Report about my semester abroad 

Louvain-la-Neuve, Winter 2017/2018 (Bachelor)

1. Vorbereitung und Ankunft

Auf einer Website der Universität Heidelberg heißt es, dass die Universität Heidelberg „649 ERASMUS-Austauschvereinbarungen mit europäischen Hochschulen“ hat. Mein Wunsch war es ein Auslandsjahr im Rahmen des ERASMUS-Programmes in Flandern, dem niederländisch-sprachigen Gebiet Belgiens zu verbringen. Bei der hohen Anzahl von internationalen Kooperationen war ich mir sicher, dass auch eine oder zwei flämische Universitäten zur Auswahl stehen würden für die ich mich hätte bewerben können. Ganz so einfach ist es aber nicht gewesen, da es jeweils die Fakultäten der verschiedenen Universitäten sind, die Austauschvereinbarungen haben und die Auswahl dadurch doch recht begrenzt wird. Das psychologische Institut der Universität Heidelberg beispielsweise hat momentan 16 ERASMUS-Kooperationen; eine in Flandern ist leider bisher nicht dabei. Auf Grund dessen habe ich mich fachfremd über das Zentrum für Ostasienwissenschaften für einen ERASMUS-Platz beworben.

Eine fachfremde Bewerbung erfordert zwar noch mehr Geduld, Organisation und Papierkram, aber die Mühe lohnt sich, denn auf diese Art und Weise wird einem mit etwas Glück ermöglicht in der Stadt und an der Universität der Wahl in Europa zu studieren ohne auf den ERASMUS-Zuschuss verzichten zu müssen. Auf der Homepage der Uni Heidelberg findet man unter Internationales > Erasmus > Übersicht Austauschplätze (zu finden am rechten Rand der Site), eine Liste aller Universitäten mit denen die Universität Heidelberg Austauschvereinbarungen im Rahmen des ERASMUS-Programms pflegt, sortiert nach Fakultäten bzw. Instituten. Hat man Land, Stadt oder Uni der Wahl hier gefunden, sollte man die verantwortliche Fakultät kontaktieren um herauszufinden, ob diese auch Plätze für fachfremde Studierende anbietet. In der Regel wird bei der Bewerbung den fakultätseigenen Studierenden der Vorrang gelassen, noch freie Plätze können dann auf fachfremde Studierende verteilt werden. Auch die empfangende Universität/Fakultät muss jedoch damit einverstanden sein Studierende, die sich über fachfremde Plätze bewerben, aufzunehmen. In meinem Fall war das die psychologische Fakultät der KU Leuven, die ich mit dieser Anfrage selber kontaktieren musste. Anders als die psychologische Fakultät der Universität Gent, wo ich mich auch gerne über einen fachfremden Platz beworben hätte, habe ich von der KU Leuven Zustimmung für die Bewerbung auf einen fachfremden Platz bekommen, so dass damit der Weg für die reguläre ERASMUS-Bewerbung frei war. Kurz zusammengefasst: Ich habe also einen ERASMUS-Platz des Heidelberger Zentrums für Ostasienwissenschaften bekommen, in Leuven hat mich aber die Fakultät für Psychologie und Pädagogische Wissenschaften empfangen und habe ich ganz regulär Kurse der Psychologie besuchen können.

Wie bereits angedeutet bedeutet ERASMUS sehr viel Papierkram. Viele Bewerbungsdokumente müssen eingereicht, Unterschriften gesammelt und E-Mails verschickt werden. Auch mit Ankunft im Gastland hört das nicht auf, denn einige Formulare müssen direkt nach Ankunft bzw. kurz vor Abreise aus dem Gastland und auch wiederum nach Rückkehr im Heimatland unterschrieben und verschickt werden. Eine Checkliste und das Eintragen von allen Deadlines im persönlichen Kalender sind hier sehr empfehlenswert um nichts zu vergessen, da das Einreichen vieler Dokumente Voraussetzung für das Empfangen des Zuschusses sind.

