Report about my semester abroad 

Amsterdam, Winter 2016/2017 (Master)

Nachdem ich die Chance während meines Bachelorstudiums nie ergriffen hatte, habe ich mich zu Beginn meines Masterstudiums in Psychologie (Schwerpunkt OBAC) doch noch dazu entschieden, ein Auslandssemester zu machen. Dieses habe ich im Wintersemester 2016/17 an der Freien Universität Amsterdam (VU) verbracht. Ich hatte hier eine wunderschöne Zeit mit vielen wertvollen Erfahrungen und werde immer wieder gerne zurückkommen. Für alle, die gerade mit dem Gedanken spielen, ein Semester in Amsterdam zu verbringen, möchte ich daher nun etwas mehr zur Vorbereitung, dem Studium sowie dem Leben und der Wohnsituation in Amsterdam schreiben.

Vorbereitung und Organisation

Auf meinen Entschluss hin, ein Auslandssemester zu machen, informierte ich mich zunächst über das Kursangebot der unterschiedlichen Gastuniversitäten. Meine Wahl fiel schnell auf die Freie Universität Amsterdam, da mein Schwerpunkt im Studium auf wirtschafts- und kognitionspsychologischen Inhalten liegt und ich dieser Richtung auch während meines Auslandsstudiums treu bleiben wollte. Die Freie Universität verfügt über ein breites Kursangebot in meinen Schwerpunktbereichen und ich entschied mich letztlich für einen Minor ­ also ein durch die Uni zusammengestelltes Kurspaket. Generell kann ich einen Minor für ein Auslandssemester sehr empfehlen, da man sich im Rahmen verschiedener Kurse intensiv mit einem Themnbereich befasst und es zu keinen Kursüberschneidungen kommt. Aufgrund des hohen Workloads ergeben sich jedoch auch Nachteile ­ hierzu mehr unter dem Punkt "Studium".

Der Platz, der pro Semester an der VU vergeben wird, ist begehrt und es lohnt sich auf jeden Fall, frühzeitig mit der Bewerbung zu starten. Besonders wichtig ist hierfür das Motivationsschreiben, aus dem auf jeden Fall hervorgehen sollte, warum man genau an die gewählte und keine andere Universität möchte. Es ist aber auch von Vorteil, sich frühzeitig um ein Empfehlungsschreiben eines/r Dozenten/in zu kümmern. Mir erschien das zunächst nicht ganz so einfach, da ich für den Master an die Uni Heidelberg gewechselt war, im Winter 2015 gerade meine ersten Kurse absolvierte und mich daher noch nicht viele Dozenten/Innen kannten. Ich trat deshalb erst vor Weihnachten an eine Dozentin heran, die eines meiner gewählten Seminare leitete. Generell habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass alle Dozenten/Innen hier sehr hilfsbereit sind und ein gutes Empfehlungsschreiben auf der Basis des Kontakts im Seminar und evtl. eines kurzen Gesprächs erstellen.

Auf die Zusage der Universität Heidelberg erfolgt die Bewerbung an der Universität Amsterdam. Vorab ist zu sagen, dass man zu jedem Zeitpunkt Unterstützung vom International Office an der VU erhält und nicht viel falsch machen kann. Die Bewerbung läuft über ein Online-Tool und erfordert Dokumente wie ein aktuelles Transcript of Records oder das vorläufige Learning Agreement. An sich ist die Bewerbung an der Freien Universität Amsterdam jedoch reine Formsache. Im Rahmen der Bewerbung kann man auch bereits angeben, ob man die Bereitstellung einer Wohnmöglichkeit durch die VU wünscht, was ich jedem empfehlen würde, da der Wohnungsmarkt in Amsterdam alles andere als studentenfreundlich ist. Zur Wohnsituation schreibe ich mehr unter dem Punkt ,,Leben und Wohnen in Amsterdam".

Generell gibt es vor Beginn des Auslandssemesters einige Formalitäten zu regeln. Hierzu zählt unter anderem die verbindliche Kurswahl. Man bekommt jedoch alle Informationen rechtzeitig und kann gar nicht viel falsch machen, solange man regelmäßig sein Email-Postfach checkt.

Vorab ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich eine studentische Kreditkarte zuzulegen, mit der man im Ausland kostenfrei Geld abheben kann, für den Fall, dass man doch mal Bargeld braucht. Einige meiner Mitstudenten/Innen haben ein niederländisches Bankkonto eröffnet, was aber meiner Meinung nach nicht notwendig ist, da man neben der Möglichkeit, mit Kreditkarte zu zahlen, auch die Option hat, kostenfrei mit einer deutschen ec-Karte zu zahlen. Auch an der Uni funktioniert die deutsche ec- Karte entgegen aller Gerüchte einwandfrei.

