Report about my semester abroad 

Valencia, Winter 2011/2012 (Bachelor)

Valencia ist die drittgrößte Stadt Spaniens und bei Erasmusstudenten, besonders bei Deutschen sehr beliebt. Trotz ihrer Einwohnerzahl von fast 800 000 Menschen hat man nicht das Gefühl in einer Großstadt zu leben, da sie eine relativ geringe Fläche einnimmt. Dies hat den Vorteil, dass die meisten Strecken sehr gut mit dem Fahrrad zu bewältigen sind. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit die Metro zu nutzen, die jedoch, besonders im Stadtzentrum, nicht besonders gut ausgebaut ist. Das Busnetz hingegen ist extrem vielfältig, aber auch genauso verwirrend, es kommt des Öfteren vor, dass man in den richtigen Bus steigt und trotzdem an an einem völlig anderen Punkt ankommt, als gewollt.

Valencia ist eine schöne Stadt, mit alternativem Flair, viel Grün und vor allem im Winter einem wunderbar milden Klima, in der man sich für ein halbes Jahr durchaus wohlfühlen kann.

Sprachkurs

Auf Grund meiner etwas eingerosteten Spanischkenntnisse habe ich mich entschieden vor Beginn der Vorlesungszeit einen Intensivkurs am Centro d’Idiomas zu machen. Dieser kostet 200 Euro und umfasst 45 Unterrichtsstunden. Nach einem Einstufungstest wurde man in Gruppen von ca. 15 bis 20 Leuten eingeteilt und hatte dann täglich drei Stunden Unterricht mit abschließender Klausur.

Ich bin im Nachhinein sehr froh diesen Kurs gemacht zu haben, da sich mein Spanisch dort sehr verbessert hat und ich viele nette Leute kennengelernt habe. Das Kontaktknüpfen war dort sehr einfach, da alle neu und aufgeregt waren und Anschluss gesucht haben.

Wohnungssuche

Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass es nicht nötig ist sich vor Ankunft in Valencia um eine Wohnung zu kümmern. Es gibt hier sehr viele Wohnungen die oft extra an Erasmusstudenten vermieten werden. Im Internet ist eins der wichtigsten Portale für die Zimmer oder Wohnungssuche www.loquo.com. Außerdem werden in der ganzen Stadt, besonders in Unigegend Zettel mit Wohnungsangeboten aufgehängt, bei denen man anrufen und einen Besichtigungstermin abmachen kann.

Es gibt auch Agenturen, die eine gewisse Anzahl von Wohnungen verwalten und angeben sie wollten vor allem Erasmusstudenten helfen etwas Geeignetes zu finden. Davon würde ich jedoch abraten, da im Nachhinein dabei oft eine Provision oder ähnliches anfällt. Man muss immer im Kopf behalten: Es gibt mehr Angebote als Suchende, also keine Sorge. Trotzdem ist es auch wichtig zu wissen, dass sich der Standard der Wohnungen nur sehr selten mit dem Deutschen Standard vergleichen lässt. Die Wohnungen sind oft dunkel, klein und seit Jahren nicht renoviert. Auch die Einrichtung ist meist spartanisch und in den meisten Fällen gibt es keine Heizung, was im Winter dann doch manchmal etwas kühl werden kann. Aber man sollte sich davon wiederum nicht abschrecken lassen. Positiv ist, dass die Wohnungspreise sehr viel niedriger sind als in Deutschland. Es ist durchaus möglich Zimmer für 120 Euro zu bekommen vor allem im Studentenstadtteil Benimaclet, in der Innenstadt muss man mit ca. 200- 250 Euro rechnen.

Universität

Das Spanische Universitätssystem doch recht unterschiedlich zum Deutschen. In Psychologie sind die Kurse sind meist aufgeteilt in einen Theorie und einen Praxisteil, also eine Vorlesung und ein Seminar. In beiden Teilen muss man eine Leistung erbringen meist eine Klausur in der Vorlesung und ein Referat mit Ausarbeitung im Seminar.