An der Universität in Leuven wird sich ab Ankunft im Gastland sehr gut um die ausländischen Studierenden gekümmert. Eine Einführungswoche vor offiziellen Beginn des Semesters hilft sehr bei der Orientierung in der neuen Stadt und an der Uni. Fester Bestandteil sind eine kostenlose Stadtrundführung, Vorträge über das Leben in Leuven und das Studieren an der Hochschule dort, eine Informationsmesse, wo sich verschiedenste Hochschulgruppen und studentische Organisationen vorstellen sowie Spaßaktivitäten wie Pub Crawls und Spieleabende. Des Weiteren werden in den ersten Wochen des Semesters kostengünstig Aktivitäten in und um Leuven für ausländische Studierende angeboten, wie zum Beispiel eine Besichtigung der Universitätsbibliothek und der Brauerei Stella Artois, Museumsbesuch, Fahrradtouren ins Grüne sowie Schloss- und Klosterführungen. Auch im weiteren Verlauf des akademischen Jahres werden insbesondere vom Erasmus Student Network (ESN) Ausflüge und Reisen organisiert an denen teilnehmen kann wer mag. Ganz besonders toll in Leuven ist das internationale Studierendencafé Pangea. Hier findet man als ausländischer Studierender bei Fragen und Problemen immer jemanden der oder die einem helfen kann. Auch Pangea organisiert viele verschiedene Aktivitäten, die von Sprachcafé über Folklore- Tanzabende, kostenlose Yoga- und Ayurveda-Kurse bis zu Diskussions- und Filmabenden und internationalen Partys reichen. Wer (für einen sehr geringen Kostenbeitrag) Mitglied bei Pangea ist kriegt zudem das ganze akademische Jahr über kostenlos Kaffee und Tee – es ist der Ort in Leuven wo sich internationale und einheimische Studierende begegnen. Auch werden sehr kostengünstige Sprach- und Konversationskurse durch Pangea organisiert und ein Buddy-Programm angeboten. Um am Buddy-Programm teilzunehmen muss man sich schon einige Wochen vor Beginn des Semesters registrieren (eine Mail mit Informationen dazu wird rechtzeitig von der Universität zugeschickt). Daraufhin wird einem ein belgischer Studierender oder eine belgische Studierende zugwiesen, die dabei helfen soll sich insbesondere am Anfang im Alltag an der neuen Universität und in der neuen Stadt zurechtzufinden. Ich selber habe nicht am Buddy-Programm teilgenommen und bin trotzdem gut zurechtgekommen, da es auch so immer genügend Menschen gibt, die einem bei Fragen und Problemen zur Seite stehen. Trotz allem glaube ich, dass es eine schöne Möglichkeit ist um Freundschaften mit „Einheimischen“ zu schließen um auch mal aus der „Erasmus-Blase“ herauszutreten.

2. Unterbringung

Ich hatte das Glück im großen Beginenhof (Groot Begijnhof) von Leuven wohnen zu dürfen. Die Beginen waren christliche Frauen, die ähnlich wie Nonnen in Gemeinschaft in den sogenannten Beginenhöfen zusammenlebten und arbeiteten, jedoch kein Gelübde ablegten. In vielen flämischen Städten findet man noch heute solche kleinen und großen Beginenhöfe, wie zum Beispiel auch in Gent oder in Brugge. Der Große Beginenhof in Leuven ist wie eine kleine mittelalterliche Stadt in der Stadt mit romantischen Gassen und Kopfsteinpflaster, Häusern aus Sandstein, die teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammen und einer kleinen Kirche in deren Turm das Carillon, ein typisch flämisches Glockenspiel, zu jeder vollen Stunde eine kleine Melodie spielt. Der Beginenhof in Leuven ist UNESCO Weltkulturerbe und seit einiger Zeit Privateigentum der Universität. Beginen wohnen hier schon lange keine mehr, dafür aber Studierende, Professoren und Universitätspersonal. Um das Privileg zu haben in einem Haus wohnen zu dürfen, dass zum Weltkulturerbe zählt muss man sich mit einem Motivationsschreiben bewerben. Da der Beginenhof eine ruhige und friedvolle Oase in der Stadt ist und auch bleiben soll und ERASMUS-Studierenden eher Party und laute Musik nachgesagt werden, ist es als ERASMUS-Studierende*r eher schwierig hier einen Platz zu bekommen – etwas Glück gehört also auf jeden Fall auch dazu. Es gibt Einzel- und auch Doppelwohnungen sowie Häuser in denen man sich als Wohngemeinschaft Bad und/oder Küche teilt, abhängig davon ist auch der Mietpreis, der von rund 300 Euro für ein Einzelzimmer im WG-Haus zu 750 Euro für ein Maisonette-Doppel-Apartment reichen kann. Im Vergleich zu vielen privaten Wohnheimen liegen die Preise damit eher im unteren Bereich und lohnt sich eine Bewerbung auf jeden Fall. Jedes Haus ist anders und individuell und alle Zimmer sind zudem voll möbliert. Zu manchen Häusern gehören außerdem Privatgärten, die genutzt werden können, aber es gibt auch ein paar öffentliche Grasflächen innerhalb des Beginenhofs auf denen jeder mit einem Picknick die Sonne genießen kann. Über das Jahr hinweg werden von den Studierenden, die im Beginenhof wohnen zudem so einige Aktivitäten in Eigeninitiative organisiert: Film- und Spieleabend, Open-Mic-Auftritte und Grillen auf der Wiese.

