Report about my semester abroad 

Valencia, Winter 2012/2013 (Bachelor)

Ich entschied mich nach langem Zögern, mein 7. Bachelorsemester im Ausland zu verbringen – was quasi meine eigene Bedingung dafür war, 8 statt 6 Semester studieren zu „dürfen“. Wenn schon, denn schon. Mitte August kam ich bei ca. 35-40°C an, verbrachte 2 Wochen in der Wohnung einer Kommilitonin im Stadtzentrum, die schon wieder nach Heidelberg zurückgekehrt war und suchte mir ein WG-Zimmer.

Wohnungssuche

Ich habe auf verschiedenen Internetseiten gesucht und Mails geschrieben, von denen ein Großteil allerdings nicht beantwortet wurde. Die gesprächigen Spanier sehen es wohl insgeheim lieber, wenn man anruft (was ich mich aber nicht getraut habe wegen der Sprache). Allerdings ist Whatsapp sehr beliebt bei den Studenten und man kommt fast nicht um das Programm drum herum bei der Wohnungssuche. Auch auf den vielen Facebook-Seiten für Erasmusstudenten (Stichworte: Erasmus, Valencia, Happy Erasmus, Erasmus Life, etc.) gibt es häufig Wohnungsanzeigen, die sich lohnen – gerade auch von anderen Erasmus-Studenten, die wieder gehen. Da unbedingt reinschauen! Mit das beliebteste Viertel ist Benimaclet. Voll von Studenten, mit sehr vielen Kneipen und in Uninähe. Außerdem auch die Gegend um Blasco Ibañez – das ist eine der größten Avenidas Valèncias und gleichzeitig die, an der sich die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die medizinische Fakultät und das Rektorat befinden. Also direkt an der Uni und trotzdem in 10-15 min zu Fuß im Centrum. Dort habe ich gewohnt (am Fußballstadion Mestalla).

Die Preise für ein WG-Zimmer bewegen sich etwa zwischen 150-250€. I.d.R. kommen dazu noch die Nebenkosten (gastos) von etwa 20-40€ monatlich. Es gibt aber momentan durchaus auch schon gute Zimmer für 100€ zu finden, wenn man etwas sucht und/oder Glück hat.

Ein paar Besonderheiten, die einem als Deutscher vielleicht spanisch vorkommen: Es hängen viele Wohnungsanzeigen auf Plakatflächen/an den Häusern aus. Diese sind i.d.R. absolut vertrauenswürdig, also nicht einfach daran vorbeigehen! ;) Außerdem werden häufig keine Verträge abgeschlossen, sondern das läuft einfach alles mündlich. Die Spanier sehen das alles ein bisschen lockerer :D Hat dann den Vorteil, dass man auch oft flexibler kündigen kann. Auch wird die Miete nicht überwiesen, sondern bei einer Bank bar auf das Konto des Vermieters eingezahlt (das ist eine in Spanien sehr verbreitete „Überweisungs“-methode!).

Eine wichtige Info, wenn ihr im Wintersemester gehen solltet: die nominalen Temperaturen sind zwar vergleichsweise hoch (10-15°C), aber die spanischen Wohnungen haben keine Heizungen und sind meist miserabel isoliert, so dass es tatsächlich häufig innen kälter ist als draußen. Außerdem ist València sehr windig. Es empfiehlt sich also auf jeden Fall, Winterkleidung mitzunehmen! Man wird sie brauchen. Gerade auch bei Exkursionen etwas weiter in den Norden (Cuenca hatte im November z.B. 2°C).

Bankkonto

Ich habe ein Bankkonto bei der BBVA eröffnet: das BBVA blue für junge Leute. Es hat ein paar Wochen gedauert (wegen Schwierigkeiten des Programms, den Reisepass auszuwerten), aber belohnt wurde ich mit kostenloser Kontoführung sowie kostenloser Überweisung und Onlinebanking. Kann ich absolut weiterempfehlen.

