Report about my semester abroad 

, Summer semester 2015 (Bachelor)

Bewerbung und Vorbereitung

Die Bewerbung für ein ERASMUS Stipendium und einen Auslandsaufenthalt ist (wie zu erwarten) mit jeder Menge Papierkram verbunden und sollte zeitig geplant werden. Lasst euch davon aber nicht entmutigen! Erstens, könnt ihr euch bei Fragen an die ERASMUS Koordinatorin Ute Lorenz wenden (was manchmal auch wirklich nötig ist, da die Umstellung von ERASMUS auf ERASMUS+ bei manchen Formularen für etwas Verwirrung sorgen kann) und zweitens, lohnt es sich am Ende und ihr werdet froh sein, den Aufwand auf euch genommen zu haben! Nachdem ich im Januar fristgemäß meine Bewerbung abgegeben hatte, habe ich im April die vorläufige Zusage von Frau Lorenz erhalten, die vom Akademischen Auslandsamt in Heidelberg bestätigt werden musste (und in der Regel auch getan wird). Dazu muss man online noch diverse Formulare ausfüllen und wenn dann die Bestätigung vom AAA ankommt, müssen noch verschiedene Formulare von der Uni in Southampton ausgefüllt und seit neustem auch ein online Sprachtest gemacht werden. Im November hatte ich dann auch meine endgültige Zusage von Southampton! Von dort kamen dann auch nach und nach mehrere mails mit Informationen zur Anreise, Wohnen etc. Man muss sich dann auch online in der Uni einschreiben und seinen Studentenausweis beantragen. Und dann ging es auch schon los. Am 21.01.15 bin ich von Stuttgart nach London Heathrow geflogen. Southampton hat auch einen eigenen Flughafen, dieser wird glaube ich jedoch nur von Düsseldorf und Hannover aus angeflogen. In Heathrow habe ich das Meet and Greet Programm in Anspruch genommen, bei dem ich dann zusammen mit anderen internationalen Studenten kostenlos am Flughafen abgeholt und nach Southampton direkt vor die Haustür gebracht wurde. Auch über dieses Programm werdet ihr per mail informiert und müsst euch dafür anmelden. Ich kann nur empfehlen, es zu nutzen, da es doch sehr bequem war!

Wohnen

Es gibt zwei Möglichkeiten in Southampton unterzukommen, welche beide mit Vor- und Nachteilen verbunden sind. Im Sommersemester kann man sich für ein Zimmer in einem Studentenwohnheim bewerben. Ich hatte ein Zimmer in dem Wohnheimkomplex Wessex Lane erhalten. Man kann auswählen ob man ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad oder eigenem Bad haben will. Die Küche wird in der Regel geteilt, es sei denn man bewirbt sich für ein ganzes Einzelapartment (was aber unbezahlbar ist!). In Wessex Lane gibt es eine 24h Rezeption, einen Hausmeister/Reparaturservice, einen Waschraum, Drucker, einen kleinen Fitnessraum und einen Putzservice für die gemeinschaftlich genutzten Räume. Hier hatte ich den Vorteil, dass ich mich vor meiner Ankunft eigentlich um nichts kümmern musste. Bei meiner Ankunft bekam ich sogar auf Wunsch Decke, Kissen, Bettwäsche und ein Handtuch. Als Nachteil ist hier eindeutig der Preis zu nennen, umgerechnet habe ich 700€ im Monat für ein kleines Zimmer mit eigenem Bad in einer Wohnung mit 6 Mitbewohnern gezahlt! Im Preis enthalten ist jedoch auch ein Busticket. Die günstigere Alternative besteht darin, sich ein privates Zimmer zu suchen. In England mieten sich Studenten gleich ein ganzes Haus und wohnen dort als WG zusammen. Generell ist es auch ziemlich leicht so ein Zimmer zu finden, es besteht definitiv kein Hausmangel in Southampton und die Preise sind deutlich günstiger, als in einem Wohnheim zu wohnen. Am besten meldet man sich dafür in der ERASMUS Facebook Gruppe an. Dort werden immer wieder Angebote gepostet von Studenten, die Nachmieter für ihre Zimmer suchen. Aber auch wer kein Facebook hat findet etwas. Allerdings sollte man sich natürlich vor seiner Ankunft schon darum kümmern und solche Häuser sind manchmal mit Unannehmlichkeiten wie z.B. defekte Heizung und unordentliche Mitbewohner verbunden. Ich war im Endeffekt, trotz der hohen Kosten, froh, mich für das Wohnheim entschieden zu haben. Viele meiner Freunde, die ich in Southampton kennengelernt hatte, wohnten auch im Wohnheim, was auch aus praktischer Sicht vorteilhaft war, da wir uns z.B. ein Taxi in die gleiche Richtung teilen konnten, während solche, die in Privathäusern wohnten manchmal in eine ganz andere Richtung mussten. Auch war ich ziemlich froh, dass ich nicht den Stress hatte, mich vor meiner Abreise noch mit Verträgen, Kaution etc. beschäftigen zu müssen, da die Zeit kurz vor meinem Flug für mich schon stressig genug war.

