UniversitĂ€t als PrioritĂ€t angegeben und 420 Euro/Monat fĂŒr mein Zimmer bezahlt. WĂ€hrend meines Semesters habe ich ein einem kleinen Haus mit 8 weiteren internationalen Studierenden gewohnt. Mein Zimmer war auf der einen Seite sehr groß, wir hatten einen Gemeinschaftsraum und das Haus war gut ausgestattet, auf der anderen Seite war mein Zimmer, vor allem wenn man den Zustand des Hauses betrachtet hat, sehr teuer. GrĂ¶ĂŸter Vorteil an einem „shared- facilty-house“ ist meiner Meinung nach die Gemeinschaft mit den anderen internationalen Studierenden. Die gemeinsamen FrĂŒhstĂŒcke und Abendessen, der gemeinsame Kaffee in der Sonne und der Gemeinschaftsraum, der auch immer wieder viele andere Studenten anlockt, haben den hohen Preis und die Macken und Eigenarten der Hauses wett gemacht.

UniversitÀt

Die UniversitĂ€t und ganz speziell das International Center ist sehr um die internationalen Studierenden bemĂŒht. Jeder Fachrichtung bietet kurz vor Beginn der Seminare EinfĂŒhrungswochen an. Die Fachbereiche Psychologie, Politikwissenschaft und Jura bietet eine gemeinsame EinfĂŒhrungswoche an. In verschiedenen Veranstaltungen und Angeboten hat man die Möglichkeit die UniversitĂ€t und das Leben in DĂ€nemark kennenzulernen und erste Kontakte mit anderen Studierenden zu knĂŒpfen. Das International Center bietet innerhalb dieser EinfĂŒhrungswoche auch einen Nachmittag an, bei dem bei der Registrierung in DĂ€nemark geholfen wird. In DĂ€nemark hat jeder Einwohner eine persönliche Nummer, CPR-Nummer, die fĂŒr Arztbesuche, BehördengĂ€nge, Abschluss von VertrĂ€gen oder die Eröffnung eines Bankkontos verwendet wird. Das International Center hilft dabei alle Unterlagen richtig einzureichen. Das International Center weißt darĂŒber hinaus jedem internationalen Studierenden eine Ansprechperson zu, die helfen soll, noch schneller und besser in der neuen Stadt und an der neuen UniversitĂ€t durchzustarten. Meist sind die Ansprechpersonen aus der gleichen Fachrichtung und können so eine große Hilfe sein. Bevor das Semester beginnt, nimmt die Ansprechperson Kontakt mit den kommenden Studenten auf und so hat man die Möglichkeit schon vor Beginn des Semesters erste Fragen zu klĂ€ren. HĂ€ufig sind es auch diese Ansprechpersonen, die die neuen Studierenden am ersten Tag den Weg zu der neuen Wohnung oder dem neuen Zimmer zeigen.

Studium

Bevor ich nach DĂ€nemark gegangen bin, konnte ich nur ein paar wenige Wörter DĂ€nisch. Aus diesem Grund habe ich alle meine Kurse auf Englisch gewĂ€hlt. Im Vergleich zu anderen LĂ€ndern und UniversitĂ€ten wird von Studierenden in DĂ€nemark ein hohes Maß an Beteiligung in den Seminaren erwartet. Mir persönlich hat diese interaktive Gestaltung der Seminare sehr gefallen. Als schade habe ich es empfunden, dass in meinen Kursen hauptsĂ€chlich internationale Studierende waren. Aus anderen Fachrichtungen weiß ich, dass das nicht ĂŒberall der Fall ist. Ursache in Psychologie kann sein, dass die Seminare, die auf Englisch angeboten werden, meist nicht in den Studienplan der dĂ€nischen Studierenden passen. Den Lernaufwand in DĂ€nemark kann man gut mit dem an der UniversitĂ€t Heidelberg vergleichen. Ich hatte jedes Seminar einmal pro Woche fĂŒr je drei Stunden. Es wurde von den Studierenden erwartet, dass in der Zeit bis zur nĂ€chsten Sitzung die bereitgestellte LektĂŒre gelesen wurde. Im Seminar haben wir dann die LektĂŒre diskutiert und die behandelten Themen wurden hĂ€ufig durch andere Medien weiter vertieft. Es wurde außerdem von uns erwartet in jedem Seminar ein kurzes Referat mit anderen Studierenden zu halten. PrĂŒfungsleistung am Ende des Semesters war in allen Seminaren ein ca. neun seitiges Essay zu einem frei gewĂ€hlten und vorher mit dem Dozenten abgesprochenen Thema. Die Sprachschule „laerdansk“ bietet neben Sprachunterricht in den eigenen SchulungsrĂ€umen auch Unterricht in den RĂ€umen der UniversitĂ€t an. Alle Sprachkurse sind kostenlos und beim Unterricht an der UniversitĂ€t wird zudem auch noch fĂŒr das leibliche Wohl gesorgt. Mein Sprachkurs war einmal wöchentlich 3 Stunden. Neben dem Sprachkurs muss man noch in einem Online-Portal Übungen machen, um den Kurs zu bestehen und den nĂ€chsten Kurs machen zu können. Mir hat Sprachkurs aus vielen GrĂŒnden sehr viel Spaß gemacht:

Wer deutsch spricht, wird auf Grund der Ähnlichkeit der Sprachen, dĂ€nisch schnell lernen. Nur die Geschwindigkeit und die Aussprache sind eine kleine bis manchmal große Herausforderung. Meine Lehrerin in dem Kurs war selbst Studentin und hat den Unterricht sehr abwechslungsreich und spannend gestaltet. Neben der Sprache lernt man so einige kulturelle Eigenarten und Besonderheiten der DĂ€nen besser kennen. Nicht zuletzt bin ich in meinem Sprachkurs auf neue internationale Studierenden getroffen und habe so noch mehr Kontakte geknĂŒpft.