Handy

Mit die größten Mobilfunkanbieter in Spanien sind Vodafone (teuer!), Orange, Movistar, Simyo und Yoigo. Ich habe mich für Yoigo entschieden und kann diese auch sehr weiterempfehlen. Der Empfang und die Internetgeschwindigkeit waren hervorragend. Einziger Wermutstropfen war, dass Yoigo sehr häufig Probleme hatte, SMS speziell nach Deutschland auszuliefern – meine kamen nie an, wurden aber trotzdem abgebucht (in die USA oder nach Haiti allerdings kein Problem). Eine Ursache für diese weitverbreitete Störung konnte der Anbieter leider auch nicht benennen.

Mein Tarif „La del ocho“ kostete 8€ (+ 21% IVA) und beinhaltete 500MB Datenvolumen sowie für Spanien verhältnismäßig günstige Minuten- und SMS-Preise. Dabei muss man erwähnen, dass bei allen Anbietern in Spanien die Preise für Tarife, Minuten, SMS etc. immer ohne die 21% Mwst. (= IVA) ausgeschrieben werden – die muss man also jedes Mal mit drauf rechnen. Daher zahlte ich für meinen Tarif „La del ocho“ dann auch nicht 8, sondern effektiv 9,50€ sowie pro Minute und SMS 8ct (sprich: 9,5ct – dafür egal, ob die SMS ins In- oder Ausland ging).

In Spanien ist es ferner üblich, für jeden Anruf eine Verbindungsgebühr (establecimiento de llamada) von durchschnittlich 20ct abzubuchen. Positiv ist dann wiederum, dass die Minutenpreise generell gleich bleiben, egal ob man auf ein Handy oder das Festnetz anruft.

Meine Erfahrungen an der Uni

Mit meinen Erasmus-Unterlagen hatte ich keinerlei Probleme. Das Learning Agreement war zwar an der Gastuni irgendwie verschwunden, aber das war auch kein großes Drama. In meine 3 Uni-Kurse kam ich ohne Probleme (zusätzlich noch 1 semesterbegleitender Sprachkurs). Die Ausstattung der Uni ist klasse, allerdings gab es bei uns an der Fakultät quasi keine Vorlesungen. Der Unterricht findet eher wie ein Seminar statt, mit vielen zu erledigenden Hausaufgaben und Texten jede Woche. Die meisten Kurse finden 2x/Woche statt und dauern jeweils 2h (= 4h/Woche pro Kurs). Die Spanier wählen i.d.R. Kurse aus derselben Gruppe (A, B, C, D oder E, …), weil diese zeitlich schon aufeinander abgestimmt sind. Dh mit einer solchen Wahl ist die Chance größer, immer dieselben Spanier wiederzutreffen und Freundschaften zu schließen.

Die Lehre war leider der einzig schwache Punkt meines Auslandssemesters. Das akademische Niveau zumindest an meiner Fakultät war sehr viel geringer als in Deutschland. Es werden keine englischen Studien gelesen (die würde keiner verstehen aufgrund der Sprachbarrieren) und recht wenig Studien(ergebnisse) oder Theorien mit ihren Autoren besprochen bzw. genannt. Es erinnert an Schule wie die Professoren etwas erzählen und die Studenten ihnen das einfach so glauben. Der positive Punkt daran ist, dass sehr viel aus dem Alltag als Beispiel herangezogen wird und auch sehr viel immer wieder über die Bedeutung für die Praxis geredet wird. Auch das Klima zwischen Studenten und Professoren ist wesentlich wärmer als in Deutschland (man duzt sich beim Vornamen – generell im öffentlichen Bereich typisch für Spanien, sei es im Supermarkt oder in der Bank) und auch zwischen den Studenten herrscht nicht so ein Konkurrenzkampf wie in Heidelberg. Das empfand ich als sehr erholsam und förderlich für die Kreativität und das kritische Denken – welches durchaus gefördert wird!

Die Unterrichtssprachen sind Spanisch und Valenciano – ich habe nur erstere besucht, hatte da aber auch keine übergroßen Probleme. Klar versteht man nicht immer alles, aber aufgrund der geringen Vorgehensgeschwindigkeit ist das i.d.R. zu verkraften. Englische Veranstaltungen soll es angeblich auch geben, allerdings haben mir da Kommilitonen berichtet, dass auch diese faktisch in Spanisch mit ein wenig „Englisch in Zeichensprache“ abgehalten werden. Sind also vernachlässigbar.

