Report about my semester abroad 

Paris, Sorbonne 4EU+, Summer 2020 (Master)

Schon bevor ich für meinen Master nach Heidelberg kam, stand für mich fest, dass ich gerne ein Auslandssemester in Frankreich machen würde - und das am allerliebsten in Paris. Genau im richtigen Moment wurde die Sorbonne Université in Paris im Rahmen des 4EU+ Programms tatsächlich zur Partneruniversität von Heidelberg.

Ich verbrachte schließlich das Sommersemester 2020 in Paris, was, wie alle Vorhaben in dieser besonderen Zeit, sicher keinen gewöhnlichen Aufenthalt widerspiegelte. Die ersten zwei Monate waren noch „normal“, dann veränderte sich von einem auf den anderen Tag alles…

Aber zurück auf Anfang und alles der Reihe nach.

Vorbereitung

Da für mich schon von Anfang an klar war, dass ich am liebsten nach Paris wollte, was zu diesem Zeitpunkt für Psychologie noch nicht möglich war, informierte ich mich bei Frau Lorenz über mögliche Bewerbungen bei anderen Fächern. Da die Frist für das gesamte akademische Jahr 2019/2020 bereis im Januar 2019 war (obwohl mein Semester erst im Januar 2020 startete), begann die Vorbereitung vergleichsweise früh. Gerade, als ich mich „fachfremd“ über die Soziologie in Paris bewerben wollte, erfuhr ich jedoch, dass es über das 4EU+ Programm nun auch eine direkte Zugangsmöglichkeit für Psycholog*innen an die Sorbonne Université - Paris IV - Faculté des Lettres gab. Wichtig hierbei zu erwähnen ist, dass man dort kein Psychologie studieren kann.

Nachdem ich all meine Kurse jedoch bis dahin schon in Heidelberg besuchen konnte und nach fast 5 Jahren Psychologie-Studium auch nochmal Lust hatte, etwas anderes zu hören, stellte das kein Problem für mich dar.

Ich hatte zu Beginn natürlich viele Fragen, da ich die erste Psychologiestudentin war, die sich für dieses Programm bewarb. Gemeinsam mit Frau Lorenz und viel Vertrauen darauf, dass sich am Ende für Alles eine Lösung finden würde, ließen sich aber alle Vorbereitungen gut meistern. Auch die ERASMUS-Koordinatorin von Paris, Cécile Rochefort, war mir in der Vorbereitung eine große Hilfe!

Nachdem ich neu an der Uni Heidelberg war, war es für mich schwer, schon im Dezember ein Empfehlungsschreiben eines/r Dozierenden zu erhalten. Dabei kam mir sehr zu Gute, dass ich dafür einen Professor meiner alten Universität anfragen durfte.

Bezüglich der Kurse klickte ich mich durch das Angebot der Sorbonne Université und schrieb Kurse heraus, die mich interessierten. Hierbei ist zu empfehlen, nicht zu viel Zeit zu investieren, da sich das Kursangebot der Sorbonne auch relativ kurzfristig ändern kann. Zumindest bei mir gab es bei meiner Ankunft fast keinen Kurs mehr, den ich ursprünglich ausgewählt hatte. Prinzipiell ist alles vor Ort sehr flexibel, da wenig zentral und das meiste im persönlichen Gespräch geregelt wird. Auch die Auswahl des Hauptdepartments, die man zu Beginn treffen muss, kann jederzeit während des laufenden Semesters noch verändert werden.

So hatte ich im Januar alle Bewerbungsunterlagen zusammen und freute mich riesig, als dann im Februar meine Zusage kam. Alles wirkte noch etwas surreal, da es bis zum Beginn meines Semesters ja noch fast ein Jahr hin war. Es galt dann nur, die Anmeldefrist an der Sorbonne Univesité direkt (01. Oktober) nicht zu verpassen, vielmehr musste gar nicht mehr vorbereitet werden, da die Kursauswahl erst vor Ort erfolgte.