Studieren und Uni-Leben

Am 26.01.15 hatte ich meinen ersten Uni Tag in Southampton. ERASMUS verlangt, dass man 30 ECTS Punkte sammelt, somit muss man in Southampton 4 Module belegen. Dabei kann man auch Kurse aus niedrigeren oder höheren Semestern belegen, nur Master-Kurse sollte man wenn man im Bachelor studiert nicht wählen. Zusätzlich muss man auch VPN Stunden sammeln, wie viel, hängt davon ab, welche Module man wählt. Allerdings geht das in Southampton viel schneller und einfacher als in Heidelberg. Über das Portal efolio kann man eine Vielzahl an aktuellen Studien einsehen und diese entweder gleich online bearbeiten oder sich dafür zu einem bestimmten Termin anmelden und in der Uni daran teilnehmen. Die VPN Stunden werden dann auch in das System eingetragen und man spart sich die Mühe mit den nervigen VPN Zetteln. Irritierend fand ich, dass ich keine einzige Vorlesung im psychologischen Institut hatte, sondern für jedes Modul in ein anderes Gebäude musste und so z.B. eine Vorlesung im Institut für Ingenieurwesen hatte. Ich hatte die Module Psychology of Attractiveness, Self-Conscious Emotions, Developmental Psychopathology und Mental Health Epidemiology gewählt und war im Großen und Ganzen glücklich mit meiner Wahl. Die Dozenten waren kompetent und sprachlich gut verständlich (was man von manchen britischen Studenten nicht behaupten kann) und versuchten, Interesse für den Stoff zu wecken. Anders als in Heidelberg sind die Module im Einzelnen jedoch mit mehr Arbeitsaufwand verbunden. Alle Kurse erfordern am Ende des Semesters eine Klausur. Jedoch werden auch mitten im Semester Leistungsnachweise in Form von mid-term exams, Referaten, Hausarbeiten, Postern oder wöchentlichen kleinen Aufgaben gefordert, welche man meist auf der online Plattform eassignments hochladen muss und dort auch sein Feedback einsehen kann. Obwohl ich das fachliche Niveau in Southampton etwas niedriger einschätze als in Heidelberg, scheinen die Bewertungen der Leistungsnachweise im Vergleich dazu ein wenig strenger. Das Notensystem ist auch anders als in Deutschland, da es in Prozentzahlen erfolgt. Hier eine kurze Übersicht:

Auch das Klausurformat ist sehr gewöhnungsbedürftig. So werden die Klausurtermine erst einen Monat im Voraus bekannt gegeben. Allgemein gibt es für die ganze Uni einen Zeitraum, in dem jeder seine Klausuren schreibt. Dies ist in der Regel von Mitte Mai bis Anfang Juni. Manche Klausuren werden im Essayformat beantwortet. Dies bedeutet aber nicht, dass man einfach nur offene Fragen beantworten muss (wie es z.B. in Diagnostik der Fall ist), sondern die Antworten sollten wirklich als Essay konzipiert werden. Dazu gehört eine Einleitung, kritische Diskussion und ein Schlussteil. Auch sehr gewöhnungsbedürftig fand ich die Tatsache, dass hier viel Wert auf Detailwissen gelegt wird. So verlangen die Dozenten, dass man sich die Autoren und Jahreszahlen von Studien merkt, was für mich leider unmöglich war, da in den Vorlesungsfolien teilweise auf jeder Seite eine neue Studie vorgestellt wurde. Als ERASMUS Student darf man in den Klausuren ein Wörterbuch benutzen, dies muss aber unbedingt eine Wort zu Wort Übersetzung sein und sollte nicht zu detailliert sein. Ich hatte ein sehr dickes Schulwörterbuch, was einigen Aufsichtspersonen wohl ein Dorn im Auge war, da in einer Klausur gleich 4 Personen zum Überprüfen kamen und einmal durfte ich es dann auch tatsächlich nicht benutzen. Auch welchen Taschenrechner man benutzen darf, ist streng vorgegeben. Am befremdlichsten fand ich aber, dass man nicht einfach nur die Klausur mit den Aufgaben bekommt und dann gleich loslegt mit Antworten, sondern erst mal übertrieben viele Zettel und Deckblätter ausfüllen muss und am Ende seine Arbeit zwecks Anonymität versiegeln muss. Anonymität finde ich gut, aber dass man vor der Klausur noch so einen Aufwand machen muss, finde ich zu viel des Guten. Was ich an der Uni sehr zu schätzen gelernt habe, ist, dass sie einen richtigen Campus hat, mit allem was das Studentenherz begehrt. So befinden sich am Campus mehrere Restaurants, Bars und Cafés, sowie ein Shop, Friseur, Kino, Arzt, Apotheke und ein Fitnessstudio mit Schwimmbad und diversen Sportangeboten und Kursen. Für dieses muss man eine Mitgliedschaft für £ 80 für ein halbes Jahr beantragen, was aber, wenn man es umrechnet, ca. 20 € im Monat ist und damit doch recht angemessen ist. Auch die Betreuung von ERASMUS Studenten an der Uni Southampton ist wirklich ausgezeichnet. Es gibt auch hier einen ERASMUS Koordinator, der explizit dazu einlädt, sich bei Fragen an ihn zu wenden. Auch gab es gleich in der ersten Woche eine Willkommens-/Infoveranstaltung. An der Uni gibt es auch die student’s union, besser bekannt als SUSU. SUSU vertritt Studenten in allen möglichen Angelegenheiten und organisiert viele verschiedene Events und Angebote. So gibt es z.B. zahlreiche kunterbunte societies, denen man beitreten kann. Die ERASMUS society, die regelmäßig Veranstaltungen, wie z.B. Parties oder Ausflüge organisiert und auch sonst Hilfestellung anbietet, ist nur eine von vielen weiteren, mehr oder weniger ausgefallenen societies.

