Report about my semester abroad 

Aarhus, Summer 2017 (Bachelor)

Vorbereitung und Wohnungssuche

Die Bewerbung für einen Erasmus-Platz stellt sich als relativ einfach dar. Allerdings darf man nach der Zusage der Uni Heidelberg nicht vergessen sich auch noch bei der Gast-Universität zu bewerben. Die Bewerbung erfolgt online über die Homepage der Universität Aarhus. Diese ist auch auf Englisch verfügbar, wodurch sich die Bewerbung ebenfalls einfach gestaltet. Im Rahmen der Online-Bewerbung wählt man auch die Kurse aus, die man während des Semesters belegen möchte. Des Weiteren kann man sich gleichzeitig auf einen Wohnheimsplatz bewerben, was sehr empfehlenswert ist, da der Wohnungsmarkt sehr überlaufen ist. Hier kann man unter anderem eine Priorität zwischen einem Zimmer in einem shared facility house und einem Zimmer in einem normalen Wohnheim (student dorm) festlegen. In den shared facility Häusern lebt eine Gruppe von internationalen Studierenden zusammen und wer hier einen Platz ergattern möchte, muss sich besonders früh bewerben. Die normalen Wohnheimshäuser bieten verschiedenste Wohnsituationen. Vom Wohnen direkt auf dem Campus in einem Zimmer der sogenannten Kollogiums, in denen man sich den Stock, Küche und Bad mit dänischen Studenten teilt, bis hin zu geräumigeren Zwei-Personen- Apartments etwas außerhalb, in denen man meist einen anderen Erasmus-Student als WG- Mitbewohner hat, ist alles dabei. Von der Universität bekommt man nach der Bewerbung aufgrund der angegebenen Prioritäten ein Angebot, das man entweder annehmen oder ablehnen kann. Jedoch kann man nicht verhandeln und bekommt auch kein zweites Angebot. Dadurch hat man wenig Einfluss auf tatsächliche Lage und Mitbewohner. Aufgrund meiner Erfahrung und den Erzählungen anderer Austauschstudenten, würde ich allerdings sagen, dass jede Art zu wohnen ihre eigenen Vor- und Nachteile hat und niemand sollte enttäuscht sein, wenn er nicht genau das Zimmer zugeteilt bekommt, das er sich vorgestellt hat. Ich persönlich habe in einem Zwei-Personen-Apartment für 340€ gelebt, das zwar etwas außerhalb war (15 min zur Uni mit Fahrrad oder Bus), dafür aber geräumig und hell und hatte eine nette Mitbewohnerin, die ebenfalls Erasmus-Studentin war. Ein zum Sommersemester häufig auftretendes Problem war allerdings, dass mein Zimmer erst ab Februar frei war, obwohl die Einführungswoche schon Ende Januar beginnt. Daher musste ich die ersten 1,5 Wochen in ein Airbnb ziehen. Hat man den Bewerbungsprozess hinter sich und einen Bescheid der Uni Aarhus erhalten, erhält man auch detaillierte Info-Broschüren zugeschickt. Wie auch in den Broschüren beschrieben, sollte man als letzte Vorbereitung einige Dokumente, wie eine Kopie des Personalausweises vorbereiten und mitnehmen, da man diese für die Anmeldung bei den dänischen Behörden braucht.

Ankunft

Jeder Austauschstudent bekommt einen Mentor zugeteilt. Dieser ist vom selben Fach und soll bei der Anreise und der Eingewöhnung helfen. Die Mentoren melden sich bei ihren zugeteilten Austauschstudenten meist schon vor Beginn des Aufenthalts und können beispielsweise wenn erwünscht die Schlüssel für dein Wohnheimszimmer beim International Center der Universität abholen oder dir den Weg vom Bahnhof zu deiner Wohnung zeigen. Nach Aarhus kann man nach meiner Erfahrung am einfachsten und meist auch am günstigsten mit der Bahn anreisen. Wer früh bucht findet mit dem Sparpreis-Finder Tickets ab 40€. Die Preise können allerdings schnell auf bis zu 140€ anstiegen, braucht man spontan ein Ticket. Aarhus hat auch einen Flughafen. Hier fliegen allerdings nur wenige Airlines. Weitere Flughäfen in der Nähe sind Kopenhagen und Billund, von denen man mit dem Bus weiter nach Aarhus reisen kann. Eine Anreise mit dem Auto ermöglicht natürlich den Luxus die meisten Dinge für den neuen Haushalt in Aarhus mitzubringen (die Wohnheime sind mit grundlegenden Dingen für die Küche ausgestattet, wie Geschirr, Besteck, Töpfe usw., aber man muss selbst Bettwäsche, Zudecke und Kissen mitbringen oder dort kaufen). Mit einer Fahrt von ca. 10h ohne Stau ist dies meiner Meinung nach aber nur empfehlenswert, wenn man einen Beifahrer hat, mit dem man sich schichtenweise abwechseln kann. Das Semester beginnt mit einer Einführungswoche, in der man mit vielen Informationen versorgt wird und andere internationale Studierende kennenlernt. Im Rahmen der Einführungswoche findet auch die Anmeldung bei den Behörden statt. Danach erhält man eine CPR-Nummer (Bürger-Nummer), die man für Arztbesuche, Anmeldung beim Fitnessstudio und vielem mehr benötigt.