Freizeit

València ist eine wundervolle Stadt, die sehr viel zu bieten hat und die ständig pulsiert. An jeder Ecke findet man Bars und Kneipen, es gibt einige Discos (die bekanntesten sind das Mya und L’Umbracle in der Stadt der Künste und Wissenschaften, Las Tres, Las Animas am Hafen, Rumbo) sowie das Weggehviertel ‚Carmen‘ und – gerade im Sommer (der durchaus auch im Dezember noch reinblitzt mit 20°C) – findet man das pralle Leben (und „Botellones“) überall in den Straßen.

Auch kulturell hat die Stadt einiges zu bieten: zuallererst die berühmte Stadt der Künste und Wissenschaften, dann das kostenlose Museo de Bellas Artes (sehr schön!) sowie die eher moderner ausgerichteten Großmuseen MUVIM und IVAM. Pflicht ist die Seidenbörse (La Lonja de la Seda) sowie der Mercado Central und das Postamt (Correos). Empfehlen kann ich auch das Stadtmuseum (etwas weiter außerhalb) sowie das sehr kleine Stierkampfmuseum.

Ansonsten kann man natürlich an einen der vielen Strände fahren. Der bekannteste – weil direkt an der Stadt und einfach mit den ÖNV zu erreichen – ist dabei der Malvarrosa. Wunderschön auch der Saler, der allerdings außerhalb liegt und wo man mit dem Bus in etwa 45min hinkommt, dafür dann aber auch sehr viel Ruhe und Natur um sich hat (mitten im Naturschutzgebiet der Albufera). Probierpflicht haben natürlich die Paella, die Horchata samt Fartons (Erdmandelmilch dem zugehörigen Gebäck) sowie das Agua de València (Sekt, Wodka, Gin + Orangensaft – Vorsicht, sehr süß mitunter!). Essen gehen stellt sich in València mitunter jedoch schwierig dar, wenn man sich nicht nur von Tapas ernähren will (was ich jedoch 8 Monate sehr gut geschafft habe ohne dessen jemals müde zu werden). Denn in València als der Stadt des Reises gibt es überall auch entsprechende Paellas zu kosten – allerdings werden diese immer nur frisch für min. 2 Personen zubereitet. Die „Taberna de la Reina“ (an der zentralen Plaza de la Reina) ist für andere Gerichte im Zentrum eine gute Alternative – direkt auf der anderen Seite des Platzes am Eck auch die beste Eisdiele der Stadt. Zwei der Plätze, an denen die Studenten sich abends tummeln und essen gehen sowie in Bars oder draußen abhängen, sind die Plaza Xuquer und die Plaza del Cedro. An letzterer befindet sich auch die Chupitería „Espit“, die unbedingt einen Besuch lohnt („chupito“ = Shot in dieser Bar gibt es über 600 verschiedene)!

Valenbisi

Valenbisi ist eigentlich für jeden Studenten Pflicht. Darunter versteht man ein Jahresabo (ca. 24€), das einem ermöglicht, an einem der vielen Fahrradstände in Valencia ein Fahrrad auszuleihen, 30min kostenlos zu fahren und es dann an einer anderen Fahrradstation wieder abzugeben. Da man in 30min i.d.R. überall in der Stadt hinkommt, wo man hinwill, ist das das ideale Fortbewegungsmittel in València. Auch wenn ab und zu dann mal kein Platz frei ist und man eine andere Station suchen muss. Ansonsten ist das Metro-Netz sehr gut ausgebaut und im Zentrum bewegt man sich sowieso zu Fuß fort.