Alternative Wohnmöglichkeiten in Leuven sind große moderne private Studierendenwohnheime (oft mit eigenem Bad, aber geteilter Küche), deren Zimmer aber sehr teuer sein können (bis zu 400-500€). Des Weiteren werden in Belgien typischerweise Häuser von Privatpersonen an Studierende vermietet, wo man sich dann auch wiederum mit Mitbewohner*innen, die man sich aber anders als in der typisch deutschen WG nicht selber aussucht, Bad und Küche teilt. Diese Zimmer werden „kot“ genannt, sind oft möbliert, aber auch oft in nicht so gutem Zustand. Vielleicht einer der Gründe, weshalb belgische Studierende jedes Wochenende nach Hause zu ihrer Familie fahren und nur unter der Woche am Studienort wohnen. Auch die nahen Distanzen und günstigen Zugpreise in Belgien für unter 26-Jährige machen dies möglich und attraktiv.

Zugreisen sind innerhalb Belgiens zwar nicht so teuer wie in Deutschland (empfehlenswert ist hier der GoPass mit dem man für nur 6,40€ innerhalb von Belgiens von jeder beliebigen Stadt zu einer anderen fahren kann unabhängig von der Distanz), dafür sind Lebensmittel und Drogerieartikel etwas teurer. Aber auch hier gibt es natürlich günstige Möglichkeiten und Alternativen. Foodsharing ist in Belgien leider noch nicht so verbreitet, dafür hat sich aber die App „Too good to go“ in den letzten Monaten in Flandern stark etabliert und bekommt man für einen sehr geringen Preis enorme Mengen an Backwaren in Bäckereien, Essenresten in Restaurants und kurz vor Mindesthaltbarkeit-Ablaufdatum stehende Artikel aus Supermärkten. Eine tolle Initiative in Hinblick auf Essen ist auch der „veggie bag“. Jeden Montag kann man an bestimmten Abholpunkten in der Stadt eine Tasche Obst und Gemüse (ab 6€) vom lokalen Bio-Bauern für die kommende Woche bestellen und dann an eben diesem Abholpunkt in der folgenden Woche auch abholen. Was im „veggie bag“ ist, ist jedes Mal wieder eine neue Überraschung. Ich selber habe dieses Angebot das ganze Jahr über unglaublich gerne genutzt und habe auf diese Weise auch einige neue Rezepte ausprobiert, wenn mal mir unbekanntes oder ansonsten selten gekauftes Obst und Gemüse im „veggie bag“ war.