Universität/ Studium

Erasmus-Austauschstudenten, die kein dänisch können, haben die Wahl zwischen einigen englischen Seminaren. Ich konnte für meinen Aufenthalt 3 aus 5 Seminaren auswählen, die ich belegen musste um auf meine 30 ECTS-Punkte zu kommen. Diese Seminare sind unseren Seminaren in Heidelberg sehr ähnlich. Es gibt wöchentlich Lektüre, die zuhause gelesen wird und es wird die Anwesenheit kontrolliert. In den dreistündigen Seminaren wird viel diskutiert, in Gruppen gearbeitet und es werden Vorträge der Studenten gehalten. Am Ende des Semesters musste ich in jedem der Seminare einen Essay von ca. 9 Seiten zu einem selbst ausgewählten Thema abgeben. Die Campusanlage und Einrichtungen der Universität haben mir sehr gut gefallen. In der Mitte des Campus befindet sich ein Park mit einem kleinen See und viel Grünfläche. Es gibt mehrere Bibliotheken auf dem Campus, in denen sich viele Plätze zum Lernen und Entspannen finden lassen. Eine der Bibliotheken, die Royal Library, hat sogar kostenlose Massagestühle, eine Tischtennisplatte und eine Playstation im Keller, mit denen man sich hervorragend eine Pause gönnen kann. 2

Neben dem Studium gibt es die Möglichkeit einen kostenlosen Dänisch-Sprachkurs zu belegen. Hier gibt es extra Kurse für Deutsche und Niederländer, da diese beiden Nationalitäten wohl leichter Dänisch lernen als andere. Tatsächlich sind einige Wörter ziemlich ähnlich zu deutschen Wörtern oder wirken wie eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Die Aussprache ist aber etwas schwieriger und manchmal eine Herausforderung. Dieser Kurs findet zweimal die Woche für 2h statt. Ich habe einen solchen Kurs begonnen und würde es auch jedem empfehlen zumindest auszuprobieren. Wer ernsthaft dabeibleiben möchte, sollte darauf achten nicht zu oft in Folge zu fehlen, da die Geschwindigkeit des Kurses zumindest in meinem Fall doch ziemlich hoch war. Ich habe ihn nach einigen Wochen aufgrund von Fehltagen abgebrochen, finde es allerdings trotzdem schön einige einfache Sätze auf dänisch sprechen und verstehen zu können.

Leben in Aarhus

Sehenswürdigkeiten und Nachtleben - Aarhus ist nach Kopenhagen Dänemarks zweitgrößte Stadt. Mit ca. 350 000 Einwohnern ist sie allerdings trotzdem nicht besonders groß. Der Stadtkern ist relativ klein, dennoch gibt es in Aarhus definitiv viel zu sehen. Da Aarhus 2017 europäische Kulturhauptstadt ist, wird außerdem momentan noch viel gebaut. Der Hafenbereich mit der neuen großen Bibliothek Dokk1 ist beispielsweise sehr schön und immer noch in Veränderung. Von hier aus führt ein Kanal mit vielen Bars und Cafés in den Stadtkern und kreuzt sich nach wenigen hundert Metern mit der Haupteinkaufsstraße. Hier findet auch der Großteil des Nachtlebens statt. Es gibt zwar nicht übermäßig viele Clubs und Bars in Aarhus, es ist allerdings für fast jeden Geschmack etwas dabei und wer sich in Heidelberg wohl fühlt, kommt auch hier auf seine Kosten. Die verschiedenen Museen in Aarhus wie ARoS und Moesgaard, sowie das Kulturzentrum Godsbanen sind nicht nur für Kunst- und Architektur- Interessierte ein Muss, sondern sollten von jedem mit einem Besuch abgestattet werden. Bei schönem Wetter ist es beispielsweise sehr schon abends auf dem Dach des Godsbanen zu sitzen und den Ausblick zu genießen. Deer-Park, Schloss und die botanischen Gärten sind weitere Ziele, die sich bei schönem Wetter lohnen und in letzterem kann im Sommer auch gemütlich gegrillt werden. Im Norden und Süden der Stadt befinden sich außerdem zwei Strände, die man mit dem Fahrrad oder Bus erreichen kann. Im Sommer gab es darüber hinaus mehrere Veranstaltungen und teilweise kostenlose Festivals, wie das SPOT-Festival oder Aarhus Volume. Studenten-Leben und Veranstaltungen - Auch an der Uni gibt es viel Unterhaltung. Wer nicht in die Stadt gehen oder Geld sparen möchte, kann Freitags in eine der vielen Friday-Bars auf dem Campus und im Nobelpark gehen, die ab 16 Uhr in den Räumen der verschiedenen Fachrichtungen stattfinden. Oder in den Klubben der Wirtschaftswissenschaften, der sich auf einem etwas separaten Campus befindet. Auch das Studentenhaus bietet eine billige Alternative, direkt neben dem Campus. Das Studentenhaus besteht aus einem Café, einer Kellerbar sowie einem größeren Veranstaltungsraum.