Stadt und Freizeit

Southampton ist eine Hafenstadt, wer also denkt, nur weil sie am Meer liegt, ist dort auch ein Strand, kann sich gleich von dem Gedanken verabschieden. Ich persönlich finde, es gibt schönere Städte, womit Southampton aber wirklich glänzen kann, ist, dass die Stadt einzigartig auf Studenten ausgelegt ist. So verbindet z.B. der uni-link Bus alle Studentenwohnheime mit der Uni und dem Stadtzentrum und die Busse fahren auch bis spät am Abend regelmäßig (jedoch oft mit ärgerlichen Verspätungen). Auch beim shoppen bekommt man in einigen Kleidergeschäften Studentenrabatt. Zudem gibt es so viele Restaurants, Pubs, Clubs und andere Freizeitangebote, dass einem eigentlich nicht langweilig werden kann. Anders als in Deutschland, schließen diese jedoch meistens schon sehr früh (manche Pubs sogar noch vor Mitternacht!). Southampton ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. Nicht weit von der Stadt liegt der New Forest National Park, den man bequem mit dem Bus erreichen kann und mit der Fähre gelangt man auf die Isle of Wight, welche auch sehr sehenswert ist. Es werden auch immer wieder Ausflüge von der Uni angeboten. Ich empfehle sehr, diese zu nutzen, wenn euch die Ziele interessieren, da diese organisierten Exkursionen oft billiger ausfallen, als wenn man auf eigene Faust einen Ausflug plant. Falls man doch noch selbst irgendwohin möchte empfehle ich mit nationalexpress zu reisen oder (da manche Fahrten einfach zu lange dauern) den Zug zu nehmen. Wenn ihr wisst, dass ihr öfter unterwegs sein werdet, kauft euch auf jeden Fall eine young person coachcard für nationalexpress bzw. eine 16-25 railcard für den Zug. Man kann dadurch so viel Geld sparen und das lohnt sich bei den Preisen in England auf jeden Fall!!

Fazit

Ich bin überglücklich, dass ich die Chance hatte, ein Auslandssemester in England zu machen. Trotz dem ganzen Bürokratie Aufwand und ab und an ein wenig Heimweh, war es doch eine einmalige Gelegenheit das Studentenleben in England kennenzulernen, mich fachlich und sprachlich weiterzubilden, tolle Menschen zu treffen und viele schöne Orte zu sehen.

Nützliche Links Bewerbung http://crisp.psi.uni-heidelberg.de/staff/Ute-Lorenz

Wohnen im Wohnheim oder private Zimmersuche https://www.southampton.ac.uk/accommodation/

Allgemeines Portal für relevante Studieninformationen (mail, Noten, blackboard...) https://sussed.soton.ac.uk/cp/home/displaylogin

Portal für VPN Stunden https://www.efolio.soton.ac.uk/login/?currentPage=/research/

Portal zum Hochladen von Referaten, Hausarbeiten etc. https://www.assignments.soton.ac.uk/restricted/Login.aspx?ReturnUrl=%2f

Student’s Union https://www.susu.org/

nationalexpress (Bus) http://www.nationalexpress.com/home.aspx

national rail (Zug) http://ojp.nationalrail.co.uk/service/planjourney/search