Report about my semester abroad 

Salamanca, Winter 2019/2020 (Bachelor)

Bewerbung und Vorbereitung

Im Winter 2018 habe ich die Entscheidung getroffen, mich für einen Erasmus Aufenthalt in meinem 7. Semester meines Psychologie Bachelors in Salamanca in Spanien zu bewerben. Von der Stadt und der Universität habe ich schon zuvor nur Gutes gehört, auch insbesondere über das ausgeprägte Studentenleben dort und die wunderschöne Altstadt und den berühmten Plaza Mayor. Auch die Größe der Stadt mit ca. 160 000 Einwohnern, wo eigentlich alles fußgängig zu erreichen ist und die günstigen Lebenshaltungskosten dort haben mich als Gesamtpaket sehr angesprochen – und was soll ich sagen: meine Erwartungen wurden auf jeden Fall nicht enttäuscht, aber dazu später mehr. Obwohl das psychologische Institut in Heidelberg nur einen Platz für Salamanca bereitstellt, hatte ich das Glück diesen nach einer recht unkomplizierten Bewerbung für das Wintersemester 2019/2020 zu erhalten. Bis auf die wenigen zu erfüllenden Aufgaben bezüglich der Bewerbung für mein Auslandsaufenthalt fiel die weitere Vorbereitung von Deutschland aus meinerseits eher knapp aus, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit meiner Bachelorarbeit begonnen hatte (die ich während meines Erasmus- Aufenthalts vollendet habe, was ich jedoch aufwandstechnisch nicht unbedingt empfehlen würde). Nichtsdestotrotz habe ich mich natürlich sprachlich auf das Leben in Spanien durch insgesamt 4 semesterbegleitende Spanischkurse während meines Bachelors am ZSL, sowie ein Sprachtandem im letzten Semester vor meinem Erasmus vorbereitet. Nach diesen Kursen hatte ich offiziell ein B1 Level, was jedoch wahrscheinlich eher einem A2 mündlich entsprach (die Universität Salamanca verlangt im Vergleich zu anderen spanischen Universitäten jedoch gar keinen Sprachnachweis). Das einzige was die Universität verlangt ist der Abschluss einer Versicherung die momentan leider durch eine Preiserhöhung bei circa 95 Euro liegt.

Ankunft und Wohnungssuche

Anfang September, circa eineinhalb Wochen bevor das Semester begann, kam ich dann in Salamanca an (Flug nach Madrid + Avanza Direktbus vom Flughafen nach Salamanca vorher online reservieren; jedoch hatte ich auch viele Freunde die mit Flixbus und Zügen über Land nach Salamanca kamen, was ich natürlich umwelttechnisch empfehlen würde). Schon am ersten Abend hat mich die wunderschöne historische Altstadt mit der riesigen Kathedrale und dem Plaza Mayor in den Bann gezogen. Eine wirklich außerordentlich schöne Stadt und definitiv vergleichbar mit der Schönheit Heidelbergs. Ich bin für die ersten 5 Tage in einem AirBnB untergekommen und habe mich wirklich erst am ersten Tag vor Ort online (besonders über die Website Idealista) um ein WG-Zimmer gekümmert. Dies hat dann zwar nach 5 Tagen auch geklappt, aber generell würde ich empfehlen einige Tage vor der Abreise zu beginnen in die Facebook-Gruppen zu schreiben oder Idealista-Inserate (am besten schriftlich über Whatsapp) anzuschreiben und Besichtigungen auszumachen, da es mich doch etwas gestresst hat die Suche erst vor Ort zu beginnen. Obwohl der Wohnungsmarkt in Salamanca vergleichsweise ein (preislicher) Traum ist, hatte ich dann am Schluss ein sehr großes und schönes WG-Zimmer am nördlichen Rand der Altstadt für 350 Euro inklusive aller Nebenkosten und Internet, was verhältnismäßig teuer, aber dafür sehr schön und mit eigenem Balkon war. (Achtung: in Spanien gibt es viele Zimmer die in einen sogenannten Patio (Lüftungskanal im Inneren eines Häuserblocks) gerichtet sind, wenn einem das (wie mir) zu dunkel ist, dann sollte man dies gleich beim ersten Anschreiben abklären. Nichtsdestotrotz findet man in Salamanca ein zentrales Zimmer recht spontan im Rahmen von 290-350 Euro inklusive Nebenkosten (die oftmals separat bezahlt werden).