3. Studium an der Gasthochschule

In Leuven werden sehr viele Kurse, teilweise auch extra für ausländische Studierende, auf Englisch gehalten. Wenn man also kein Niederländisch spricht, sollte das an der Uni kein Problem darstellen; die Kurswahl wird dadurch allerdings ein wenig begrenzt. Ich habe fast alle meine Kurse auf Niederländisch gehabt. Man könnte meinen, dass ich auf diese Weise leichter integriert wurde und mich weniger in der bekannten ERASMUS-Blase befand, in der man nur mit anderen internationalen Studierenden Kontakt hat, leider war es aber nicht so einfach Beziehungen zu meinen belgischen Kommilitonen und Kommilitoninnen aufzubauen, was vor allem daran lag, dass ich ausschließlich sehr anonyme Vorlesungen mit einer großen Anzahl Studierender (manchmal über 200 in einem Saal) und ohne viel Interaktion hatte. Gestört habe ich mich aber nicht allzu sehr daran, denn sowohl belgische als auch internationale Freunde haben ich vor allem in der Orientierungswoche gefunden und auch im „Green Office“, einer studentischen Hochschulgruppe, die sich für Nachhaltigkeit einsetzt und bei der ich mich im zweiten Semester meines Aufenthaltes engagiert habe. Der Lernaufwand für die gleiche Anzahl an ECTS kam mir in Leuven bedeutend größer vor als an der Uni in Heidelberg. Die Vorlesungen dauern in der Regel mindestens 120 Minuten (mit einer 5-minütigen Pause zwischendurch), können aber auch bis zu 240, also vier volle Stunden, gehen. Powerpoint-Präsentationen werden zwar gegeben, aber klausurrelevant ist immer was der Prof sagt und so schreiben ausnahmslos alle Studierende die ganze Vorlesung über mit und machen sich Notizen. Die längeren Vorlesungszeiten sorgen schonmal für bedeutend mehr Lernstoff, hinzu kommt dann aber auch noch, dass man oft zuhause dicke Wälzer und viele Texte lesen muss, deren Inhalt nicht in den Vorlesungen besprochen wird aber trotzdem klausurrelevant ist. Die Benotung erfolgt in Belgien nach einem Punktesystem, dass von 0-20 geht (ab 10 Punkten aufwärts hat man bestanden). Eine 20, also die Bestnote, die in unserem Notensystem einer 1,0 entsprechen würde, wird praktisch nie gegeben und auch 19 oder 18 Punkte sind äußerst selten. Die Benotung erfolgt also bedeutend strenger in Belgien und es geht den Studierenden viel weniger darum eine gute Note zu bekommen als mehr um das Bestehen der Klausur. Auch mündliche Prüfungen anstelle von schriftlichen Klausuren sind keine Seltenheit.

Ist man mal krank und kann nicht zum Kurs erscheinen oder hat einfach keine Lust aufzustehen und zur 9-Uhr Vorlesung am Vormittag zu gehen, kann man sich oft die Vorlesung auch von zuhause nachträglich als „weblecture“ anschauen. Das ist auch sehr praktisch in der Klausurvorbereitung, denn hat man mal etwas beim ersten Mal nicht ganz genau verstanden, kann man sich einfach noch einmal die Vorlesung online anschauen. Nicht alle Vorlesungen werden auf Video aufgenommen, aber doch recht viele; etwas was denke ich auch viele Studierende in Heidelberg begrüßen würden.

Was ich besonders toll im Rahmen des Studiums an meiner Gasthochschule fand, war das ich die Möglichkeit hatte meine Kurse ganz frei nach Interesse zu wählen. So habe ich nicht nur Kurse in der Psychologie gehabt, sondern zum Beispiel auch einen Kurs in Anthropologie belegt, eine Vorlesung mit den Juristen gehabt und mich für mehrere Master-Kurse in den Sexualwissenschaften angemeldet. Auf diese Weise konnte ich spannende Einblicke in andere Bereiche erhalten

4. Alltag und Freizeit

Leuven ist eine tolle Stadt, in die ich mich wirklich verliebt habe. Sie ist zwar klein, trotzdem gibt es aber auch immer wieder neue Sachen zu entdecken. Leuven hat tolle (teilweise versteckte) Parks und einen wunderschönen botanischen Garten (kostenlos) zu bieten, es gibt einen kleinen Stadthafen und viele Kirchen und Klöster, Häuserfassaden und Stromkästen werden mit Streetart in Szene gesetzt. In Leuven haben unter anderem Desiderius Erasmus (ja, der Mann nach dem das Erasmus-Programm benannt wurde) und Mercator gelebt und die vielen alten Gebäude, wie das alte Rathaus im gotischen Stil und die zwei Mal zerbombte und wiederaufgebaute Universitätsbibliothek zeugen von einer reichen Geschichte der Stadt. Es gibt viele kleine schöne Cafés und in Hinblick auf Restaurants hat Leuven vor allem für Vegetarier und Veganer wirklich sehr viel zu bieten. Der „Oude Markt“ (Alte Markt) wird auch als die „längste Bar Europas“ bezeichnet, denn hier reihen sich Bars und Kneipen aneinander und vor allem im Sommer ist der ganze Platz voller Lebensgenießer, die bei einem Bier oder Cocktail in der Sonne sitzen.