Jeden Dienstag findet hier beispielsweise die International Night satt, die jede Woche unter einem anderen Motto läuft. Sonntags kann man zu einem Salsa-Kurs kommen. Man kann auch im Studentenhaus freiwillig aushelfen. Es werden immer Studenten gesucht, die Lust haben verschiedene Aufgaben zu übernehmen, und die im Gegenzug einen großen Rabat auf Getränke und Snacks im Haus bekommen, sowie Tee und Kaffee umsonst. Die Arbeit im Studentenhaus bietet außerdem die Möglichkeit viele einheimische und internationale Studierende kennenzulernen. Ich habe dort einmal die Woche als Barkeeper ausgeholfen (man braucht keinerlei Barerfahrung im Voraus) und konnte mich sogar als Helfer beim Northside Festival eintragen. Wer interessiert ist, kann sich einfach auf der Homepage des Studentenhaus über die verschiedenen Teams informieren (Bar, Veranstaltungsorganisation usw.) und ihnen danach eine Mail schreiben. Darüber hinaus veranstaltet das Studentenhaus Ausflüge an beliebte Ziele in der Umgebung, wie Kopenhagen, Skagen oder das Legoland. Vor allem ein Ausflug nach Kopenhagen und Skagen, ob mit dem Studentenhaus oder privat organisiert, sind lohnenswert. Wer zum Sommersemester nach Aarhus kommt, hat außerdem das Vergnügen das Kapsejladsen mitzuerleben. Das ist ein Bootrennen über den See in der Mitte des Campus, bei dem Teams der verschiedenen Fachrichtungen antreten. Teil des Rennens ist es nicht nur den See in Gummiboten zu überqueren, sondern auch davor ein Bier zu exen und sich mehrfach um eine Holzstange zu drehen. Es ist ein großes Event (natürlich von Red-Bull gesponsert) bei dem der ganze Park voll mit Leuten ist, die anfeuern und selbst mittrinken. Entsprechend feuchtfröhlich wird die Veranstaltung dann auch - ganz nach dänischem Manier. Das Psychologie-Team ist momentan amtierender Meister. Wetter - Viele der von mir genannten Sehenswürdigkeiten und Orte sind wetterabhängig und das ist in Dänemark leider meistens nicht so gut. Im Winter und Frühling ist häufig regnerisch, bewölkt, neblig oder es schneit. Außerdem ist es kälter als in Süddeutschland. Umso näher man dem Sommer rückt umso mehr schöne Tage sind allerdings dabei. Und im Mai und Juni kann dann auch Zeit in der Sonne verbracht werden. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man allerdings immer eine Regenjacke parat haben und sich vor allem abends wärmer anziehen. Kosten – Dänemark ist definitiv ein teures Land. Wer auf Angebote im Supermarkt achtet und statt die teuren lieber die billigen aufsucht, kann es noch schaffen relativ preiswert weg zu kommen. Sobald man allerdings in ein Café, Restaurant oder sogar Imbissstand geht, sind die Preise deutlich höher als in Deutschland. Auch Luxusgüter wie Kosmetik und Alkohol sind teuer. Wer sein Auslandssemester ohne Geldsorgen genießen möchte, sollte daher am besten etwas Geld ansparen. Ich habe außerdem fast alle meine Kosmetika bereits von Deutschland mitgebracht oder mir von Besuchern mitnehmen lassen um Geld zu sparen. Weitere Möglichkeiten Geld zu sparen sind beispielsweise ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen und nach dem Aufenthalt weiter zu verkaufen statt den Bus zu nehmen (es gibt viele Facebook-Gruppen in denen Studenten ihre Räder anbieten) oder in die Friday-Bars zu gehen, statt in teurere Clubs in der Stadt, die auch häufig Eintritt oder Garderobengebühr verlangen.

Fazit

Insgesamt kann ich einen Aufenthalt in Aarhus oder generell einen Erasmus-Aufenthalt nur empfehlen. Ich habe viele nette Leute kennengelernt, neue Erfahrungen gesammelt und Freundschaften geschlossen. Vor allem in den wärmeren Monaten habe ich mich sehr wohlgefühlt in Aarhus und mich gut in der Stadt eingelebt. Für mich steht fest, dass das nicht mein letzter Besuch dort war.