Universität Salamanca

Nach der erfolgreichen Wohnungssuche kam dann auch recht schnell der erste Tag an der Universität. Das psychologische Institut liegt hierbei recht weit außerhalb im Norden (weshalb es sich anbietet im oberen/nördlichen Bereich der Altstadt eine Wohnung zu suchen). Jedoch laufen die meisten spanischen Studierenden trotzdem 20-25 Minuten zur Uni (anstatt wie die meisten Erasmus- Studierenden sich ein Fahrrad zuzulegen, z.B. Internetseite: Wallapop – Vorsicht: es ist nicht zu empfehlen Fahrräder draußen anzuschließen, da viele gestohlen werden). In der ersten Woche ist der Stundenplan anders als in allen weiteren Wochen, weshalb sich die meisten Erasmus-Studierenden in sehr viele Kurse gesetzt haben und nach der ersten Woche definitiv entschieden haben, welche Kurse sie wählen möchten. In meinem Fall (da ich ebenfalls die Bachelorarbeit noch zu Ende führte) waren es 4 Kurse (33 ECTS + 16 ECTS) plus ein 3-wöchiger Intensiv-Sprachkurs durch die USAL (der in manchen Studiengängen äquivalent zu 3 ECTS zählt und ca. 160 Euro kostet). Die Kurse sind im Verhältnis zu den Veranstaltungen in Deutschland oftmals mit weniger Teilnehmern, vergleichbar zu Seminaren und sind jedoch von größerem Arbeitsaufwand. Für einen klassischen 3-ECTS-Kurs werden die Leistungen oftmals anhand „Hausaufgaben“, teilweise Vorträgen und kleineren Hausarbeiten, sowie einer schriftlichen (manchmal Multiple Choice) Prüfung gemessen. Jedoch sind diese inhaltlich selbst mit einem noch unsicheren Spanisch gut zu schaffen. Sehr zu empfehlen war in meinem Fall der Kurs Intervención psicosocial comunitaria (6 ECTS), der von einem äußerst empathischen Dozenten geleitet wurde und große Anteile an Praxiserfahrungen enthielt. Außerdem wählte ich die Kurse Psiconeuroinmunología, Bases Psicobiológicas de la conducta alimentaria y sus alteraciones und Psicología de la Delincuencia. Hierbei waren insbesondere die ersten zwei sprachlich anspruchsvoll aufgrund des biologischen Inhalts, jedoch sehr interessant und durchaus auch mit anfänglich schwächerem Spanisch zu empfehlen. Insgesamt empfand ich alle Kurse aufgrund meines ca. A2- Spanischs anspruchsvoll, jedoch wurde mein Spanisch mit der Zeit deutlich besser und spätestens in der Prüfungsphase verstand ich die Inhalte gut und konnte dementsprechend gute bis sehr gute Ergebnisse in den Kursen erzielen. Zusammenfassend war es universitär höchst interessant ein neues System kennenzulernen und somit neue Einblicke über den universitären Tellerrand zu erhalten.

Bank

Ich habe kein Bankkonto in Spanien eröffnet und würde dies auch nicht unbedingt für nötig halten. Da ich eine Kreditkarte der DKB besitze, bei der ich im Euro-Gebiet kostenlos an einigen Automaten Geld abheben kann, habe ich somit hauptsächlich mit Bargeld bezahlt. Auch die Mieten werden häufig in Bar verlangt. Zudem hatte ich eine weitere Kreditkarte von STA-Travel, mit der man weltweit umsonst bezahlen kann, was eine super Ergänzung zu der DKB-Kreditkarte darstellte.

Leben in Salamanca

Salamanca ist eine außerordentlich tolle Studentenstadt. Ich habe schon vor meiner Ankunft viel davon gehört und recherchiert, jedoch hat mir der erste Anblick bei Nacht des Plaza Mayors am ersten Abend wirklich den Atem geraubt. Die komplette Altstadt und auch die Region am Fluss sind wunderschön und versprühen einen einzigartigen spanischen Charme. Besonders in den ersten zwei Monaten September und Oktober als das Leben sich vermehrt auf den Straßen abspielte, fühlte man sich wirklich wie im Film. Insbesondere da Anfang September die Feria de Salamanca war, ein auf den Straßen zelebriertes jährliches Stadtfest, war dies die perfekte Gelegenheit Stadt und (Erasmus)Leute kennenzulernen. Die Altstadt ist geprägt von kleinen Bars und Gaststuben zum gemütlichen Essen und Trinken und auch für Vegetarier und Veganer ist genügend Auswahl geboten, was mich positiv überrauscht hat (Empfehlung: Magenta). Nachdem die Siesta (14:00-17:00 Uhr), bei der die meisten kleineren Geschäfte geschlossen haben zu Ende ist, beginnt die Stadt abends langsam erneut zum Leben zu erwachen, wobei die meisten Spanier erst gegen 21:00 oder später in die Tapas-Bars wandern um dort in bunter Runde und bei einigen Pinchos den Abend einzuleiten. Salamanca kann man nicht beschreiben, ohne das umfassende Angebot an abend- und nächtlichen Angeboten zu erwähnen. Die Stadt ist bekannt für ihre Bar- und Fiesta-Scene und Kultur und für fast jeden Geschmack ist hierbei etwas dabei. Wir mochten besonders die Angebote von Open-Mic‘s und Jam Sessions und somit Live- Musik, die manche Kneipen anbieten (Empfehlung: Centenera). Das Nachtleben in Spanien beginnt jedoch deutlich später und dauert oftmals länger, als in Heidelberg und wer möchte kommt hier auf keinen Fall zu kurz. Zudem sind die günstigen Preise sowohl fürs Essengehen als auch an einem Ausgehabend sehr hervorzuheben.

Zusammenfassung

Ich hatte eine wunderschöne und sehr lehrreiche Zeit in Salamanca sowohl was Problembewältigung, die akademischen Erfahrungen an einer neuen Universität und insbesondere zwischenmenschliche und sprachliche Weiterentwicklung anbelangt. Generell würde ich diese Erfahrungen ungern missen und würde jedem Studierenden empfehlen, wenn die Möglichkeiten vorhanden sind, ein Erasmus- oder Auslandssemester zu absolvieren. Man lernt unglaublich schnell neue Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Erde kennen und kann sehr schnell große Fortschritte in einer Fremdsprache erzielen. Insbesondere Salamanca kann ich nur wärmstens empfehlen, da die Stadt eine schöne Größe und Angebotsvielfalt sowie herausragende akademische Möglichkeiten auch durch das „Hochspanisch“ für eine außergewöhnliche Erasmuserfahrung bietet.