Reisen/Ausflüge

Generell kann ich nur empfehlen: organisiert euch eure Reisen selber, wenn ihr wirklich etwas sehen wollt. Happy Erasmus und Erasmus Life sind gar nicht zu empfehlen, denn da gehen Tagesausflüge (und auch auf einer Andalusien-Reise hab ich das erlebt) meist überhaupt erst mittags los. Dafür kommt man dann nachts z.B. um 05.00 Uhr heim, um noch das Nachtleben des Ausflugsziels mitnehmen zu können. Wer Party will, ist bei diesen Veranstaltern allerdings sehr gut aufgehoben. Tagesausflüge von ESN sind hingegen in kultureller und unterhaltsamer Hinsicht sehr zu empfehlen! Es sind leider nicht allzu viele, also da unbedingt die Augen offen halten (Facebook hilft!). Ansonsten selber organisieren. Der öffentliche Transport funktioniert in Spanien ganz hervorragend und ist wesentlich günstiger als in Deutschland. Mit dem Bus von València nach Madrid oder Barcelona (je ca. 4h) sinds etwa nur 25-28€, mit Angeboten (z.B. 3 Tickets zum Preis von 2) kommt man teilweise sogar auf 38€ hin und zurück. Züge sind i.d.R. teurer, aber oft auch noch gut erschwinglich. Ich habe einiges vom Land gesehen, aber was ich unbedingt empfehlen kann, sind natürlich Madrid, Barcelona, Andalusien (besonders Sevilla, Granada und Córdoba) sowie die Gegend um Ávila (man fühlt man sich wie in Legoland), Segovia (mit Dornröschenschloss) und Salamanca (eine vollkommene Universitätsstadt). Ansonsten hat Spanien überall wunderschöne Ecken zu bieten, die es sich zu entdecken lohnt!

Als besondere Events seien hier noch der Karneval von Cádiz erwähnt (sehr originell und unterhaltsam!) sowie selbstverständlich die Fallas in València. Beide „ferias“ sind einzigartig und haben mich sehr beeindruckt und gehörten mit zu den tollsten Erfahrungen, die ich in Spanien gemacht habe.

Allgemeine Empfehlungen

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht unbedingt gelohnt hat, sich in Spanien einen Tandem-Partner zu suchen. Denn die Spanier sind generell so aufgeschlossen und freundlich, dass man auch so auf Parties usw. sehr gut Leute kennenlernen kann, die dann vielleicht auch eher an gemeinsamen Unternehmungen interessiert sind. Denn die, die Tandem suchen, sind häufig wirklich nur am reinen Sprechen der Sprache interessiert.

Mein Fazit

Für mich persönlich war der Aufenthalt in València eine wunderschöne Zeit und daher auch eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Das Studium war zwar sehr stressig, aber die Menschen mit ihrer offenen und unkomplizierten Art haben dafür tausend Mal entschädigt. Es war für mich auch sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich das Leben und die Menschen in Deutschland und Spanien sind, wo wir doch beide demselben Kulturkreis angehören. Das hätte ich in diesem Ausmaß nie erwartet. Gerade auch für die spätere Arbeit mit Migranten o.ä. hat mir der Auslandsaufenthalt daher sehr viel gebracht, ich kann jetzt einige Herausforderungen beim Aufenthalt in einem fremden Land besser nachvollziehen. Integration ist eben gar nicht so einfach, selbst wenn man sie mit allen Mitteln will. Für mich persönlich zog dies die Erfahrung mit sich, dass ich mich doch – trotz aller Ängste und Bedenken im Voraus – erstaunlich gut alleine in einem fremden Land zurechtfinden kann, was mir einfach für die baldige Zeit nach dem Studium eine große Sicherheit gibt.

In die Stadt habe ich mich – zwar erst auf den zweiten Blick, dafür aber umso tiefer – verliebt. Man kann einfach nicht anders. Sie hat eine sehr ausgeprägte Identität und die Valencianer fühlen sich ihr sehr verbunden. Da muss man einfach mit reingezogen werden. Dieser wunderbarer Mix aus Tradition und Moderne, geprägt durch die allgegenwärtige, pulsierende Kreativität ihrer Bewohner., macht Valencia zu einer sehr offenen, grünen und lebendigen Stadt und damit für ein Erasmus- Semester perfekt. Nicht zu groß, dass man nicht immer wieder über schon Bekannte(s) stolpert, aber auch nicht zu klein, dass man nicht jederzeit etwas Neues ausprobieren könnte, wenn man denn Lust hat. Das einzige, was ich wirklich bereue, ist, nicht von vornherein ein ganzes Jahr geplant zu haben, denn im Nachhinein war das an meiner Fakultät (von der Uni València aus) nicht mehr möglich. Ich bin hungrig nach València gegangen und komme noch viel hungriger wieder zurück.