Land und Leben

DĂ€nemark ist ein wunderschönes Land mit netten, fleißigen und tanzbegeisterten Menschen. Bevor man sich fĂŒr ein Semester in DĂ€nemark entscheidet, muss man sich allerdings bewusst sein, dass das ERASMUS Stipendium nicht ausreicht, um die Mehrkosten zu decken. Nicht nur die Zimmer sind, wie bereits erwĂ€hnt, sehr teuer, auch die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu Deutschland deutlich höher. Ich habe von einigen wenigen Studierenden gehört, dass sie wĂ€hrend ihres ERASMUS Aufenthalts in DĂ€nemark einem kleinen Nebenjob nachgegangen sind. Von Seiten der UniversitĂ€t wird einem aber davon abgeraten und ich persönlich war auch sehr froh, dass mein Erspartes fĂŒr mein Leben in DĂ€nemark und meine Reisen in Skandinavien ausgereicht hat. Viele internationale Studierende haben beim Studentenhaus auf freiwilliger Basis mitgearbeitet. Hier hat man eine super Gelegenheit mit dĂ€nischen Studierenden in Kontakt zu treten und die ersten dĂ€nischen Sprachversuche zu unternehmen. Außerdem bekommt man als kleinen Bonus vergĂŒnstigte GetrĂ€nke und Rabatt auf andere Veranstaltungen im Studentenhaus. Aarhus ist zwar die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt DĂ€nemarks, aber mit ca. 320.000 Einwohnern im Vergleich zu vielen deutschen StĂ€dten doch sehr klein. Dementsprechend ist das kulturelle Angebot in der Stadt auch nicht so groß. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die verschiedenen Bars, Clubs und Cafes gefunden habe, die jenseits der Haupteinkaufsstraße lagen. Da aber auch diese LokalitĂ€ten sehr teuer sind und der Heimweg den Berg hoch uns bei kalten Temperaturen hĂ€ufig davon abgehalten hat, in die Stadt zu fahren, sind wir an vielen Wochenenden in eine sogenannten „fredagsbar“ der UniversitĂ€t zum Feiern gegangen. Jeden Freitag ab ca. 16 Uhr verwandeln sich die AufenthaltsrĂ€ume der verschiedenen FakultĂ€ten in Party-RĂ€ume. Die GetrĂ€nke sind hier sehr gĂŒnstig und die Chance auf andere internationale Studierende zu treffen sehr hoch. Mit einer der bekanntesten „fredagsbar“ ist die Medicin-Bar, den besten Ausblick ĂŒber die Stadt und den Hafen hat man jedoch in der FakultĂ€t der Physiker. Immer wieder werden auch „Pub crawls“ angeboten, bei der von „fredagsbar“ zu „fredagsbar“ gezogen wird. Hierbei hat man die Gelegenheit die verschiedenen FakultĂ€ten und Bars von innen zu sehen. Besonders beliebt bei internationalen Studierenden sind auch die Veranstaltungen und Konzerte, die das Studentenhaus organisiert. Neben verschiedenen (Motto-)Party’s und Karaoke, hat man hier auch die Möglichkeit gĂŒnstige AusflĂŒge zu machen. Ich selbst bin mit nach Skagen gefahren und hatte einen wundervollen, perfekt organisierten Tag dort. Aarhus ist eine Fahrradstadt. Ich kann es nur empfehlen sich so schnell wie möglich ein Fahrrad zuzulegen. Im Studentenhaus und beim International Center gibt es immer wieder AushĂ€nge und auch der Second-Hand Markt in den sozialen Netzwerken ist voll mit Anzeigen Studierender, die ihr Fahrrad verkaufen möchten. Von Beginn an wird den Studierenden, die neu nach DĂ€nemark kommen, gesagt, dass die DĂ€nen ein zurĂŒckhaltendes Volk sind und es schwer ist DĂ€nen kennenzulernen. Das kann ich nur teilweise bestĂ€tigen. Es stimmt, dass ich viel Zeit mit anderen internationalen Studierenden verbracht habe. Jedoch liegt das bestimmt zu einem großen Teil daran, dass die Verbindung zwischen den Studenten, die nur auf Zeit in Aarhus sind, besonders eng ist und man sich bei dem ganzen Angebot hĂ€ufig entscheiden muss, was man gerne machen möchte. Ich habe außerdem auch andere Erfahrungen gemacht: Ich spiele hier in Deutschland Ultimate Frisbee in einem Team und wollte das auch in Aarhus machen. Vom ersten Training der Frisbeemannschaft in Aarhus wurde ich freundlich aufgenommen und habe so viele DĂ€nen und DĂ€ninnen kennengelernt. Wer gerne einen Teamsport machen möchte, muss unter UmstĂ€nden zu Beginn ein bisschen suchen und fragen, bis man alle Informationen zusammen hat. Einen so zentralen Unisport wie an der UniversitĂ€t Heidelberg gibt es in Aarhus nĂ€mlich nicht. Abschließend kann ich sagen, dass ich meine Semester an der Aarhus UniversitĂ€t sehr genossen habe. Ich wĂŒrde mich jederzeit wieder fĂŒr ein Semester dort entscheiden und denke gerne an die Zeit dort zurĂŒck.