Auch kulturell hat Leuven viel zu bieten: es gibt ein Museum (M Museum) mit immer wechselnden Ausstellungen und einer tollen Dachterrasse, ein Kino, dass ausgewählte Filme jenseits der Blockbuster zeigt (Cinema Zed) und ein Kulturcafé (Stuk) in dem jeden Sonntagabend die sehr beliebten kostenlosen Jazz-Konzerte stattfinden – eine lohnenswerte Alternative zum Tatort! Auch ansonsten wird wer Live-Musik mag in Leuven immer fündig: Es gibt keinen Abend an dem nicht irgendwo in einer Bar oder Kneipe eine Band spielt, gejammt wird oder ein Open-Mic-Abend stattfindet. Langweilig ist mir jedenfalls nie geworden, denn das ganze Jahr über gibt es Kunst- und Musikfestivals, Workshops und andere Aktivitäten, die für die Bewohner der Stadt angeboten werden. Eine unglaublich tolle Initiative der Universität ist die „culture-card“. Für die „culture-card“ zahlt man zu Beginn des akademischen Jahres 20€ und bekommt damit, dass ganze Jahr über ermäßigten oder sogar kostenlosen Eintritt für Museen, Ausstellungen, Konzerte und vieles mehr. Die Investition lohnt sich auf jeden Fall!

Wer gerne Sport macht kann auf dem weitläufigen Anwesen eines nahegelegenen Klosters in der Natur joggen und im Stadtpark werden regelmäßig kostenlose Yoga-Kurse angeboten. Auch beim Uni-Sport, für den man zu Beginn des Semesters einen Beitrag von 20 Euro zahlt, gibt es ein reiches Angebot und auch hier werden viele Kurse auf Englisch gehalten. Ich habe zum Beispiel während meines Aufenthaltes in Leuven Pilates beim Uni-Sport gemacht. Auch wer sich gerne ehrenamtlich engagiert hat in Leuven Unmengen von Möglichkeiten, von denen viele auf einer Info-Messe zu Beginn des Semesters vorgestellt werden – egal ob politisch, sozial oder (inter)kulturell. Ich selber habe mich beim „Green Office“ engagiert, einer Hochschulinitiative, die sich für mehr Nachhaltigkeit an der Universität und in der Stadt Leuven engagiert. Wir haben Diskussions- und Filmabende, Flohmärkte und Workshops organisiert, vegetarische und vegane Restaurants getestet und eine Kampagne unter dem Motto „Tap it up“ geführt, um die Menschen dazu zu bewegen mehr Leitungswasser in wiederverwendbaren Flaschen zu trinken anstatt Wasser in Plastikflaschen zu kaufen. Im Rahmen dessen, aber wir uns auch darum gekümmert, dass Trinkwasserzapfanlagen an verschiedenen Universitätsgebäuden installiert werden. Auch ein studentischer Gemüsegarten gehört zum Green Office und unser Haupt-Projekt des Sommersemesters war es ein Gewächshaus aus recycelten PET-Flaschen im Garten zu bauen. Durch mein Engagement beim Green Office habe ich viele inspirierende Personen kennen lernen dürfen und die Erinnerungen an die gemeinsamen Projekte gehören mit zu meinen schönsten aus der Zeit in Leuven.

Eine Studierenden-Busfahrkarte mit der man das ganze Jahr über innerhalb Leuvens mit dem Bus fahren kann kostet 20€. Unbedingt nötig ist die nicht, denn die Distanzen in der Stadt sind oftmals so kurz, dass man überall sehr gut und in wirklich kurzer Zeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad hinkommt. Ein Fahrrad kann man sich kostengünstig bei „Velo“ für den Zeitraum des Aufenthaltes mieten, bei Defekten wird es sogar kostenlos repariert.

5. Fazit

Ich bin froh darüber, dass ich mich von der vielen Bürokratie die mit einem ERASMUS- Aufenthalt verbunden ist nicht habe abschrecken lassen, denn mein Jahr in Leuven hat sich in jedem Fall gelohnt. Natürlich lief nicht immer alles wie ich es mir wünschte, aber ich habe spannendes Wissen, viele Erinnerungen an schöne Momente und tolle Freundschaften mitgenommen. Deshalb würde ich jedem der Lust hat ein bisschen neue Luft zu schnuppern dazu raten diese Chance zu nutzen und sich für das ERASMUS-Programm zu bewerben. Ich denke, dass es weniger der Ort ist, der in der Erfahrung eine wichtige Rolle spielt, als mehr die Menschen die man dort kennenlernt und die den Ort prägen. Trotzdem würde ich Leuven als Stadt auf jeden Fall empfehlen wollen, egal ob für einen längeren Aufenthalt während des Studiums oder aber für einen kurzen Städtetrip. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und werde bestimmt noch oft zurückkehren.