Report about my semester abroad 

Madrid, Winter 2015/2016 (Master)

Leben und Wohnen

Direkt zu Beginn meines Aufenthalts habe ich einen Fehler gemacht, vor dem mich vorher niemand gewarnt hatte, deswegen hier: Im Sommer stehen viele Wohnungen und Zimmer in Madrid leer, weil viele Leute nur während des restlichen Jahres eine Ausbildung oder Studium machen und im Sommer vor der Madrider Hitze fliehen. Wenn ihr also Ende August kommt und 1, 2 Nächte im Hostel bucht, könnt ihr entspannt einen Haufen Zimmer anschauen und euch dann eins aussuchen. Von Mitte September bis Ende Oktober wird es dann immer enger und ich habe letztendlich bereut, nach meiner Einschreibung und Sprach-Test (zur Einstufung für den Sprachkurs) nochmal in den Urlaub gefahren zu sein. Nach zwei Wochen Hostel hatte ich dann aber auch etwas gefunden. Auch für den Kontakt mit anderen ERASMUS-Studierenden ist die frühe Anreise von Vorteil, weil es relativ wenige Master-ERASMUS Studierende gibt, für die es nicht nochmal eine gesonderte Begrüßung gibt. Da ich so spät kam und mich dann auch nicht sonderlich bemüht habe, habe ich nur wenig Kontakt zu anderen ERASMUS-Studierenden gehabt. Meine sozialen Kontakte liefen über meine WG und meine „Klasse“.

Der Campus der Autónoma ist 25 min mit dem Zug von dem Zentrum von Madrid entfernt. Daran gewöhnt man sich und die Cercanias (Regionalzüge) sind ziemlich bequem zum Lesen und nicht so überfüllt wie die Metro. Ihr solltet euch auf jeden Fall so früh wie möglich um die „Tarjeta transporte público“ kümmern, auf die ihr euer Monatsticket aufladen könnt. Einen der heiß begehrten Termine zur Erstellung der Karte in einem der Metro-Büros macht ihr am besten schon ein paar Wochen früher aus Deutschland aus. Seit Oktober 2016 wurde wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit die Grenze des „Jugendlichen“-Tickets auf einschließlich 25 angehoben und kostet nur noch 20€ im Monat! Das ist unschlagbar im Vergleich zu den meisten Großstädten Europas, vor allem weil man mit Zug und Bus sehr weit aus Madrid raus fahren kann, um z.B. Toledo, Königspaläste, El Escorial (Ruhestätte aller Könige + Familie) und natürlich die Natur im Norden Madrids zu besuchen! Für wunderschöne Wandertouren im Nationalpark empfehle ich als Startpunkt Cercedilla (mit Cercania) und Manzanares el Real (Bus ab Plaza de Castilla). Für Skifahren oder Schneewanderungen ab Cercedilla noch weiter Richtung Los Cotos (Bergbahn bis Ende März kostenlos mit der TTP und wirklich schön im sonnigen Winter). ESN bietet auch einige dieser Ausflüge an, außerdem noch andere Busreisen weiter weg.

Gewohnt habe ich für 300 € in einer 5er-WG, mein Zimmer war 10 m2 mit großem Ost-Fenster (viele gehen nur in einen Hinterhof, was nur für den Sommer wichtig ist, aber laut und dunkel sein kann) und die Lage war für mich perfekt (direkt neben dem Retiro, wo man Laufen gehen und workouten kann). Die Metro Linie 1 verbindet fast alle coolen Viertel und Ausgehmöglichkeiten und ist noch zudem nicht 100m unter der Erde, wie manche der neueren Linien. Allerdings ist sie diesen Sommer im Umbau und wird erst wieder gegen Oktober aufgemacht. Alternativ habe ich für die Innenstadt und für nachts wenn die Metro nicht mehr fährt die öffentlichen Fahrräder benutzt. Mit TTP zahlt man nur einmalig 10€ für ein Jahr und dann 50 Cent pro halbe Stunde. Die Fahrräder sind flott mit einem Elektromotor unterwegs und stark genutzt, weswegen man manchmal einen Station weiter laufen muss. Im Straßenverkehr sind die Madrilenios rücksichtsvoll mit Fahrradfahrern und Fußgängern (ganz anders als Süd-Frankreich oder Italien).

Um coole kulturelle Angebote mitzubekommen habe ich ein bisschen gebraucht, weil außer den Museen vieles ein bisschen versteckt ist. Ich empfehle Jazz-Bars in Lavapiés, el Cine Doré, la Tabacalera, el Huerto del Retiro und viele nette Bars verteilt über die ganze Stadt.

Wenn ihr auf eigene Faust reisen wollt sind Bus oder Blablacar das Mittel der Wahl. Züge sind leider unglaublich teuer, selbst wenn man weit im Voraus bucht.

Studieren

Das Studium an der Autónoma hat bei mir 100% gepasst. Mir hat es an vielen Stellen sogar besser gefallen als in Heidelberg. Allerdings war ich in meinem Vorgehen auch etwas ungewöhnlich. Da die meisten Master in Spanien nur ein Jahr und ein bisschen dauern und das 3. Semester meistens aus einem Praktikum oder Masterarbeit besteht, habe ich mich für Kurse des 1. Mastersemesters angemeldet obwohl ich in Heidelberg schon im 3. gewesen wäre. Das war insofern genial, als dass ich von Anfang an Teil der Klasse war und sich noch keine festen Gruppen gebildet hatten. Außerdem habe ich alle Kurse aus einem Master gewählt (Master de Metodología de las Ciencias del Comportamiento y de la Salud) und hatte dadurch jeden Tag mit den gleichen Leuten Uni. Außer mir waren in meiner Klasse nur ein Chinese wodurch das Spanisch ganz von alleine kam (Sprachkurs habe ich im ersten Semester trotzdem gemacht, war begleitend ganz gut). Die Profs des Methoden- Lehrstuhls (v.a. Antonio Pardo, Juan Botella, Manuel Suero) schaffen es, auch für die weniger Statistik-affinen richtig gute Lehre für angewandte Statistik zu machen. Von der Atmosphäre her habe ich mich ein bisschen zurückversetzt gefühlt in die Schule (Klassenclowns, etc.). Auch weil das Leistungsniveau der Leute viel breiter gestreut ist als in Heidelberg. Wir waren nur ca. 20 Leute in dem Master und das Verhältnis mit den Profs ist sehr interaktiv und locker (immer per Du und kleine private Tutorien auf Nachfrage). Nach meinem Jahr haben sich viele Profs gewundert, dass ich mich verabschiedet habe. Sie gingen davon aus, dass ich den Master auch noch zu Ende mache, was mir die Koordinatorin des Masters tatsächlich angeboten hat, mir aber zu viel Aufwand und Kosten waren. Ich kann also sagen, dass ich ein gutes Stück Flexibilität (Erbsenpicken bei den Veranstaltungen) und das Risiko, in HD nicht alles anerkannt zu bekommen, gegen eine sehr gute Integration in das Uni- Gefüge getauscht habe. Da die Anerkennung im Endeffekt kein Problem war und man sowieso nie sagen kann, wie eine Veranstaltung ist (auch wenn sie einen tollen Namen trägt), würde ich alles nochmal genauso machen!