Die Vorlesungen finden dann dreimal die Woche jeweils eine Stunde und die Praktika einmal die Woche eine Stunde statt. Zusätzlich werden in vielen Praktika wöchentliche Hausaufgaben erwartet. Man sollte sich also grundsätzlich nicht zu viele Kurse vornehmen, da die einzelnen schon sehr viel Arbeitsaufwand darstellen.

Ich habe festgestellt, dass zumindest in Psychologie das Niveau nicht ganz dem Deutschen entspricht, ich hatte teilweise das Gefühl, dass bisweilen eher altmodische Ansichten vermittelt werden und der Fokus doch oft auf Spanien beschränkt ist, so dass zum Beispiel viele amerikanische Theorien nicht berücksichtigt werden. Zudem hat mit überrascht, dass alle Texte ins Spanische übersetzt werden und von keinem Studenten verlangt wird Englische Texte im Original zu lesen.

Zu Beginn des Studiums gibt es einige organisatorische Dinge zu regeln, bei denen man vor allem Geduld braucht. Der Informationsfluss hier ist eher stockend, es kommt nicht selten vor, dass jede Stelle etwas anderes erzählt und man von A nach B rennt um eine einfache Frage beantwortet zu bekommen. Außerdem sollte man sich für alle Anmeldungssachen, wie Einschreibung, Kurswahl, Learning Agreement abholen Zeit nehmen. Man steht grundsätzlich eine halbe Stunde in einer Schlange und wird dann nochmal in ein anderes Büro geschickt wo man wieder ansteht. Aber immerhin sind die meisten Uniangestellten mit denen man es dann zu tun hat, sehr nett. Man sollte sich also nicht davon stressen lassen, dass alles etwas länger dauert und oft zuerst mal niemand Bescheid weiß, am Ende funktioniert dann doch immer alles irgendwie.

Valencia an sich

Obwohl die Stadt in Catalunya liegt, sprechen alle Leute Castellano und anders als In Barcelona stellt es kein Problem dar, wenn man den Dialekt Valenciano nicht spricht. Dinge wie Obst und Gemüse sind hier extrem billig und an jeder Ecke in Fruterias zu haben und auch Fleisch ist hier meinem Gefühl nach billiger. Ich denke die Lebenshaltungskosten sind insgesamt etwas weniger als in Deutschland.

Valencia ist ziemlich vielfältig, es gibt sehr alte und sehr moderne Stadtviertel, den Strand und einen 10 Kilometer langen Park der sich durch die ganze Stadt zieht. In jedem Stadtviertel sind Cafés und Restaurants deren Preise sich immens unterscheiden, je nachdem wie touristisch es ist.

Es handelt sich um einem sehr sichere Stadt außer einem Handtaschendiebstahl habe ich nicht mitbekommen, was einen beunruhigen könnte. Auch nachts hat man, auch als Mädchen alleine, eigentlich nirgendwo etwas zu befürchten.

Der spanische Lebensstil hat sowohl Vorteile als auch Nachteile. Das Leben findet auf der Straße statt, auch in Januar sitzen die Leute, dank Heizpilzen, noch vor den Cafés und vor allem während der Siesta ist fast jeder Stuhl von Bocadillo-essenden Menschen besetzt. Man bekommt das Gefühl, dass das Leben leicht und zu genießen ist. Immer ist irgendwo was los, und eigentlich kehrt in der Stadt erst spät Ruhe ein, was teilweise auch sehr schlafraubend sein kann. Gewöhnungsbedürftig ist die Siesta die von 2 bis 5 geht und in der die Stadt, zumindest im Sommer, lahm liegt. Kein Geschäft, kein Amt hat offen und sogar Vorlesungen gibt es zu dieser Zeit des Tages oder nur wenige. Dafür geht der Arbeitstag dann bis 9 oder 10 und alles was bei uns nachmittags erledigt wird, findet hier abends statt.

Alles in allem hat mir das halbe Jahr hier gut gefallen, ich habe ein völlig anderes Leben kennen gelernt mit all seinen Vor- und Nachteilen. Es war nicht immer nur schön sondern besonders am Anfang auch schwierig und frustrierend, doch es war eine Erfahrung um die ich froh bin und die ich allen empfehlen möchte.