Zuletzt sollte man sich bei der Entscheidung für Amsterdam über die etwas höheren Lebenskosten bewusst sein. Z.B. für Drogerieprodukte wie Shampoo oder Duschgel muss man mit erhöhten Preisen rechnen. Auch beim Einkauf von Lebensmitteln fallen die durchschnittlich höheren Kosten auf. Wenn man hierauf etwas achten möchte, gibt es aber auch in Amsterdam Läden wie ,,Aldi" oder ,,Lidl", in denen die Preise den deutschen gleichen.

Studium an der Freien Universität

Vorab ist zu sagen, dass sich das Semester in Amsterdam in drei Studienperioden gliedert, von denen die ersten beiden aus acht, die letzte hingegen aus nur vier Wochen besteht. Üblicherweise ist man hinreichend ausgelastet, wenn man in den ersten beiden Abschnitten zwei und im letzten einen Kurs belegt. Am Ende einer jeden Periode stehen Klausuren, jedoch gibt es auch währenddessen ­ meist wöchentliche ­ Assignments, mit denen man gut beschäftigt ist. Ich selbst habe im ersten Abschnitt nur einen Kurs belegt und hatte somit hier mehr Zeit, die Stadt zu erkunden.

Da ich vorab keinen Sprachtest (z.B. TOEFL) gemacht hatte, konnte ich ausschließlich Bachelorkurse belegen. Ich würde an dieser Stelle jedem Masterstudenten, ans Herz legen, einen solchen Sprachtest zu absolvieren. Auch wenn die Bachelorkurse an der VU auf relativ hohem Niveau sind, ist es sicher noch gewinnbringender und letztlich auch in Hinblick auf die Anerkennung leichter, Masterkurse zu belegen. Ich entschied mich letztendlich für einen Minor (was auch die vom International Office empfohlene Variante ist). Der Minor wurde von der Wirtschaftsfakultät organisiert und nannte sich ,,Understanding and Influencing Decisions in Business and Society". Da ich im OBAC-Master studiere, war der Schwerpunkt des Minors auf wirtschafts- und kognitionspsychologischen Inhalten für mich sehr passend. Aufgrund des Bachelorniveaus wiederholte sich einiges aus meinem vorhergegangenen Studium, aber es waren dennoch einige neue Dinge dabei.

Insgesamt kann ich die Belegung eines Minors auf jeden Fall empfehlen, da man hierbei spezifische Studieninhalte innerhalb von mehreren Kursen vertieft und es keine Kursüberschneidungen gibt. Der Kurs in der letzten Periode ist in der Regel sehr anwendungsbezogen und kombiniert alle Themen der vorangegangenen Kurse. Ein Minuspunkt war der vergleichsweise hohe Workload. So hatte ich wirklich für jeden Tag etwas zu lesen oder vorzubereiten und einzureichen. Im Gegensatz zu Nicht-Minor-Kursen hatte ich auch wesentlich mehr Wochenstunden (7-8 gegenüber etwa 3-4 in den regulären Kursen). Allerdings habe ich wirklich einiges aus den Kursen mitgenommen und durch die vielen Team- Assignments meine niederländischen Mitstudenten/innen besser kennengelernt. Wenn man sich einigermaßen organisiert, bleibt dennoch genügend Zeit für außeruniversitäre Aktivitäten.

Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Studium in den Niederlanden zunächst sehr anspruchsvoll wirkt, man jedoch auch mit geringerem Aufwand als in Deutschland sehr gute Noten erzielt. Das System ist wesentlich verschulter und meiner Meinung nach erscheint das Studium daher zu Beginn intensiver. Jedoch finde ich die dadurch entstehende familiärere Atmosphäre sehr angenehm. Die Lehrer nennen jeden Studenten schnell beim Namen - man wird direkt angesprochen und ist so auch sehr motiviert, dabei zu bleiben. Ich konnte letztendlich Kontakte mit einer Dozentin knüpfen, die mich nun auch nach dem Auslandssemester in Hinblick auf eine eventuelle Promotion unterstützt. Ich sehe das Auslandssemester daher auch als Chance für die weitere Studien- oder Berufsplanung an.

Wohnen und Leben in Amsterdam

Es ist schwierig, ein WG-Zimmer in Amsterdam auf eigene Faust zu bekommen. Daher habe ich mich für eine durch DUWO gestellte Unterkunft angemeldet. Diese wird im Rahmen der Bewerbung an der VU angeboten und man zahlt zunächst 200 Euro Provision für die Bereitstellung eines Zimmers. Ich habe mich für ein Zimmer mit eigenem Bad und geteilter Küche entschieden und bin so im sog. ,,Green Tower" auf dem Campus in Uilenstede gelandet, von dem aus man innerhalb von 10 Minuten an der Uni ist. Generell kann ich eine Unterkunft in Uilenstede sehr empfehlen, insofern man gerne andere Studenten/innen um sich hat und nicht vor gelegentlicher (oder auch häufigerer) Partymusik zurückschreckt. Auf dem Campus fühlt man sich schnell zuhause und wenn man Hilfe benötigt, ist der Hausmeister bzw. das DUWO- Büro direkt vor Ort. Man darf in Uilenstede keine neuwertige Einrichtung oder eine saubere Küche erwarten. Wenn man es allerdings einmal geschafft hat, es sich mittels Ikea und Co. gemütlich zu machen und eventuell einen Putzplan mit den Mitbewohnern aufzustellen, kann man sich auf jeden Fall wohl fühlen.