Wie bereits erwähnt, wird Psychologie an der Sorbonne nicht als Studiengang angeboten, daher ergibt sich eine große Freiheit der Kurswahl. In der ersten Woche des Semesters (damals noch zu nicht-Corona-Zeiten) gab es verschiedene Veranstaltungen in denen sich die einzelnen Abteilungen (z.B. Histoire, Sociologie…) vorgestellt haben. Anschließend konnte man sich bei den Leiter*innen der jeweiligen Abteilungen für seine Kurse anmelden. Wichtig war dabei, dass man in keinem anderen Bereich mehr Punkte hatte, als in seinem Hauptbereich, den man zu Beginn oder im Laufe der ersten Wochen festlegte. Außerdem bestand die Möglichkeit, Sportkurse zu besuchen, wofür es auch 2 ECTS gab. Allerdings brauchte man für die Anmeldung ein ärztliches Attest (in Englisch oder Französisch), das bescheinigt, dass man aus medizinischer Sicht in der Lage ist, Sport zu treiben. Ich würde empfehlen, sich dieses möglichst noch in Deutschland ausstellen zu lassen. Es muss keine speziellen Kriterien erfüllen, lediglich von Seiten eines Arztes/einer Ärztin unterschrieben worden sein.

Ich habe außerdem noch einen Chor besucht, für den ich auch 3 ECTS bekommen habe und der sich als meine beste Veranstaltung herausgestellt hat. Ansonsten hatte ich in meinem Hauptdepartement 3 Kurse zu jeweils 3 ECTS (La sociologie économique de la fête, La sociologie de la mondialisation, La famille du monde d’hier à demain), einen Geschichtskurs mit 2 Veranstaltungen für insgesamt 5 ECTS und einen Französischkurs, der mich auf das Sorbonne- Examen (SELFEE) auf dem Niveau C1 vorbereitet hat. Ich habe den Arbeitsaufwand pro ECTS höher als in Deutschland wahrgenommen, vor allem durch die vielen Hausarbeiten, die es am Ende des Semesters, wahlweise auf Englisch oder Französisch, zu schreiben gab. Hier hat sich prinzipiell bewährt, zu Beginn des Semesters auf die Professor*innen zuzugehen um nach den geforderten Leistungen für ERASMUS-Studierende zu fragen. So erhielt man eine bessere Übersicht über das Arbeitspensum, zudem mussten ERASMUS-Studierende oft weniger Leistungen erbringen. Die Notengebung am Ende war in den meisten Fällen sehr fair. Gab es Probleme bei der Kurswahl oder -anrechnung, war Cécile Rochefort immer eine große Hilfe. So wurde uns beispielsweise zuerst gesagt, dass der Chor für uns nicht anrechenbar wäre. Nach einem kurzen Besuch bei Cécile Rochefort war es dann aber doch möglich.

Prinzipiell lässt sich sagen, dass gute Französischkenntnisse für die Organisation der Kurse aber auch für das Studium selbst unabdingbar sind. Es gibt nur wenige Kurse auf Englisch und z.B. auch keine PowerPointFolien. Hier hat es mir häufig geholfen, auf französische Kommiliton*innen zuzugehen, die mich dann mit ihren Aufzeichnungen unterstützt haben.

Außerdem lohnt sich bei der Auswahl der Kurse auch die Orte, an denen sie stattfinden, zu berücksichtigen. Die Sorbonne ist nämlich weit über Paris verteilt und die Pausen oft zu kurz, um von einem Gebäude zum anderen zu fahren. Zudem ist es natürlich am schönsten, im alten Gebäude im 5. Arrondissement zu sein.

Mitte März erfolgte schließlich das „Confinement“ in Frankreich, woraufhin ich meine Veranstaltungen und Prüfungsleistungen bis zum Ende des Semesters online absolvierte. Nach langem Abwägen entschied ich mich jedoch, in Paris zu bleiben und durfte so einige sehr besondere Wochen erleben, die ich vor allem meinem wunderbaren Zuhause dort zu verdanken habe.

Wohnen in Paris

Eine der bekanntesten und schönsten Möglichkeiten, in Paris zu wohnen, ist die Cité Internationale Universitaire de Paris. Auf einer großen Fläche im 14. Arrondissement stehen ca. 40 Häuser, die jeweils eine Nation repräsentieren. Studierende aus aller Welt wohnen dort, es gibt eine Mensa, verschiedene Bibliotheken und eine unglaubliche Vielzahl an Freizeitangeboten und Kulturveranstaltungen. Mit dem RER B sind es nur knappe 10 Minuten bis zur Sorbonne. Aus Deutschland kommend, wird man bei einer Bewerbung direkt zum Maison Heinrich Heine weitergeleitet, dem deutschen Haus in der Cité U. Die Bewerbung ist umfangreich, u.a. wird auch ein Empfehlungsschreiben eines/einer Dozent*in gefordert, das wohl im Auswahlprozess auch ein hohes Gewicht hat. Die Unterlagen müssen postalisch eingesendet werden.