In Uilenstede gibt es ein Fitnessstudio, das vergünstigte Preise für Studenten anbietet. Außerdem verfügt der Campus über einen kleinen Supermarkt und einen Copy Shop. Zudem gibt es das Kulturcentrum Griffieon (ich kann die Salsakurse dort sehr empfehlen) und natürlich das Il Caffee, in dem man sich abends gerne noch trifft. Während Uilenstede nicht weit von der Uni entfernt ist, hat es jedoch den Nachteil etwas außerhalb vom Zentrum zu liegen. In den noch wärmeren Monaten kommt man aber schnell mit dem Fahrrad nach Amsterdam bzw. Metro und Tram fahren auch direkt vom Campus weg und brauchen etwa 20 Minuten bis in die Stadt. Auch vor dem Hintergrund, dass in Uilenstede immer etwas los ist und man sich auch gerne einfach mal dort aufhält, ist die Entfernung nicht weiter schlimm. Ich persönlich habe mich dort sehr wohl gefühlt und die studentische, lebendige Atmosphäre genossen.

In Amsterdam ist das Fahrrad der wohl wichtigste Begleiter. Ich habe mir günstig eines auf dem Markt am Waterlooplein gekauft ­ es gibt aber noch einige weitere Anlaufstellen, wie z.B. die Facebook-Gruppen, in denen man sein Fahrrad am Ende des Aufenthalts ebenso wieder weiterverkaufen kann. Für die öffentlichen Verkehrsmittel lohnt es sich, an einem Verkaufsautomaten oder am Schalter eine anonyme OV-Chipkaart zu kaufen, mit der man etwas günstiger als mit den regulären Karten von A nach B kommt.

Während meiner Zeit in Amsterdam habe ich viele Freundschaften mit internationalen, aber auch niederländischen Studenten/Innen geschlossen. Zunächst ging das recht schnell innerhalb der Kurse meines Minors, da man über alle Kurse hinweg mit denselben Leuten zusammen ist und so über ein Semester wirklich zusammenwächst. Zum anderen kann ich das Buddy Programm von ESN sehr empfehlen. Hier konnte ich gleich zu Beginn erste Kontakte knüpfen. Die durch ESN und ISN organisierten Wochenend-, aber auch Tagestrips und sonstigen Aktivitäten wie der wöchentliche Abend in Coco's Outback bieten viele Gelegenheiten, Leute kennenzulernen. In der ersten Woche organisiert das International Office zudem selbst ein Einführungsprogramm, innerhalb dessen die Uni vorgestellt und die Möglichkeit geboten wird, mit anderen internationalen Studenten zusammenzukommen.

Ausflüge in eine der vielen kleinen und großen holländischen Städte lassen sich super auf eigene Faust organisieren. So war ich z.B. während meines Semesters in Amsterdam in Den Haag, Utrecht, Rotterdam und Groningen. Zudem sollte man stets die Augen für Events in Amsterdam offenhalten ­ von diesen erfährt man meist durch Facebook oder einheimische Mitstudenten/Innen. Im Januar gibt es z.B. den International Tulip Day. Hierbei wird ein Tulpenmeer am Dam Square aufgebaut, aus dem man sich Blumen mit nach Hause nehmen kann. Zuletzt kann ich die vielen wunderbaren kleinen Cafés empfehlen. Ich denke, in einigen hiervon gewesen zu sein, jedoch gibt es so viele davon, dass man immer wieder ein neues entdecken kann. Wer gerne gute Pancakes essen möchte, sollte in die Pancake Bakery in der Prinsengracht gehen.

Fazit

Das Semester in Amsterdam zähle ich persönlich zu einer meiner wertvollsten und besten Erfahrungen. Ich habe dort viele neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Amsterdam hat einiges zu bieten und man kann stets etwas Neues entdecken ­ ich habe mich definitiv in die Stadt verliebt. Aber auch an der Uni habe ich wichtige Kontakte für meinen weiteren Weg geknüpft und durfte ein doch etwas anderes Hochschulsystem kennenlernen. Ich werde definitiv studienmäßig, beruflich oder auch einfach für einen Urlaub zurückkommen. Abschließend kann ich ein Semester in Amsterdam wirklich nur weiterempfehlen und wünsche allen, die dort einen Auslandsaufenthalt eine ebenso wunderschöne Zeit.