Bei mir war die Bewerbung nicht erfolgreich, ich hatte aber glücklicherweise zuvor bereits die Zusage eines anderen Wohnheims erhalten, das sich für mich als die perfekte Wahl herausgestellt hat. Das Foyer International des Étudiantes liegt 8 Fußminuten entfernt von der Sorbonne, inmitten des 5. Arrondissement, direkt neben dem Jardin du Luxembourg. Highlight war definitiv die Dachterrasse, von der aus man einen tollen Blick über ganz Paris hatte - inklusive Sonnenuntergang neben dem Eiffelturm. Wie der Name bereits verrät, wohnen in dem Wohnheim nur Studentinnen, was auf die Geschichte seiner Gründung zurückgeht. Entsprechend eines Mädchenwohnheims aus dem letzten Jahrhundert gab es teilweise auch entsprechende Regeln, die sich in Zukunft vielleicht etwas lockern werden. Ich habe dies auch lange abgewägt, letztendlich haben mich der Standort und das Wohnheim an sich aber so überzeugt, dass ich die Regeln dafür in Kauf genommen habe.

Was ich damals noch nicht wissen konnte - für den Lockdown hat es sich schließlich als das perfekte Zuhause herausgestellt. Gemeinsam mit den anderen verbliebenen Mädchen veranstalteten wir Tanzkurse mit Abstand auf der Dachterrasse, arbeiteten gemeinsam im Solarium (einem lichtdurchfluteten Arbeitsraum) an unserem Studium, es gab Konzerte und jeden Abend ein Abendessen vor dem Eiffelturm im Sonnenuntergang.

Weitere Wohnmöglichkeiten bietet z.B. Crous (Centre régional des oeuvres universitaires et scolaires) an, zudem gibt es auch eine Facebookgruppe „Deutsche in Paris“, die ebenfalls eine Plattform für Wohnungssuchende bietet.

Leben in Paris

Auch wenn das Ende meines Aufenthalts in Paris sehr vom Confinement geprägt war, durfte ich zu Beginn fast zwei volle Monate in Paris verbringen. Mittlerweile fast unvorstellbar, war ich im Februar noch auf einem Milky Chance- und einem Mighty Oaks-Konzert, in unzähligen Restaurants und Cafés, Museen, an der Seine, in den unterschiedlichsten Vierteln und habe tolle Menschen kennengelernt. Paris steckt voller Möglichkeiten, Schönheit und voller Genuss. Meine persönlichen Lieblingsempfehlungen sind: Le Jardin du Luxembourg, IMA Cantine, Demi Lune (für ein französisches Menü für 15 Euro), Galeries LaFayette, BatoBus, die Dachterrasse des Le Printemps, mein Lieblingscafé Judy, Mandelcroissants, der Buchladen Shakespeare & Company, L’Atelier des Lumières, ein Picknick am Canal Saint-Martin, Le Pont des Arts, Le Musée de l’Orangerie und Les Pipelettes.

Außerdem gehen von Paris aus viele Zugverbindungen in alle Teile von Frankreich und darüber hinaus, mit dem TGV geht das wirklich unglaublich schnell. So sind es z.B. bis Marseille nur 3h.

Fazit

Für mich war Paris in vielerlei Hinsicht eine besondere Erfahrung. Sicherlich werde ich die Stadt nun auch immer mit dem Beginn der Pandemie verbinden, habe aber das Gefühl, dass ich dennoch oder vielleicht genau deswegen vielleicht sogar ein bisschen mehr mit ihr in Verbindung bleibe. Noch immer kann ich in meinem Chor dort singen, der nach wie vor online stattfindet, und vielleicht dürfen wir im Sommer endlich unser Konzert veranstalten. Einige Mädchen aus dem Wohnheim sind nun wieder über die Welt verstreut und doch sind wir noch immer in Kontakt. Und Paris hat sowieso mein Herz.